Groß angelegte Suchaktion im Kreis Cham hat Erfolg: Der Käfer-Oldtimer steht in Willmering

Ein dreiviertel Jahr lang hat Sandra Scherwinski aus Rheinland-Pfalz nach ihrem geliebten VW Käfer gesucht – jetzt hat sie ihn gefunden. Genauer gesagt: Herbert Feldbauer aus Traitsching hat ihn für sie gefunden. Der Radiomoderator konnte den jetzigen Besitzer ausfindig machen: Es ist ein Käfer-Fan aus Willmering.
Einen Tag nach der guten Nachricht ist Sandra Scherwinski am Telefon noch immer ganz aufgeregt. „Ich konnte die ganze Nacht kaum schlafen“, sagt sie. „Das geht mir schon nahe.“ Wie berichtet, hatte die 46-Jährige in einer Ebay-Kleinanzeige nach ihrem ersten eigenen Auto gefahndet, das sie vor 14 Jahren nach Dresden verkauft hatte. Die Spur führte seit einer Weile in den Landkreis Cham, doch erst nach etlichen Medienberichten in den letzten Wochen kam die Suche so richtig ins Laufen.
Lesen Sie dazu auch: Frau (46) aus Rheinland-Pfalz bittet um Hilfe: Spur ihres Kult-Autos verliert sich im Landkreis Cham
Einer der Hobbydetektive: Herbert Feldbauer, der für den Radiosender Charivari einen Aufruf gestartet hatte, und sich dann selbst auf die Suche machte. „Die erste Spur führt nach Chamerau, wo das Auto angeblich immer beim Bäckerwirt gesehen wurde.“ Ein Telefonat mit dem Bäckerwirt Baumgartner und ein weiteres Telefonat mit dem Besitzer eines VW Käfers brachte aber schnell die Erkenntnis: Das ist nicht das gesuchte Fahrzeug. „Der Autobesitzer sagte gleich, dass sein Auto nicht das Gesuchte ist.“ Schon das Jahr der Erstzulassung stimmte nicht: 1985 statt 1970. Doch Feldbauer ließ nicht locker.
Käfermeldungen allerorten
Käfer aus Traitsching und Waldmünchen wurden gemeldet, aber auch einer aus Willmering. Der wurde von einem Radiohörer ins Spiel gebracht, weil er einen roten VW Käfer in seinem Profilbild auf Facebook zeige, der ziemlich viel Ähnlichkeiten mit dem gesuchten Auto habe. Am Wochenende fährt Feldbauer einige Stationen ab und landet dabei auch bei Lukas Dobmeier in Willmering, seines Zeichens auch zweiter Vorsitzender des Chamer Segelflug-Sportvereins.
In der Chamer Region gibt es viele VW Käfer
Der wusste da schon seit Tagen von der Suche und auch, dass er das gesuchte Auto hat. „Erst dachte ich, es gibt ja viele Käfer, allein in Willmering weiß ich von sieben, und drei davon sind rot“, sagt Dobmeier. Er albert noch mit seiner Freundin herum, ob das gesuchte Auto wohl seins ist. Doch erst als er das Erstzulassungsdatum vergleicht, bestätigt sich der Verdacht. Weil er am Wochenende in Österreich auf einer Wasserwachts-Übung war, verfolgte er den Medienrummel aus der Ferne. „Das war schon viel“, schüttelt er inzwischen den Kopf.
Als er am Sonntagnachmittag aus Österreich zurückkommt, wartet schon ein Medienvertreter auf ihn, um die öffentlich erzählte Geschichte zu einem Happy End zu bringen. Doch da spielt Dobmeier nicht mit.
Denn im Interview macht der Willmeringer gleich deutlich: Er wird den Käfer keinesfalls verkaufen. Ein herber Schlag für die Frau aus dem 400 Kilometer entfernten Hunsrück. Denn Dobmeier hängt an seinem Auto, das sein zweites ist. Der 30-Jährige hat es vor acht Jahren im Internet entdeckt – genau das Modell, was er schon immer wollte. „Liebe auf den ersten Blick“, blickt er zurück. Weil das Foto aber einen weiß-rosafarbenen Wagen zeigt und ihn auch der niedrige Preis misstrauisch macht, scheut Dobmeier zunächst vor dem Kauf zurück.
Der Käfer Oldtimer hatte nicht einmal mehr TÜV
Drei Wochen später findet er denselben Wagen in einer Kleinanzeige aus Tirschenreuth. Eine Nachfrage ergibt schnell, dass es der selbe Wagen ist, der zuvor bei einer Auktion versteigert worden war. „Deshalb war er so günstig, der stammte aus dem Konkurs eines Bühnenbildners, der das Auto nur so hergerichtet hatte, dass es schön ausschaut.“ Als Dobmeier den Wagen „unglaublich günstig“ kauft, hat der Käfer auch nicht einmal mehr TÜV. „Ich musste dort einmal die Karosserie herrichten“, erinnert sich der Willmeringer. Inzwischen hat er auch Bremsen, Motor, Fahrwerk repariert – der Käfer schnurrt inzwischen wieder wie am Schnürchen. „Ich fahre ihn aber nur bei schönem Wetter“, sagt Dobmeier, dessen ganze Familie Oldtimer- und Käfer-verrückt ist. Schon mit 14 habe er den Käfer des Freundes seiner Schwester bewundert und sich gedacht, „das wäre auch einmal etwas für mich“. Das Auto-Basteln und Tüfteln hat der gelernte technische Zeichner von seinem Opa gelernt, langjähriger Vorsitzender des Heinkel-Clubs Cham. Derzeit richtet Lukas Dobmeier einen Youngtimer her, der seinem verunglückten besten Freund gehört hat. „Das hat natürlich auch sentimentale Gründe“, sagt Dobmeier.
Versöhnliches Ende
Sandra Scherwinski trägt es mit Fassung, dass der jetzige Besitzer den roten Käfer behalten will: „Ich kann das Auto zwar nicht zurückkaufen, aber es ist auch schon gut zu wissen, dass mein Käfer in so einem klasse Zustand ist und gepflegt wird. Ich bin realistisch: Es ist halt nicht mehr mein Käfer, sondern inzwischen sein Käfer.“
Deshalb hat sie sich auch nach einem Tag Hin- und Hergerissenheit dagegen entschieden, in den Bayerischen Wald zu fahren, „nur zum Auto-Gucken“. Sie sagt freimütig: „Das hat keinen Sinn, und ich weiß, wenn ich es noch einmal sehe, dann verliebe ich mich gleich nochmal in mein altes Auto, und dann fällt es mir noch viel schwerer.“
Sie hat Dobmeier eine Textnachricht geschrieben, „für den unwahrscheinlichen Fall, dass er den Wagen doch irgendwann einmal verkaufen will“.




