Traditionsgeschäft im Chamer Stadtzentrum schließt

Von Tanja Fenzl · 14. März 2023 um 19:00

Die ältere Kundin verabschiedet sich mit Handschlag von Kristina Großkreuz. „Viel Glück und alles Gute“, wünscht sie ihrer Friseurin und bedankt sich für die jahrelange gute Betreuung. Zum 31. März schließt eines der traditionsreichsten Handwerksgeschäfte in Cham endgültig seine Pforten.

Der Salon Ellmann war über Jahrzehnte die erste Adresse in der Kreisstadt, wenn es um Haarmode ging.

In der Ecke steht noch ein Corona-Überbleibsel: Auf dem Schild prangt ein rotes „Stop“-Zeichen, das die Kunden auf die Pandemie-Maßnahmen aufmerksam machen sollte. Das Stoppzeichen wirkt prophetisch. Corona und seine Folgen haben es für die 39-jährige Chefin unmöglich gemacht, den Frisörladen zu halten.

Pandemie sorgt für das Aus

Die Pandemiezeit mit all ihren Beschränkungen hat, so scheint es, dem traditionsreichen jahrzehntelangen Familienbetrieb den Todesstoß gegeben. Als Großkreuz, die im Salon Ellmann im Jahr 2000 ihre Lehre begonnen hatte , das Geschäft von ihrem damaligen Chef Christian Ellmann übernahm, war nicht absehbar, wie nachhaltig sich das tägliche Arbeitsleben verändern würde. „Hätte ich das damals gewusst, hätte ich es vermutlich nicht gemacht“, blickt sie heute zurück.

Frauen färben öfter selber

Die Zwangsschließungen und Beschränkungen während der Coronazeit hätten dazu geführt, dass viele Kunden heute deutlich seltener zum Friseur gingen als vorher. „Frauen färben sich die Haare heute oft selber; die gehen mal schnell in die Drogerie und kaufen sich Farbe“, Männer rasieren sich zuhause ihre Haare kurz. Die Kunden sind weniger geworden, und diejenigen, die geblieben sind, kommen nicht so häufig wie vorher. Dazu kommt: „Die Leute wollen nicht mehr warten. Früher war am Freitagnachmittag der ganze Herrenbereich voll, wer warten musste, hat sich unterhalten oder Zeitung gelesen. Heute rufen die Kunden an und wenn man sagt, es geht erst eine Viertelstunde später, heißt es, da habe ich keine Zeit mehr.“

Schon nach der ersten Coronawelle vor gut zwei Jahren habe sie überlegt, zuzumachen, sagt Großkreuz. Die Beschränkungen , das Maskengebot, der Testzwang über lange Monate habe die Kunden zusätzlich verschreckt.

Alles ist teurer

Obwohl inzwischen endlich alle Beschränkungen aufgehoben sind, sagt Großkreuz, bleibe ihr jetzt nichts anderes übrig, als zu schließen. „Alles ist teurer geworden: Strom, Wasser, Löhne, Versicherungen, Krankenkasse – jeder will mehr Geld“, zählt Großkreuz auf, die gleichzeitig bemerkt hat, dass die Kunden deutlich weniger Geld zur Verfügung haben. Jetzt zieht die Mutter einer elfjährigen Tochter die Reißleine.

„Viele Kunden vermuten, das Aus hänge mit meiner erneuten Schwangerschaft zusammen. Das stimmt aber nicht“, betont Großkreuz. Schon zuvor habe sie sich dafür entschieden, den Laden in der Grünwaldstraße, oberhalb des Modegeschäfts Gruber, zu schließen. Die Schwangerschaft habe das Aus allenfalls um ein, zwei Monate beschleunigt.

Sie selber will nach dem 31. März noch zwei Monate lang arbeiten, gerade ist sie auf der Suche nach einer Beschäftigung. Nach der Elternzeit will sie sich vielleicht neu orientieren. „Ich weiß noch nicht, wo die Zukunft hingeht“, sagt sie. Ihr früherer Chef, von dem sie 2018 das Geschäft übernommen hatte, weil er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, wird ab 4. April im Friseurgeschäft von Max Gitterer anfangen.

Bundesweit sorgte die Pandemie für einen Umsatzrückgang von rund 30 Prozent. Während die Zahl der Betriebe in den letzten Jahren, auch nach Corona, leicht anstieg, gibt es gleichzeitig immer weniger fest angestellte Frisöre und deutlich weniger Lehrlinge, klagen die Frisöre.

Die letzten Termine

Kristina Großkreuz vergibt noch einen der letzten Termine am Telefon. „Jetzt am Schluss will jeder noch einmal kommen“, sagt sie. Im Januar und Februar dagegen habe man gemerkt, dass viele Kunden gerade mit Nachzahlungen und privaten Rechnungen zu kämpfen hatten. Jetzt, im März, hat die 39-Jährige noch einmal Stress. Alles soll ordentlich zu Ende gebracht werden. „Ich zähle schon die Tage“, sagt Großkreuz. In zwei Wochen ist die Friseurtradition im Chamer Zentrum zu Ende.

Am Vordach ist noch das bekannte Ellmann-Logo mit dem wallenden Haar zu sehen. Seit 2018 hieß das Geschäft aber Salon Ina. -Foto: Fenzl
Der Männerbereich vorne beim Eingang ist nahezu verwaist. -Foto: Fenzl