Die Postbank in Cham nimmt ein böses Ende – was die Kunden aber nicht wundert

„Das ist nicht mehr meine Post!“ Ein altgedienter Postler, der inzwischen seine Rente bezieht, schüttelt traurig den Kopf. So hat er sich das Ende der Postfiliale in Cham-West nicht vorgestellt. Manche andere Kunden hatten schon geahnt, was auf sie zum Schluss noch zukommen würde. Neben dem Schild, das die endgültige Schließung terminierte, hing in den Wochen zuvor ein weiteres Schild: „Vorübergehend geschlossen“.
Das traf besonders ältere Kunden, die die Filiale in Cham-West nicht nur wegen ihrer Nähe schätzten, sondern auch wegen der kompetenten und freundlichen Mitarbeiter. Im Gegensatz zur Filiale bekamen die nämlich in den letzten Jahren nur Bestnoten. O-Ton: „Postbank-Mitarbeiter S. ist mit der Note 1* zu bewerten. Nachdem mein Konto im Urlaub gehackt wurde, hat der das Konto gesperrt und weiter beobachtet, ob weiterhin Angriffe erfolgen, was auch der Fall war. Perfekte Beratung!“ So und ähnlich bewerteten die Kunden den Service.
„Knallhart ausgenutzt...“
Ganz im Gegensatz dazu wurde mit der Filiale Schlitten gefahren. Beispiele aus dem Netz: „Hier wird knallhart ausgenutzt, dass die Leute auf die Filiale angewiesen sind. Sonst würde der Laden wohl schon lange nicht mehr existieren...“ – „Man steht ständig vor verschlossenen Türen...“ – „Ändert Eure Zeiten auch auf dem Abholbeleg. War schon mehrfach vor verschlossener Türe, obwohl laut Internet offen ist...“ – „Ein Stern als Bewertung ist noch zu viel. Saftladen dauernd geschlossen, Personal superfreundlich. Gott sei Dank macht der Laden dicht...“
Die letzte Bemerkung hätten bis zum Schluss sicher nicht alle langjährigen Kunden unterschrieben. Doch die Post nahm ihnen das ab, und sperrte schon ab Weihnachten nur noch zu Zeiten auf, die völlig willkürlich anmuteten und mit den Angaben im Internet oft nicht in Einklang zu bringen waren.
So hatten ältere Kunden nicht einmal mehr die Möglichkeit, in den letzten Wochen ihre Bankangelegenheiten zu regeln. „Sie haben zu mir gesagt, dass ich nach Schwandorf oder Straubing fahren soll“, ärgerte sich ein Mann, der nur telefonisch zum Zuge gekommen war und im neuen Jahr bereits zum wiederholten Male vor verschlossenen Türen stand. Ein anderer kommentierte das Schild mit der vorübergehenden Schließung mit einem bekannten Kirchenlied: „Wie Du warst vor aller Zeit, so bleibst Du in Ewigkeit.“
Unberechenbare Öffnungszeiten
Die Post hatte schon im Internet die häufige Kritik an den unberechenbaren Öffnungszeiten mit immer gleichen Hinweisen versehen: „Vielen Dank für Ihr Feedback. Wir haben Ihren Hinweis weitergeleitet, damit dieser geprüft und zur Verbesserung genutzt werden kann.“ Es folgte der Hinweis auf die Homepage samt App, die dann beide auch nicht aktuell waren, was die Öffnungszeiten betraf.
„Bis dahin steht die Filiale den Kundinnen und Kunden wie gewohnt zur Verfügung...“ – Der Sprecher der Postbank hatte vermutlich nicht gedacht, dass es wörtlich so kommen würde, bis er nun die Antwort auf unsere Anfrage formulierte: „Tatsächlich war die Filiale über Weihnachten bis einschließlich 31. Dezember geöffnet, wenn auch nichtdurchgehend zu den regulären Öffnungszeiten. Im neuen Jahr konnten wir die Filiale bis zur Schließung leider nicht mehr für unsere Kunden öffnen...“
Was bleibt von der Postbank?
Der Grund dafür, so der Sprecher, sei das Vier-Augen-Prinzip, das im Kassenbereich eingehalten werden müsse. Deswegen benötige man mehrere Mitarbeiter, um die Filiale zu öffnen. Die habe man aber nicht gehabt. Die Postbank entschuldige sich bei ihren Kunden. Die Öffnungsdaten seien aber korrekt im Netz hinterlegt gewesen. Ansonsten könne es nur einen Übertragungsfehler gegeben haben.
Als nächste Bankfiliale wird Straubing empfohlen, oder Telefonbanking und OnlineBanking. Beratung sei aber auch per Video und Telefon möglich. Geld könne kostenlos abgehoben werden bei den Partnerbanken der Postbank, die mit ihr in der „Cash-Group“ zusammengefasst seien: Deutsche Bank, Commerzbank und HypoVereinsbank. In der Postbank-App gebe es den Service „Bargeld-Code“. Damit könne man bei teilnehmenden Einzelhändlern innerhalb von zwei Stunden bis zu 1000 Euro abheben. Die App zeige auch die Standorte der Einzelhändler in der Nähe an
Kommentar
Von Johannes Schiedermeier
Die Postbank – ein Tod auf Raten
Es war ein Tod auf Raten. Die Postbank-Filiale in Cham-West war am Ende nur noch was für Kunden mit einem Spieler-Naturell: Die Chance, zu den Öffnungszeiten auch tatsächlich an den Schalter zu gelangen, standen so Fifty-Fiftfy. Die Filiale lavierte ständig am Rande des Notstands. Sobald ein Mitarbeiter ausfiel, war zu. Die Alternative: ewig lange Schlangen, oft bis hinaus in den Vorraum. Die eigentliche Tragik daran: Die Mitarbeiter dort waren sehr beliebt und ihr Service geschätzt – wenn offen war.
Die Postbank setzt damit fort, was andere schon vorgemacht haben. Der Trend geht hin zum schwindenden Service. Filialen werden geschlossen, die Kunden werden zum Online-Banking gedrängt. Vor allem für ältere Menschen ist das kaum noch zu handhaben und nicht ohne Risiko angesichts der Kriminalität im Netz und der immer ausgefeilteren Betrugs-Maschen. Das ist umso widersinniger, als gerade ältere Menschen oft über viel Geld verfügen.
Was bleibt? Wer die langen Wege scheut und die persönlichen Ansprechpartner bevorzugt, dem bleibt nur der Wechsel zu Banken, die noch vor Ort sind. Dafür gibt es einen Umzugsservice, bei dem die ausgesuchte Bank das gekündigte Konto samt allen Überweisungen übernimmt.
Die Post in Cham ist eines der Beispiele dafür, dass Privatisierung auch danebengehen kann. Wo früher Dutzende Postbeamte und -angestellte in der Bahnhofstraße Dienst taten, sind heute nur noch Wohnungen, Praxen und Leerstand. Die Pakete nimmt der Getränkemarkt an. Nun verschwinden bis auf den Zustellbereich die letzten Arbeitsplätze. Das einzige, was gut funktioniert, sind die regelmäßigen Gebührenerhöhungen. Auch traurig..