Anzeigenhauptmeister in Cham: Selbst ernannter Park-Polizist fotografiert Falschparker in der Region

Von Tanja Fenzl · 9. Oktober 2024 um 19:00

Vor allem der jüngeren Generation ist Niclas Matthei ein Begriff. Der selbst ernannte Park-Polizist aus Sachsen-Anhalt sorgt in ganz Deutschland für Strafzettel und ist durch seine Bekanntheit in den Medien nach eigener Aussage innerhalb eines Jahres zum Millionär geworden. Am Wochenende war der Anzeigenhauptmeister, wie er sich nennt, in Cham unterwegs. Und hat dabei überdurchschnittlich viele Falschparker erwischt.

In seiner Heimatstadt Gräfenhainichen mit seinen rund 7000 Einwohnern hat er angeblich bereits acht Prozent der Bevölkerung angezeigt, wie jemand mit viel Zeit ausgerechnet hat. Den Berichten zufolge ist der erst 18-Jährige durch sein skurriles Hobby, Verstöße aller Art zu dokumentieren und den Behörden zu melden, mittlerweile bereits in fast allen überregionalen Medien zu finden gewesen und hat auf seinen Social-Media-Kanälen Hunderttausende Follower – allein auf Instagram folgen ihm über 84 000 Menschen. Doch der Anzeigenhauptmeister ist nicht nur auf den Straßen der Republik zu finden, sondern wird auch von Discos und Clubs für Selfie-Auftritte gebucht. Und so verschlug es ihn am Wochenende auch in den Bayerischen Wald.

„Vorfall“: Anzeigenhauptmeister verpasst Auftritt in Disco Vulcano

Denn eigentlich hätte er am Samstag einen Auftritt im Vulcano in Aicha vorm Wald im Landkreis Passau gehabt. Aufgrund nicht näher beschriebener Umstände landete er aber stattdessen im Chamer Krankenhaus, was er auf einem seiner Social-Media-Kanäle auch mitteilte. Mit einem Post aus dem Krankenhaus erklärt er seinen Fans, wieso er nicht in Aicha vorm Wald war. Kryptisch teilt er mit: „Dienstliche Zwischenfälle sind für den Anzeigenhauptmeister eigentlich nichts Ungewöhnliches (...). Aber der letzte Zwischenfall, der den AHM dienstunfähig machte, war zu einem schlechten Zeitpunkt, der Clubtermin in Aicha vorm Wald war somit nicht mehr möglich.“

Wurde der Falschparker-Anzeiger wieder geschlagen?

Auch am Telefon verrät der Parkaufseher dazu nicht mehr: „Ich verweigere dazu die Aussage“, lässt er sich zitieren und durchblicken, dass es zu einem Zwischenfall im Zusammenhang mit seiner selbst auferlegten Aufgabe gekommen sei – „nicht direkt in Cham, aber im Umkreis“, bestätigt er. Es wäre immerhin nicht zum ersten Mal, dass Matthei quasi „im Dienst“ körperlich angegriffen wird, wie im April in Bautzen auf einem Parkplatz, als er von einem Unbekannten mit der Faust ins Gesicht geschlagen wurde.

Anzeigenhauptmeister muss stationär ins Chamer Krankenhaus

Im Chamer Krankenhaus musste er jedenfalls, so viel räumt er ein, bis Montagnachmittag stationär behandelt werden. Und nutzte sodann sofort die überaus günstige Gelegenheit, um in der Kreisstadt nach Parksündern zu suchen. Immerhin hat er sich vorgenommen, in jeder Gemeinde und Stadt bundesweit mindestens einen Verstoß zu melden. Die Chamer machten es ihm dabei offenbar recht leicht: „Rund um das Krankenhaus selber hatte ich die meisten Treffer, da haben viele keine vorgeschriebene Parkscheibe eingelegt gehabt.“ Außerdem hätten einige verbotenerweise oberhalb des Eingangs entlang des Bürgersteigs geparkt, wo absolutes Halteverbot herrscht.

Danach ging es in Richtung Innenstadt – „auch dort wurde ich fündig“, und in den Norden der Stadt , „wo es recht hügelig wurde, den Katzenberg hinauf, wo ich viele Linksparker gefunden habe“, erinnert sich der Zuagroaste, der als Ortsunkundiger auch Cham wie Scham ausspricht. Weiter ging es nach „Schammünster“, wo er vor allem Gehwegparker entdeckte.

Die Chamer Autofahrer parken schlecht

Wie genau hat der Anzeigenhauptmeister die Parkvergehen dokumentiert? „Ich habe Fotos gemacht, die ich den zuständigen Stellen weiterleite“, sagt er, und stellt den Chamern ein schlechtes Zeugnis aus: Etwa 30 Falschparker hat er in kürzester Zeit aufgenommen, „in anderen Städten dieser Größenordnung waren es meistens gerade einmal um die zehn“.

Chamer Fans machen mit dem Anzeigenhauptmeister sogar Selfies

So richtig unbeliebt macht sich der junge Mann mit seinem Hobby übrigens nicht überall. „Rund um Krankenhaus und in der Stadt haben mich ein paar erkannt und nach einem Selfie gefragt.“ Weniger beliebt machte er sich bei einem Autofahrer, der sofort das Weite suchte, als er merkte, dass sein Wagen von einem jungen Mann im Halteverbot fotografiert wurde.

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Polizei: Auch normale Bürger melden Parkverstöße

Matthei ist nicht der einzige, der die Polizei regelmäßig sozusagen bei ihrer Arbeit unterstützt. „Jeder kann im Grunde genommen Verstöße an die Polizei weitergeben, auch durch Fotos beweisen“, sagt ein Sprecher der Polizeiinspektion Cham. „Es kommt immer wieder vor, dass sich jemand ärgert, wenn eine Ausfahrt zugeparkt wurde oder jemand mit dem Auto den Gehweg blockiert, und das dann bei uns meldet.“ Voraussetzung dafür sei, dass mit den Beweisen auch die Personalien hinterlegt werden, „weil derjenige dann ja auch als Zeuge fungiert“. Den Anzeigenhauptmeister, der in den kommenden Tagen seine in und um Cham gesammelten Beweise an die Behörden weitergeben will, kennt man bei der Chamer Polizei ebenfalls bereits. „Wir freuen uns auf seine Fotos“, grinst der Chamer Polizeibeamte.

Auftritt im Vulcano in Aicha vorm Wald wird nachgeholt

Übrigens: Der Auftritt im Vulcano mit Selfies und Autogrammkarten sowie Alkoholkontrollen soll am 16. November nachgeholt werden, bestätigt der Anzeigenhauptmeister. „Parkt also besser nicht im Halteverbot“, warnen die Veranstalter ihre Gäste vorsorglich.

Knöllchen-Millionär wurde erst 2024 zur Berühmtheit

Zur Person: Der Anzeigenhauptmeister hat inzwischen auch einen Wikipedia-Eintrag, der besagt, dass der junge Mann bürgerlich Niclas Matthei heißt, 2005 oder 2006 geboren wurde und ein deutscher Falschparkeranzeiger ist. Matthei wuchs in Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt auf. Er wurde im Frühjahr 2024 durch sein systematisches Anzeigen von Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung bekannt. Eigenen Angaben zufolge ist er durch Kooperationen, Werbeauftritte und seine Social Media Auftritte inzwischen Millionär. An den Knöllchen selbst verdient er nichts.

(Quelle: Wikipedia)

Der Anzeigenhauptmeister ist seit einem halben Jahr in zahlreichen Medien zu finden, ob auf Social Media, im Fernsehen oder in Zeitungen und Zeitschriften. Foto: Anzeigenhauptmeister
Sein gelb leuchtender Anzug ist inzwischen sein Markenzeichen. Foto: Anzeigenhauptmeister
Ein Auftritt in der Discothek Vulcano führte den Falschparkermelder in die Region. Foto: Kauer