Models, Designer, Mr. Thailand: Chamerin frisierte bei der New York Fashion Week

Von Sabrina Kauer · 8. Oktober 2024 um 05:00

Anna Nowak-Maciejewska aus Cham ist für einen unbezahlten Job einmal um die halbe Welt geflogen. Bei der Fashion Week in New York zeigte die Friseurmeisterin unter Zeitdruck ihr Können. In den sieben Tagen in ihrer Traum-Stadt hat sich die 43-Jährige weniger wie eine Touristin gefühlt, sondern als ein Teil der Stadt, die bekanntlich niemals schläft.

Anna Nowak-Maciejewska sitzt auf einem der Sessel in ihrem Friseursalon CutAnka in Windischbergerdorf. Erzählt sie von ihrer Reise, strahlt sie übers ganze Gesicht. „Es war alles mega aufregend. New York ist einfach toll. Ich bin total verliebt in die Stadt“, sagt sie. Dass die Chamerin im September 2024 in die Weltmetropole fliegen wird, um dort Models und Designer zu frisieren, war für die dreifache Mutter bis Mitte des Jahres noch gar kein Thema.

Als sie über die Friseurvereinigung „Grenzenlos“ erfahren habe, dass drei Arbeitsplätze für die bevorstehende Fashion Week frei wurden, hat es die Friseurmeisterin in den Fingern gejuckt. Denn schließlich handelte es sich dabei um einen Job in der Stadt, die sie unbedingt einmal sehen und erleben wollte, so Nowak-Maciejewska. „New York war schon immer ein Traum von mir“, sagt die Friseurmeisterin und fügt hinzu, „ich hab’ mir gedacht, ich informiere mich einfach mal, wie das läuft, und ob ich überhaupt eine Chance habe.“

Anstrengendes Bootcamp

Die hat sie, wie sich bei einem zweitägigen Bootcamp im Juni in Hannover herausstellte. Unter der Anleitung von Gary Baker, dem Creative Director der New York Fashion Week, musste sich Anna Nowak-Maciejewska unter 40 weiteren Friseurinnen und Friseuren beweisen – in Teamwork, auf Englisch und unter Zeitdruck, so wie es auch hinter den Kulissen bei der Fashion Week der Fall ist. „Wir mussten mit Leuten zusammenarbeiten, die man nicht kennt. Das ist ’ne Kunst, dass es dann auch noch funktioniert. Es war echt anstrengend“, erinnert sich die Friseurmeisterin.

Doch mit Friseurin Gudrun an der Seite, die Nowak-Maciejewska nach eigener Aussage beim Bootcamp kennen und mögen gelernt hat, habe alles so geklappt, wie es sollte. Noch vor Ort habe die Chamerin erfahren, dass sie mit ihrem Handwerk überzeugen konnte. Somit stand fest: Für die 43-Jährige geht es nach New York!

Bis zum Abflug am 4. September habe sich Nowak-Maciejewska regelmäßig mit Friseurmeisterin Stefanie Hartmann aus Sünching im Landkreis Regensburg getroffen. Auch sie durfte die Models der New York Fashion Week frisieren.

Und dann war es so weit: Am Abend des 4. September ist die Chamerin in der Stadt ihrer Träume angekommen. „Ich war überwältigt“, erinnert sich Nowak-Maciejewska. Wie sie sagt, habe sie New York nicht als laut, hektisch und überfüllt wahrgenommen. Im Gegenteil: „Ich fand es nicht erdrückend, weil die Straßen so lang waren, dass du weit blicken kannst. Für mich persönlich war es echt ruhig und chillig. Es gab kein langes Warten, kein Drängeln.“

Als Mensch vom Land liebe die Friseurmeisterin die Natur. Und obwohl New York mit seinen prächtigen Bauwerken alles andere als Natur ist, habe es der Chamerin gefallen. „Ich habe mich wohlgefühlt“, sagt sie, und schwärmt gleichzeitig von der Mentalität der Amerikaner.

Miss Universum frisiert

Anna Nowak-Maciejewska hat in der Freizeit beinahe alle ihre „Wunsch-Sehenswürdigkeiten“ abgeklappert, erzählt sie. Doch war die Chamerin ja nicht nur deswegen in die Weltmetropole gereist. „Wir mussten auch viel arbeiten. Aber ich hab’ mich richtig auf die Arbeit dort gefreut.“ Je nach Schicht sei es schon mal um 4 Uhr morgens losgegangen.

Mit ihrem Ausweis-Band um den Hals und ihrer Arbeitstasche in der Hand habe sich die Chamerin auf dem Weg zur Modenschau-Location oder zurück ins Hotel „gefühlt, als wenn ich ein Teil der Stadt wär’ – so geschäftig“, sagt sie.

Bei der Fashion Week hat Nowak-Maciejewska unter anderem Miss Universum 2022 oder Mr. Thailand frisiert. Auch die Haare von Models oder Designern durfte sie stylen. Viele davon habe sie selbst nicht gekannt. Die Promis seien aber auch nicht der Grund für die Reise nach New York gewesen.

„Ein Model hat mir ein Foto gezeigt, auf dem sie mit Paris Hilton auf einer Feier zu sehen ist. Da merkst du dann erst, wo du gerade bist“, sagt die Friseurmeisterin und fügt hinzu, „die Models sind alle total nett“.

Sleek Ponytails, Wet Hair Look und Ornamente

Auf der Tagesordnung standen unter anderem Sleek Ponytails mit Seiten- oder Mittelscheitel, wobei kein Härchen nach oben oder zur Seite abstehen durfte. Auch Wet Hair Looks mit Gel, natürliche Frisuren mit Wellen und Haarschmuck wie Kronen oder Ornamente gehörten zur Arbeit. Die Herausforderung dabei: „Die Frisur muss sitzen. Wenn sich das Model bewegt oder sogar stürzt – die Frisur muss sitzen“, sagt Nowak-Maciejewska.

Die Arbeitstage seien unterschiedlich lang gewesen. „Aber du musst die ganze Zeit konzentriert und voll da sein.“ Rückblickend habe sich all die Mühe gelohnt: „Es war schön, als wir so von Gary gelobt wurden.“ Auch eine Designerin habe die Chamerin bei ihrem Handwerk beobachtet und sich daraufhin entschieden, sich von Anna Nowak-Maciejewska frisieren zu lassen. „Das hat mich ganz stolz gemacht. Da wusste ich für mich: ,Das rockst du hier‘.“

Ob die Chamer Friseurmeisterin noch einmal bei der Fashion Week hinter den Kulissen arbeiten würde? „Ich wäre sofort dabei, wenn’s die Zeit hergibt. Gudrun und ich wollen auf jeden Fall zur Fashion Week nach Paris.“

Erinnerungsfotos mit den Models durften nicht fehlen.
In der Freizeit klapperte die 43-Jährige auch einige Sehenswürdigkeiten ab.