Beim Chamer Kollmer-Bäck brennt nun seltener Licht – Der Chef erklärt, warum das so ist

Von Bernd Hofmann · 22. Januar 2025 um 05:00

Es ist Dienstag, in der Bäckerei Kollmer in Cham brennt kein Licht. Der Laden ist leer, die Eingangstür verschlossen. Denn seit rund zwei Wochen sperren Johann und Andrea Kollmer ihre Bäckerei nur noch donnerstags, freitags und samstags auf. Auf den ersten Blick kein gutes Zeichen für ein Geschäft, trotzdem blickt das Paar optimistisch auf die Änderungen.

Zwei Mitarbeiter seien in letzter Zeit wegen Krankheit ausgefallen, sagt Johann Kollmer: „Ein Bäcker ist im August gegangen.“ Aber Hilfe konnte gefunden werden: „Seitdem haben wir nach neuen Bäckern gesucht. Ganz kurzfristig haben wir eine Bäckerin gefunden, aber wir bräuchten die anderen zwei Mitarbeiter trotzdem“, sagt Andrea Kollmer. „Vor einigen Jahren sind andere Bäcker von uns ins Rente gegangen. Es sind immer weniger geworden“, sagt sie. Generell fehle es an jungen Arbeitskräften: „Bei uns sind alle so Mitte 50. Aber die Jungen wollen keine Nachtarbeit, was man ja auch verstehen kann.“ Für seine Frau und ihn hat das viel Arbeit bedeutet: „Wir haben früher an sieben Tagen die Woche gearbeitet. Das hält auch keiner aus. Immer um elf in der Nacht anfangen, irgendwann sagt man dann: Das muss anders auch gehen. Ich glaube, das wird sich einspielen, dass es passt“, Mit den neuen Öffnungszeiten ist die Situation nun besser geworden: „Sonntags machen wir jetzt nichts mehr, nur noch am Montag ein bisschen was.“ Vor allem für Johann Kollmer bedeutet das mehr Schlaf. Statt jeden Tag um 23 Uhr aufzustehen, kann er jetzt an manchen Tagen auch bis halb drei schlafen.

Vorbereiten für den Verkauf

Obwohl am Dienstag keine Waren verkauft werden, ist die Backstube besetzt. Dienstags und mittwochs wird die Backware für die nächsten Tage vorbereitet: „Alles, was wir verkaufen, das kann niemals eine Einzelperson mit einem Helfer von elf in der Nacht bis sechs in der Früh stemmen. Eine Arbeit, die davor drei Bäcker gemacht haben. Also brauchen wir die anderen Tage zum Herrichten“, sagt Andrea Kollmer.

Rund zwei Wochen ist es her, seit die Öffnungszeiten geändert wurden. Ein erstes Fazit kann Johann Kollmer jetzt schon ziehen: „Wir dürfen zufrieden sein. Das Gute ist, dass die Leute die geänderten Öffnungszeiten bis jetzt annehmen. Donnerstags, war bis jetzt ein schwacher Tag, aber seit den neuen Öffnungszeiten kommen viele. Die Leute kaufen nicht mehr drei-viermal in der Woche. Sie richten sich ein, dass sie am Donnerstag oder am Samstag kommen.“ Auch Andrea Kollmer ist zufrieden: „Wir waren die letzten zwei Wochen am Donnerstag ausverkauft.“

„Wir sind optimistisch“

An den Tagen, an denen die Bäckerei geschlossen ist, werden aber trotzdem Kunden beliefert. Zum Beispiel ein naher Metzger bekommt Backwaren vom Kollmer-Bäck. Auch Bestellungen können an diesen Tagen abgeholt werden. „Klar kann man nicht berechnen, wie die Leute in vier Wochen kommen. Aber wir sind optimistisch“, sagt Andrea Kollmer. Vor allem bei den Umkosten könne man eventuell noch sparen. So könnte man zum Beispiel auf die begehbare Kühlung verzichten, um die Stromkosten zu senken.

Am Rosenmontag und Faschingsdienstag wird die Bäckerei offen haben. Generell will das Ehepaar bei besonderen Anlässen die Bäckerei aufsperren, egal ob das in die momentanen Öffnungszeiten passt oder nicht.

Trotz der aktuellen Personalproblematik ist Johann Kollmer aber immer noch begeistert von seinem Beruf: „Man sieht jeden Tag, was man getan hat. Und wenn die Leute zufrieden sind, ist das noch besser. Ein Lob ist mit nichts zu ersetzen.“

Begonnen hat er seine Arbeit im Jahr 1986, damals noch unter seinen Vater. Die Bäckerei ist seit 1972 im Besitz der Familie. „Aber auch davor hab ich schon mitgeholfen. Wenn einer blau gemacht hat, hab ich schon aufstehen müssen“, erinnert sich Johann Kollmer.

Auch im Urlaub scheint ihn das Bäckerhandwerk nicht loszulassen: „Als wir Urlaub hatten, hat er mich mal an einem Tag aufgeweckt und gesagt: So, ich hab uns Frühstück hergerichtet, ich war heute Nacht in der Backstube, ich hab uns Semmeln gebacken“, sagt Andrea Kollmer und lacht.

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