Anzeigenhauptmeister sorgt für Bürokratie in Cham und behauptet: „Österreicher parken besser als Deutsche“

Von Tanja Fenzl · 18. November 2024 um 19:00

Was passiert mit den Parksündern, die der Anzeigenhauptmeister der Stadt Cham gemeldet hat? Zumindest einige davon kommen wohl ungeschoren davon, bestätigen Sigrid Stebe-Hoffmann und Michael Bücherl von der Stadt Cham.

Die geschäftsführende Beamtin und der Ordnungsamtsleiter hatten vergangene Woche die 56 E-Mails des Oberpetzers aus Sachsen-Anhalt auf den Tisch bekommen, der sich im Oktober in Cham auf die Suche nach Falschparkern begeben hatte. Drei gemeldete Fahrer dürfen auf jeden Fall aufatmen.

Sie hatten direkt im Zuständigkeitsbereich des Chamer Verkehrsüberwachungsdienstes in der Innenstadt verbotswidrig angehalten, aber: „Die betreffenden Fahrer hatten nur zwei Minuten angehalten, das fällt bei uns unter Kulanz. Das ahnden wir auch im Normalfall nicht“, erklärt Stebe-Hoffmann.

Anzeigenhauptmeister hat über 50 Parksünder in Cham aufgeschrieben

Anders verhält es sich mit den übrigen 54 Parksündern. Sie hatten außerhalb des Altstadtbereichs falsch geparkt und fallen damit in den Zuständigkeitsbereich der Polizei. „Die Mails wurden an die Polizeiinspektion Cham weitergeleitet“, gibt Bücherl Auskunft.

Verjährungsfrist vermeiden

Dort hatte Verkehrssachbearbeiter Christian Hiergeist die zig Meldungen des Social-Media-Stars und hobbymäßigen Verkehrs-Melders auf den Schreibtisch bekommen. Mit den einzelnen Vergehen beschäftigt sich allerdings auch die Chamer Polizei nicht direkt, sondern leitet diese ans Polizeiverwaltungsamt Straubing weiter. „Dort werden Vorermittlungen geführt und die Halter angeschrieben.“ Das erfolge ziemlich zeitnah, lässt Hiergeist wissen, denn: „Solche Verkehrsdelikte verjähren innerhalb von drei Monaten, und die Meldungen stammen ja schon vom Oktober“.

Falschparker erwartet Post von der Polizei

In dieser geballten Form sind der Chamer Polizei bis dato noch nie Falschparker angezeigt worden. „Mit dem so genannten Anzeigenhauptmeister waren wir bisher noch nicht konfrontiert.“ Allerdings melden auch normale Bürger hin und wieder Falschparker bei der Polizei. „Das kommt immer wieder einmal vor.“

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Was mit den Anzeigen, die ja eigentlich erst einmal nur Meldungen sind, weiter passiert? „Das wird in der Regel schon verfolgt, zumindest das, was sich gerichtsverwertbar beweisen lässt.“ Fotos, wie sie Anzeigenhauptmeister Niclas Matthei inklusive Ort und Zeit weiterleitet, erfüllen diese Vorgaben vermutlich. Diejenigen, die am 6. oder 7. Oktober vornehmlich in Cham-West in der Nähe des Krankenhauses oder am Schulberg Richtung Katzberg hinauf oder in Chammünster falsch geparkt haben, könnten also demnächst Post von der Polizei bekommen.

Bußgeld vierstellig?

Matthei hat allein in diesem Jahr seiner Online-Bilanz zufolge inzwischen bereits 3588 Parksünder gemeldet. Hobbymäßige Park-Petzer stehen immer wieder in der Kritik, dass sie viel bürokratischen Aufwand verursachen, an dessen Ende nicht immer auch ein verhängtes Bußgeld steht.

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Für Cham schätzte der junge Mann, der bereits vor vier Jahren, mit 15, in seinem Heimatstädtchen mit seinem speziellen Hobby angefangen hat, die Bußgeldeinnahmen im unteren vierstelligen Bereich. 22 Autofahrer hatten Mattheis Meldungen zufolge ihr Fahrzeug geparkt, ohne die vorgeschriebene Parkscheibe angebracht zu haben. Elf parkten „verbotswidrig auf der linken Fahrbahnseite“, jeweils vier parkten im absoluten Halteverbot oder auf dem Gehweg, und drei hielten auf dem Gehweg an und behinderten dabei andere.

Wie berichtet, war Social-Media-Star Matthei Anfang Oktober auf dem Weg zu einem Auftritt in der Disco Vulcano in Niederbayern wegen eines Unfalls stationär im Chamer Krankenhaus gelandet. Nach seiner Entlassung hatte er die Gelegenheit vor Ort genutzt, um Parksünder in der Stadt zu finden. Der selbst ernannte Anzeigenhauptmeister, nach eigener Aussage inzwischen Millionär, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in jedem Ort Deutschlands Falschparker zu finden.

Nach dem Vulcano-Auftritt in Österreich auf Parksünder-Jagd

Und während in Cham seine letzten Park-Opfer auf Post von der Polizei warten, hat Matthei am Samstag seinen Disco-Auftritt in Aicha vorm Wald nachgeholt und dort für viele Fotos posiert, und war tags darauf gleich über die Grenze im oberösterreichischen Innviertel unterwegs, um dort Falschparker zu melden. Medienberichte zeigen ihn mit neuem Hitlerbärtchen und zitieren ihn, dass die Österreicher besser parken könnten als die Deutschen.

Auf einer Falschparker-Seite im Web hat Anzeigenhauptmeister Niclas Matthei die Stellen markiert, an denen er in Cham Parksünder entdeckt hat Foto: Karte: weg.li