Anja Frühbeißer koordiniert zwei Jahre lang die Entwicklung der Stadt Cham

Von Johannes Schiedermeier · 30. Juli 2024 um 17:00

Anja Frühbeißer ist Neuland für Cham und Cham ist Neuland für sie. Schwierige Voraussetzungen für jemanden, der in den nächsten zwei Jahren die Lucknerstadt koordinieren soll – müsste man meinen. Doch wenn man davon ausgeht, dass die Stadt jemanden völlig unvoreingenommenen wollte und jemanden gesucht hat, der mit einem neuen Blick durch die Straßen geht — Volltreffer!

Stadtkoordinatorin – das hatte Cham noch nie. Deswegen ist das neue Büro im 1. Stock der Tourist-Info auch noch kahl. Nur die Handtasche von Anja Frühbeißer steht schon im Regal. Selbst die Grünpflanzen haben noch nicht auf das Fensterbrett gefunden, dafür wohnt sie selbst schon.

Erst einmal zwei Jahre

Das hat dem Bürgermeister imponiert, sagt er. Dass jemand von Bayreuth einfach hierher zieht und sich für zwei Jahre einrichtet. Denn – darauf weist Martin Stoiber hin – Anja Frühbeißer gehört nicht zur Stadtverwaltung, sie ist sozusagen eine Leihgabe der Imakomm-Akademie für Marketing und Stadtentwicklung, die in Aalen und Stuttgart sitzt. Deren Chef, Dr. Christian Eckert, begleitet mit seinem Institut die Entwicklung der Stadt Cham seit 2022 mit Konzepten.

Nun hat er eine junge Kollegin für zwei Jahre ausgeliehen. Bürgermeister Stoiber ist zur Vorstellung gekommen und erzählt, das der Chef über sie gesagt hat: „Es gibt drei Sorten Praktikanten. Die einen begrüßt und verabschiedet man, mit den anderen bleibt man in Kontakt, und die dritte Sorte will man unbedingt wiederhaben. Anja Frühbeißer gehört zur dritten Sorte.“

Kennenlernen und netzwerken

Die neue Stadtkoordinatorin ist studierte Geografin mit Schwerpunkt Stadt- und Regionalentwicklung. Praktikum und Bachelor-Arbeit hat sie bei Imakomm gemacht. Nun wohnt sie in Cham und hat schon einmal die Sprecher der Stadtratsfraktionen kennengelernt, mit den Unternehmern gefrühstückt und sich mit dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft „Cham erleben“ zusammengesetzt.

Für die ersten 100 Tage hat sie mit Imakomm ein Programm erarbeitet, das zunächst einmal in Kennenlernen und Netzwerken besteht. „Ich will möglichst viele Ansprechpartner haben und ich versuche, auch Leute zu interessieren, die sich bisher wenig oder gar nicht beteiligt haben. Ich hätte gerne eine möglichst breite Meinung als Grundlage“, sagt Frühbeißer.

Entscheidung nach zwei Jahren

Netzwerken – das ist so ein Modewort geworden. Die Stadtkoordinatorin will es aber mit Leben erfüllt wissen. Deswegen hat ihr Institut in Zusammenarbeit mit der Stadtführung den Job auch umbenannt. In der Diskussion war zunächst eine „Citymanagerin“. Anja Frühbeißer wird täglich in Cham sein und sie wird von ihrem Chef Dr. Eckert gecoacht. In regelmäßigen Abständen wird ein Fazit gezogen. Nach Ablauf der zwei Jahren muss die Stadt sich gemeinsam mit ihr entscheiden, wie es weitergeht.

Dann könnte es sein, dass die Stadt im Rathaus diesen Posten ausschreibt, oder die bisherige Zusammenarbeit noch ein paar Monate verlängert, bis die Ergebnisse auf dem Tisch liegen. „So weit will ich noch gar nicht schauen. Jetzt sind erst einmal die beiden Jahre wichtig“, sagt Frühbeißer.

Bewegung reinbringen

Neben dem Kennenlernen der Bürger und derer, die für Handel und Wandel in der Stadt stehen, hat die Stadtkoordinatorin ausdrücklich die Entwicklung der Gesamtstadt im Auge, auch wenn sie weiß, dass es Arbeitsschwerpunkte in der Innenstadt geben wird. Dazu gehören zum Beispiel die Leerstände. Dagegen will sie unter anderem etwas unternehmen, indem sie Dinge etabliert, die es bisher nur phasenweise in die Stadt geschafft haben: Pop-up-Stores.

„Wenn jemand zwei Jahre mietfrei eine neue Geschäftsidee in einem Leerstand ausprobieren kann und merkt: Das läuft! Vielleicht bleibt er ja dann“, so die Hoffnung. Und dann geht es ihr darum, Bewegung in manche alteingesessenen Leerstände zu bringen. „Wenn man sich und die Menschen besser vernetzt, dann ergeben sich da vielleicht auch einmal neue Lösungen, die bisher keiner gesehen hat“, sagt sie.

Mit ihren bisherigen Erfahrungen ist sie sehr zufrieden. „Ich habe rund 50 Leute angeschrieben und es sind zum Unternehmerfrühstück mehr Leute gekommen, als üblich, um mit mir zu reden. Es hat auch direkt im Anschluss Gesprächsangebote gegeben. Ich werde mit möglichst vielen Menschen einzeln sprechen und die verschiedenen Perspektiven und Anliegen mitnehmen“, so Frühbeißer.

Eine offene Runde

Deswegen sei das vorgesehene 100 Tage-Programm auch nicht in Stein gemeißelt: „Da bin ich flexibel, wenn sich aus den Gesprächen andere Notwendigkeiten ergeben.“ Die Gespräche seien bisher immer sehr offen gewesen. Sie werde auch den Aktionskreis „Cham erleben“ offensiv unterstützen mit Veranstaltungen, aber auch mit dem Angebot, spezielle Referenten vor Ort zu holen.

In den nächsten Wochen will sie einen „Runden Tisch Stadtkoordination“ etablieren. „Da kann jeder kommen, der mitmachen will. Das wird eine offene Runde“, verspricht Frühbeißer. Das Ziel seien möglichst viele Ansprechpartner: „Ich sehe mich in der Rolle einer Kümmerin und Vermittlerin.“.

Das neue Büro im 1. Stock der Tourist-Info am Marktplatz ist noch kahl. Die neue Stadtkoordinatorin ist gerade erst eingezogen.