Der Bürgermeister erklärt es: Warum die Stadthalle Cham 1,5 Millionen tief im Minus steckt

Von Johannes Schiedermeier · 18. Januar 2025 um 05:00

„Wir müssen uns wohl künftig besser überlegen, wie wir mit unseren Ausgaben umgehen!“ Das hat CSU-Sprecher Günther Lommer gesagt und damit vor allem auch die Chamer Stadthalle gemeint, die im Haushalt ein Minus von 1,5 Millionen aufweist. Bürgermeister Martin Stoiber hat erklärt, woher die Zahlen kommen und sie eingeordnet.

Die Chamer hatten sich ordentlich ins Zeug gelegt. Es war ein harter Kampf, bis die Stadthalle in der Further Straße überhaupt einmal so in den Plänen stand, dass sie alle mittragen wollten. Was einmal irgendwo bei zwölf Millionen Euro begonnen hatte, kletterte irgendwann auf 25 und am Ende waren sich alle sicher, dass es bei 30 Millionen geendet hat, weil etliche Male nachgebessert wurde.

Die Zahlen von 2012

Doch schon damals wurde diskutiert, was die Stadt der stolze Bau einst kosten würde. Wir haben gemeinsam mit Bürgermeister Martin Stoiber in den Ursprüngen nachgeblättert. Im Protokoll der 7. Sitzung des Stadtrates Cham vom 28. Juni 2012 wird man fündig. Da steht: „Die Vorsitzende Erste Bürgermeisterin Karin Bucher stellte die Machbarkeitsstudie für die Stadthalle Cham vor. Unter anderem gab sie die jährlichen Betriebskosten mit 520 000 bis 630 000 Euro an. Die geschätzten Einnahmen von 120 000 bis 160 000 Euro seien jedoch nicht nur von der Auslastung, sondern auch von der Gestaltung der Mietpreise abhängig.“

Damals hat Stadtbaumeister Franz Pamler übrigens noch die Variante vom Standort in der Hochwasserzone des Regens an der Stadellohe vorgestellt, die bei einer Bürgerversammlung in heftigem Widerstand der Anlieger unterging. Gebaut wurde – wie man sieht – in der Further Straße.

870 000 Euro Abschreibung

Doch wieso diskutieren wir derzeit über 1,5 Millionen Euro Minus? Die Lösung zeigt der Bürgermeister in den Haushaltszahlen: 870 000 Euro muss die Stadt alljährlich abschreiben, weil das Gebäude ja an Wert verliert und irgendwann sicher saniert werden muss. Zieht man diese 870 000 Euro von den 1,5 Millionen Euro ab, dann ist man schon viel näher an den Schätzungen der damaligen Bürgermeisterin Karin Bucher dran, rechnet Stoiber vor.

Nimmt man die verbleibenden 630 000 Euro und geht dann davon aus, dass die Schätzung fast 13 Jahre her ist, dann wird daraus angesichts der Preis- und Kostensteigerungen – insbesondere bei den Personalkosten – nahezu eine Punktlandung. Denn diese Personalkosten sind mit 308 000 Euro der Hauptposten der verbleibenden 630 000 Euro. Das ist der Haushaltsansatz für 2025. Die Steigerung bei den Personalkosten findet man, wenn man auf 2023 zurückblickt. Damals wurden 276 000 Euro ausgezahlt.

Die hohe Technisierung

Und es wird schwierig werden, daran zu schrauben. Denn der Stadtrat hat eine Halle mit sehr aufwendiger Technik errichten lassen. Deswegen könne die Verantwortlichen heute nicht einfach sagen, dass die verschiedenen Veranstalter diese Technik doch selbst bedienen sollen. Sie wird vermietet und muss von geschultem Personal betreut werden.

Und auch bei den Einnahmen liegt die Stadt ganz nah an der ursprünglichen Prognose von 120 000 bis 130 000 Euro. Denn 2023 waren es 115 000 und 2024 sogar 135 000 Euro. Auch hier blickt die Stadt auf Zwänge. Eine Erhöhung der Einnahmen müsste auf dem Rücken der verschiedenen Mieter passieren. „Da reden wir dann allenfalls über 13 000 Euro im Jahr“, sagt Bürgermeister Stoiber. Das sei aber angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage schlecht zu vermitteln. Zudem hat sich gezeigt, dass insbesondere Saalmieter wie Schulen den technischen Aufwand bei Bühnen- und Lichttechnik nicht anrechnen, sich das notwendige Personal lieber sparen und auf preiswertere Alternativen ausweichen.

Lesen Sie außerdem: Strengere Nutzungsbedingungen für das Chamer ASV-Stadion seit 2023 – Wie ist die Lage mittlerweile?

Eine Stadt, die Oberzentrum sein will und Hochschulstadt, muss bei den Finanzen offensichtlich auch einmal in saure Äpfel beißen. Sie muss neben den Pflichtanstrengungen zum Erhalt einer intakten Infrastruktur auch ab und zu ein Minus hinnehmen. Bei Hallen- und Freizeitbad ist das schon immer so. Beim Hallenbad ist für 2025 beispielsweise ein Minus von 1,5 Millionen Minus veranschlagt. Beim Freizeitbad geht es um rund eine Million.

In Zukunft mehr Debatten?

Wie also die quer durch die Fraktionen geforderte Ausgaben-Disziplin wahren? „Wir haben in den letzten Jahren schon immer bei den freiwilligen Leistungen der Stadt gespart. Wir haben nichts mehr hinzugenommen und darauf geschaut, dass Projekte nötig sind und nicht nur wünschenswert“, sagt Bürgermeister Martin Stoiber. Mit Blick auf die Zukunft aber ist er sicher, dass die Diskussionen in den nächsten Jahren zunehmen werden.