Von Lesung bis Leichenschmaus: Vier Frauen planen in Regensburg Veranstaltungen rund um den Tod

Von Marion Neumann · 10. Februar 2025 um 09:00

Um abseits ihres Arbeitsalltags in der Bestattungsbranche über Fragen rund um den Tod diskutieren zu können, haben die vier Unternehmerinnen das „Schöner Sterben Kollektiv“ ins Leben gerufen. Ab Ende Februar sollen das restliche Jahr über Veranstaltungen in Regensburg stattfinden, die sich auf ganz verschiedene, vielleicht auch ungewöhnliche Weise mit dem Sterben beschäftigen.

Eigentlich beschäftigt sich Magdalena Schwarzwald tagtäglich mit dem Tod – und doch, oder vielleicht gerade deshalb, gibt es Fragen, welche die Bestatterin auch über ihren Arbeitstag hinaus begleiten. „In meinem Beruf habe ich auf eine praktische Art mit dem Sterben zu tun“, sagt sie, „ich bin Dienstleisterin. Aber ich interessiere mich auch auf einer Meta-Ebene für den Tod.“

Wie gehen wir als Gesellschaft mit Abschieden um – und welche Verantwortung haben wir gegenüber unseren Nachfahren? Das sind nur einige der Themen, mit denen sich Schwarzwald und Anni Klostermeier, ebenfalls Gründerin des Bestattungsinstituts „plan b.“, gemeinsam mit Katharina Scheidig und Kristina Steinhauf, den Inhaberinnen der Urnen-Firma „urnfold“, in den öffentlichen Raum bringen wollen. „Im Alltag bin ich gebunden an Vorgaben. Wie groß ist das Urnengrab – und welche Farben wünschen sich die Angehörigen? Ich muss konkrete Lösungen finden. Aber darüber hinaus will ich auch die Fragen stellen, die mich beschäftigen“, erklärt auch Scheidig ihre Motivation.

Viel Raum für offene Fragen

Um abseits des Arbeitsalltags über Fragen rund um den Tod diskutieren zu können, haben die vier Unternehmerinnen deshalb das „Schöner Sterben Kollektiv“ ins Leben gerufen. Ab Ende Februar sollen das restliche Jahr über Veranstaltungen in der Stadt stattfinden, die sich auf ganz verschiedene, vielleicht auch ungewöhnliche Weise, mit dem Sterben beschäftigen.

Den Anfang macht eine Buchpräsentation in der Buchhandlung Dombrowsky. Am 25. Februar stellen die Autorinnen und Grafikdesignerinnen Luisa Stömer und Eva Wünsch ihr Buch „Schwellenangst“ vor, das eine Annäherung an einen anderen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer bieten soll und dabei Bereiche wie dem biologischen Prozess des Sterbens, aber auch bürokratische Hürden und unkonventionelle Bestattungsformen thematisiert. „Die Art, auf die sich mit dem Tod beschäftigt wird, ist in dem Buch durchaus unterhaltsam. Es passiert auf eine nahbare Weise“, sagt Scheidig.

Lesung in der Buchhandlung Dombrowsky

Lalena Hoffschildt, Inhaberin der Buchhandlung Dombrowsky, hat nicht gezögert, als das „Schöner Sterben Kollektiv“ mit seiner Anfrage auf sie zukam. „Ich hatte das Buch schon da. Als dann eine junge Frau in den Laden kam und die Buchhandlung für die Veranstaltung angefragt hat, waren wir uns in kürzester Zeit einig. Ich finde den kreativen Ansatz des Kollektivs faszinierend – und vor allem die Lebendigkeit, mit dem es das Thema angeht.“ Bislang habe vor allem ein jüngeres Publikum Interesse gezeigt. „Das hat mich etwas verblüfft. Ich hatte das in diesem Bereich nicht erwartet. Aber es freut mich sehr“, sagt Hoffschildt.

Was außerdem bereits feststeht, ist, dass das Kollektiv in den ersten beiden Oktoberwochen die kulturelle Zwischennutzung des M26 in der Maximilianstraße übernimmt. Für diese Zeit haben sich die Frauen ein ambitioniertes Projekt vorgenommen. „Wir wollen dort 10 000 Dinge zeigen, die wir im Vorfeld via Aufruf sammeln werden. Das ist die Zahl, die ein Mensch durchschnittlich in seinem Leben anhäuft – und die dann eventuell auch im Nachlass entsprechend verwaltet werden muss“, erklärt Schwarzwald.

Zwischennutzung im M26

Zu der Frage, wie man mit dem Nachlass von Verstorbenen umgeht, soll es Performances, Workshops und Vorträgen geben. Auch eine Aktion für Kinder ist geplant. „Gerade die entwickeln ja oft eine spezielle Wertschätzung für die Dinge, die sie besitzen.“ Offen sei die gesamte Veranstaltungsreihe für alle Menschen und Altersklassen – jedoch nicht unbedingt für Trauerende, erwähnt die Bestatterin noch. „Akut Betroffene können natürlich gerne kommen. Aber es geht nicht um Trauerbegleitung, wie sie bei uns im Bestattungshaus stattfindet. Wir gehen pragmatisch mit dem Thema um und machen auch mal Witze.“

Wo in der Stadt weitere Veranstaltungen stattfinden werden – etwa auch ein „Leichenschmaus“, bei dem in geselliger Runde über den Tod philosophiert werden kann – ist noch in Planung. „Man denkt oft, Sterben ist etwas Privates“, sagt Schwarzwald, „aber wir wollen den Tod sichtbar und greifbar machen.“

Info: Karten für die Buchpräsentation

Kollektiv: Das „Schöner Sterben Kollektiv“ ist ein Zusammenschluss von Menschen, die sich auf künstlerische Weise mit den Themen Verlust, Wandel und Vergänglichkeit beschäftigen. Infos gibt es auf der Website des Kollektivs unter www.schoener-sterben.help.

Tickets: Die Karten für die Präsentation des Buches „Schwellenangst“ am 25. Februar um 20 Uhr in der Buchhandlung Dombrowsky sind ebenfalls über die Homepage erhältlich.