Anja Frühbeißer setzt auf innovative Konzepte zur Wiederbelebung der Chamer Innenstadt

Von David Salimi · 23. Januar 2025 um 05:00

Seit August ist Anja Frühbeißer als Standortkoordinatorin in Cham tätig – ihre Mission: der Innenstadt Leben einhauchen und Leerstände aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Gut ein halbes Jahr, nachdem die studierte Geografin ihre Stelle in Cham angetreten hat, ist einiges passiert. Und das soll es auch weiterhin, wie Frühbeißer zu entnehmen ist, während sie gemeinsam mit Bürgermeister Martin Stoiber und Christian Weihrauch von der Stadtverwaltung die vergangenen sechs Monate Revue passieren lässt.

Als jüngsten Erfolg werten Frühbeißer, Stoiber und Weihrauch den vergangenen Christkindlmarkt – ein Erfolg, auf den Frühbeißer, Stoiber und Weihrauch gerne weiter aufbauen wollen. Zweifelloser Höhepunkt sei die erstmals durchgeführte Stiefel-Rallye gewesen, die Kinderaugen leuchten ließ und selbst aus Straubing und Furth im Wald kleine Glückssucher nach Cham zog. Befüllt wurden die Stiefel vom Nikolaus mit lokalen Überraschungen. Laut Stoiber rundet diese Aktion zusammen mit dem Weihnachtspostamt das interaktive Angebot des Christkindlmarktes ab.

Dass Frühbeißer und alle weiteren an der Innenstadtbelebung beteiligten Akteure nicht untätig waren, beweist die ins Leben gerufene Schaufensteraktion „Trau(m)raum“. Dabei wird das Wortspiel selbst wird zur Einladung: Angesprochen werden sollen Leute, die sich gerne mit einem eigenen Laden selbst verwirklichen wollen und auf der Suche nach geeigneten Geschäftsräumen sind. Positiver Nebeneffekt: „Das Stadtbild wird etwas verschönert“, findet Stoiber, zumal jeder Eigentümer selbst entscheiden kann, wie sein Fenster am besten glänzt. Die Wahl des Motivs stehe den Interessenten frei.

Probleme bei Vermittlung von Ladenflächen

Dass die Vermittlung von Ladenflächen in der Innenstadt keinesfalls ein Leichtes ist, bestätigen sowohl Frühbeißer als auch Stoiber und Weihrauch. Sehr oft scheitere eine Vermittlung an Interessenten daran, dass die angebotenen Flächen zu groß seien. „Viele wollen beispielsweise nur bis zu hundert Quadratmeter anmieten“, sagt Stoiber. Deswegen überlege man derzeit, inwiefern Nutzungsmischungen möglich gemacht werden könnten – laut Frühbeißer ist dieses Konzept, bei dem sich mehrere Geschäftsleute eine Ladenfläche teilen, in größeren Städten bereits angekommen.

Noch schwieriger gestaltet sich laut Stoiber eine Vermittlung vorhandener Ladenflächen an größere Filialisten. Diese hätten besondere Ansprüche, die oft nur mit einem kompletten Neubau realisierbar sind. Trotz der nicht ganz so einfachen Bedingungen in dieser Hinsicht blicken alle Beteiligten mit Motivation in die Zukunft, immer das Leitziel vor Augen, Leerstände zumindest zu reduzieren.

An der Schaufensteraktion interessierte Gebäudeinhaber können sich an Anja Frühbeißer wenden. Für diese ist die Aktion im Übrigen kostenlos. Gefördert werde das Projekt vom Regionalmanagement. Mit diesem unterstützt die Landesentwicklung in Bayern aktiv die regionale Entwicklung vor Ort.

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Frühbeißer ist jedoch gewissermaßen nicht nur Architektin des neuen Stadtbilds, sondern auch Dirigentin, die mit Veranstaltungen Leben in die Innenstadt orchestriert. Die zentrale Absicht dabei: „Für die Leute muss ein Anlass geschaffen werden, in die Innenstadt zu kommen“, fasst es Stoiber zusammen. Dies werde zum einen durch besondere Veranstaltungen geschaffen. Der Pflanzerlmarkt sei längst ein Klassiker, doch das Straßenmusikfestival hat gezeigt: Cham tanzt, wenn die Töne stimmen.

Öffentliches Klavier auf dem Marktplatz?

Bald könnte ein öffentliches Klavier mitten auf dem Marktplatz für die nächste Melodie sorgen – eine spektakuläre Idee, die in den vergangenen Wochen in den Verantwortlichen herangereift ist. Noch offen ist laut Stoiber, unter anderem wegen der Überdachung, der genaue Standort und wie das Instrument gegen Diebstahl oder Vandalismus gesichert werden kann. Voraussichtlich am 15. Juni soll das Instrument offiziell präsentiert werden. Ob das Klavier zum Konzertsaal für die Chamer Innenstadt wird? Davon lassen sich die Verantwortlichen überraschen. Was für den Bürgermeister jedoch schon jetzt feststeht: „Jede Idee, die etwas anders ist, kann helfen. Wir probieren es auf jeden Fall einmal aus“.

Um die Innenstadt nachhaltig zu beleben, bedarf es einer engen Vernetzung aller Akteure. Ob Geschäftsleute, Vertreter von Vereinen und der Stadt oder Gebäudeinhaber – bei Anja Frühbeißer laufen alle Fäden zusammen. Menschen, Ideen und Projekte miteinander zu verbinden, ist der rote Faden, der Frühbeißer in den kommenden Monaten durch die Innenstadtplanung führen soll. Impulse für diese bekommt Frühbeißer außerdem aus der Innenstadt-Studie der Agentur imakomm. Die Auswertung für den Standort Cham befinde sich derzeit in der finalen Phase.

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Besonders hebt die Standortkoordinatorin etwa das fortlaufend stattfindende Unternehmerfrühstück hervor, bei dem sich Geschäftsleute in zwangloser Atmosphäre austauschen können und durch externe Referenten neue Anreize vermittelt bekommen. Bereits am 5. Februar geht das Unternehmerfrühstück von 7.30 bis 9 Uhr im Randsbergerhof in die dritte Runde. Für Einzelhändler ist die Teilnahme kostenlos.

Regelmäßiger Austausch unter Akteuren

Ein ähnliches Prinzip verfolgt der Runde Tisch, bei dem Vertreter der Chamer Wirtschaft, der Stadtverwaltung aber auch des Senioren- und Jugendbeirates einmal pro Quartal zusammenkommen, um Expertenwissen auszutauschen und die Weichen für eine zukunftsfähige Innenstadt stellt – ein bunter Mix an Teilnehmern, der laut Frühbeißer aber auch notwendig ist, um die gegenwärtigen Voraussetzungen gemeinsam anzupacken. „Im Grunde hängt ja alles zusammen“, sagt sie.

Darüber hinaus setzt Frühbeißer auf Nähe – nicht nur als Koordinatorin, sondern als Gesprächspartnerin, die den Kontakt zu den Einzelhändlern intensivieren will. „Ich besuche die Unternehmer daher auch mal eben in der Mittagspause“, berichtet sie. Damit wolle sie ihre Rolle als unmittelbare Ansprechpartnerin und Koordinatorin im Stadtgeschehen deutlich machen – ganz zum Wohle der Chamer Innenstadt.

Nach dem Konzept der „Open Pianos“, wie es sie bereits in großen Städten gibt, soll auch in Cham ein öffentlich zugängliches Klavier installiert werden. Foto: Franziska Kraufmann/dpa