Von Sünching auf die Fashion Week: Friseurin stylte in New York Models für die große Show

Nach ihrer Rückkehr ist Stefanie Hartmann überzeugt: „New York ist tatsächlich die Stadt, die niemals schläft.“ Laut, hektisch – und wahnsinnig beeindruckend sei es dort gewesen, sagt die Sünchingerin (Landkreis Regensburg), die es für ein besonderes Event in die Millionenmetropole gezogen hat. Die Friseurmeisterin war Teil der Fashion Week und stylte die Haare der Models für die Shows.
„Zustande gekommen ist das, nachdem ich in unserem Branchenmagazin gelesen habe, dass ein Team deutscher Friseure für die New Yorker Fashion Week gesucht wird. Ich habe mich beworben und im Januar die Zusage erhalten“, sagt die 39-Jährige, die in Sünching seit neun Jahren den Salon Velvet Hair by Steffie betreibt und Teil der Vorstandschaft der Friseur- und Kosmetikerinnung Regensburg Stadt und Land ist.
Zusammen mit 32 Kollegen aus ganz Deutschland und Österreich ging es für die Friseurin im Juni zunächst in ein zweitägiges Bootcamp nach Hannover, wo sie auf den großen Einsatz vorbereitet wurde. Zu zweit oder zu viert habe man zusammen an einem Trainingskopf gearbeitet. „Für das komplette Styling hatte man nur etwa zehn Minuten Zeit“, erzählt sie.
Pompöser Blumenschmuck
Rund zwei Monate später flog Hartmann dann nach New York. Für die Shows fuhren die Friseure in kleinen Gruppen mit der Subway zu den verschiedenen Einsatzorten. „Die Fashion Week ist über die komplette Stadt verteilt“, sagt sie, „die erste Location war eine wunderschöne alte Kirche.“
Aufwendige Steckfrisuren, Haarschmuck, eingearbeitete Haarteile oder Beach Waves: All diese Trends waren in den Shows gefragt. „Zum Teil waren es wirklich außergewöhnliche Frisuren mit riesigem Haarschmuck oder pompösen Blumenarrangements. Die waren teilweise 40 Zentimeter hoch und sahen richtig brachial aus.“
Hektik gehörte dazu
Ein Einsatz habe vier bis fünf Stunden gedauert – und hektisch sei es dabei immer zugegangen. Wenn eine Frisur nicht im vorgegebenen Zeitfenster fertig wurde, mussten die Friseure ihr Werk während des Fittings der Models, also der Anprobe der Kleidungsstücke der Designer, vollenden. „Es ging zu wie im Taubenschlag“, sagt Hartmann.
Obwohl es eine Herausforderung gewesen sei, mit mehreren Stylisten an einem Model zu arbeiten, habe alles gut funktioniert. „Man musste natürlich Englisch sprechen und dabei alle Fachausdrücke beherrschen“, sagt sie, „aber auch das war kein Problem“.
Einen Tag lang konnten die Friseure aus Deutschland außerdem dazu nutzen, die Stadt abseits der Laufstege zu erkunden. „New York ist riesig. Wir sind einmal von Uptown nach Downtown gefahren.“ Unbedingt besuchen wollte Hartmann auch den Ground Zero. Der Ort, an dem einst das World Trade Center stand und an dem sich heute das 9/11 Memorial befindet, habe sie sehr beeindruckt. „Man bekommt dort wirklich Gänsehaut. Das Museum ist sehr berührend und absolut nichts für schwache Nerven.“
Inspiration für die eigenen Kunden
Auch jetzt, nachdem Hartmann schon wieder im Land ist, verarbeitet sie den Trip noch, der für sie mit vielen Emotionen verbunden war. „Es war einfach eine andere Welt“, sagt sie. Obwohl der Kontrast zwischen Sünching und New York wohl nicht größer sein könnte, hat die Friseurin dennoch Inspirationen für ihre Kunden aus dem Landkreis mit nach Hause genommen.
„Es gibt auf jeden Fall Trends, die ich in meinem Salon umsetzen möchte. Zum Beispiel eine Frisur, die aus einem schlichten Zopf und vorne aus einer Art Wasserwelle besteht. Das könnte ich mir gut für eine Brautfrisur vorstellen.“ Zusätzlich zu neuen Ideen hat sie ihren Kunden natürlich einiges zu erzählen. „Viele sind ganz stolz, dass ich als kleiner Friseur aus dem Landkreis auf die Fashion Week nach New York gefahren bin“, sagt sie.
Mit ihren Kollegen, mit denen sie die Zeit in den USA verbracht hat, steht Hartmann im Übrigen weiterhin im Austausch. Bei einer Show im Oktober, bei der neue Techniken gezeigt werden, wird es ein Wiedersehen geben. „Das ist das Schöne an unserem Beruf: Wir haben wahnsinnig viele Möglichkeiten, etwas Kreatives zu machen“, sagt sie, „die Erfahrung mit New York war eine absolute Bereicherung“.
Infos zum Event
Modenschau: Die New York Fashion Week ist eine der größten Modeschauen der Welt. Die Frühlings-und Sommerkollektionen werden im September vorgestellt, die Mode für Herbst und Winter im Februar.
Kollektiv: Die Reise für Stefanie Hartmann und ihre Kollegen möglich gemacht hat die Friseur-Initiative Grenzenlos zusammen mit Creative Director Gary Baker von Unite, Partner der New York Fashion Week. Unter dem Motto „Miteinander und nicht gegeneinander“ will das Kollektiv dem Berufsstand zu mehr Anerkennung in der Gesellschaft verhelfen

