Trend in Cham angekommen: Automaten mit Mystery-Packs versprechen das große Los

Angeblich wurden schon teure Smartwatches oder Handys aus den Automaten geholt. Mystery Packs, Mystery Boxen, Secret Packs, Surprise Boxes – der Trend, bei dem auf Knopfdruck Überraschungspakete gekauft werden, hat auch den Landkreis Cham erreicht. In Cham und Bad Kötzting stehen diese Wundertüten-Geräte für Erwachsene.
Den ersten derartigen Automaten haben die Inhaber des Fitnesspoint im Juli in den Landkreis geholt. Im oberen Stock des Kaufland-Gebäudes, gleich oben am Treppenabsatz, steht der Automat, der Spannung und Spiel ganz ohne Schokolade verspricht. „Die Chefs haben das im Urlaub wo gesehen und ausprobiert, und jetzt haben wir hier ein nettes Zusatzangebot“, grinst Studioleiter Daniel Nowara.
Mystery-Packs aus Retouren von Amazon & Co.
Für 15 Euro kann man sich an dem Automaten eines der Pakete herauslassen. Aber was ist drin? „Das sind Retourenpakete von überallher, Palettenware, die im Großhandel eingekauft werden kann. Was drin ist, wissen wir aber selber nicht“, sagt Nowara. „Da kann alles dabei sein, vom Kleidungsstück bis hin zum Handy“, meint er.
Einer der ersten, der über den großen Aufsteller am Fuß des Treppenaufgangs den Weg zum Automaten gefunden hat, ist Lukas aus einem Chamer Ortsteil. „Das ist schon eine lustige Idee, das musste ich gleich ausprobieren“, sagt er. Für sich und seine Freundin hat er jeweils ein Päckchen ausgesucht und mit nach Hause gebracht. „Aufgemacht haben wir es miteinander, das ist aufregend wie an einem Geburtstag.“ Und, was war drin? „Für mich eine Badehose, die mir aber nicht passt, und für meine Freundin ein iPhone-Ladekabel. Sie hat aber kein iPhone“, lacht Lukas. „Darum geht’s aber gar nicht, man kann die Sachen ja weiterverkaufen oder herschenken“, meint er.
Der Inhalt der Mystery-Boxen: streng geheim
Es sei eben wirklich alles Mögliche in den Päckchen versteckt, sagt Nowara. „In letzter Zeit waren öfter Earpods drin. Aber es hat auch schon einmal einer eine Smartwatch raus. Kleidung ist eher seltener dabei, aber einmal war ein original Designerhemd drin, leider in XXL“, grinst Nawaro.
Die Päckchen, mit denen die Automaten befüllt werden, werden von verschiedensten Versandanbietern über den Großhandel weiterverkauft.
Elektronische Geräte sind beliebt
Oft rechnet es sich für die Verkäufer nicht, die Ware auszupacken, auf Zustand zu überprüfen, und dann auch nur noch als B-Ware weiterverkaufen zu können. Die Automatenbetreiber können in einer Vorauswahl entscheiden, welche Art Produkte sie als Mystery Pack verkaufen wollen. Beliebt sind elektronische Geräte aus dem TV- und Handy-Bereich. Die Päckchen sind Retouren, die nicht angenommen oder zurückgeschickt werden beziehungsweise nicht zustellbar waren. Die ursprünglichen Adressen sind dabei geschwärzt. Erahnen lässt sich nur über Größe und Form der Pakete, was möglicherweise drinstecken könnte. „Das macht auch den Reiz aus“, vermutet Nawaro.
Ein Selbstversuch am Chamer Mystery-Automaten
Das schreit nach Selbstversuch. 20 Euro kosten an diesem Tag zwei Päckchen, „Doppeldeckertime“ heißt das, wie im Club, wenn es zwei Cocktails zum Preis von einem gibt. Der Automat schluckt den Geldschein, dann kann man die einzelnen Etagen per Knopfdruck rotieren lassen, bis man ein interessantes Päckchen entdeckt. Die Wahl fällt auf ein Fach mit zwei vielversprechend aussehenden Paketen – in der Redaktion ist dann nach dem Auspacken erst einmal Rätselraten angesagt.
Ein kleines Päckchen entpuppt sich als Handy-Kordel, mit der man sich sein Smartphone um den Hals hängen kann. Leider ist die dazugehörende Hülle nur für ein spezielles Handy geeignet, die speziellen Kamera-Aussparungen schränken den Gebrauch für andere Smartphones ein.
Verwendungszweck unbekannt: Google-Recherche hilft weiter
Das zweite Paket beinhaltet zwei gummierte Pfropfen mit 20 Zentimeter Kabelschnur daran. „2x LED Seitenbeleuchtung“, besagt ein Aufkleber auf einer Plastikhülle. Ein Kollege vermutet „etwas zur Beleuchtung für einen Computer“, ein anderer tippt nach längerem Begutachten auf Gegenstände aus dem Fahrzeugbereich. Die Originalverpackung fehlt. Eine Fotorecherche im Internet findet schließlich den Verwendungszweck der schwarzen Gummiteile: Es handelt sich um Fahrzeug-Begrenzungsleuchten. „Das Schöne ist die Spannung, was drin sein könnte“, lautet am Ende das Fazit.
Ein zweiter Mystery-Standort in Cham
Mittlerweile gibt es in Cham einen weiteren Mystery-Automaten bei der Scheurer-Kreuzung, der hier aber Secret-Packs-Automat heißt. Ein riesiger Pfeil deutet auf das Gerät hinter einem Bauzaun, wo es Pakete in recht großen Fächern zu kaufen gibt. Auch XXL-Pakete sind hier erhältlich – weshalb auch die Preisspanne deutlich höher ist. Päckchen kosten hier auch einmal über 30 Euro – es gibt aber auch Inhalte für deutlich weniger Geld.
„Baggerl“ in Bad Kötzting
In Bad Kötzting hat Lisa Riederer vor einigen Wochen ebenfalls einen Mystery-Automaten aufgestellt; erst in der Arnbrucker Straße, inzwischen neben dem Club UG1. Die „Secret Woidbaggerl“, wie die Viechtacherin ihre Päckchen-Ausgabestelle liebevoll getauft hat, kosten hier ab 7,50 Euro aufwärts. Um es für die Kunden spannend zu machen, verspricht Riederer in regelmäßigem Abstand ein Handy unter den Päckchen.
„Wir kriegen oft gar nicht mit, was in den Päckchen war“, sagt Nowara. „Die Leute machen die Päckchen meistens in Ruhe daheim auf.“ Auch der Studioleiter selbst hat sich schon einmal ein Paket herausgelassen. Er grinst: „Da war eine elektrische Bürste für den Abwasch drin.“
Die Standorte der Secret-Box-Automaten
Cham: Mystery-Pack-Automat beim Fitness-point im Regentalcenter in der Rodinger Straße, 1. Stock; Secret-Packs-Automat in der Janahofer Straße an der Scheurer-Kreuzung neben dem roten Haus
Bad Kötzting: Woidbaggerl-Automat neben dem Eingang des UG1 Club Cocktailbar neben dem Restaurant Route 2140 Classic Diner in der Pfingstreiterstraße.





