Die Kreisstadt Cham und ihr Entwicklungskonzept für die nächsten Jahre

Die Vorzeichen für die Zukunft der Stadt Cham sind gut. Seit 2011 gab es nicht nur eine stabile Entwicklung der Bevölkerung, sondern auch die Kernstadt wurde beliebter. Dort wohnen fast 5000 der 17029 Bürger. Doch es gibt auch viel zu tun. Deswegen hat sich die Stadt in ihrem Entwicklungskonzept kurz-, mittel- und langfristige Ziele gesetzt.
Das Umsetzen dieser Ziele wird wichtig werden. Denn Cham hat in den letzten Jahren zwar gegen den Trend bei den unter 18-Jährigen zugelegt, trotzdem wird auch hier die Bevölkerung überaltern und vermutlich bis 2039 etwas abnehmen (minus 400).
Klimawandel, Stadtstruktur
Und so will das Konzept mehr Berücksichtigung des demografischen Wandels, die Schaffung generationsgerechter Architektur, verbesserte Versorgungs- und Pflegeinfrastruktur für Senioren und Barrierefreiheit... Das ist aber nur ein Gesichtspunkt von vielen.
Auf 203 Seiten listet das Werk Vorgaben auf, die Arbeitskreise, Bürger , Politiker und Stadtentwickler für wichtig gehalten haben. Mit Klimawandel, Digitalisierung und strukturelle Veränderungen werden einige der Herausforderungen schon im Vorwort aufgelistet.
Oberzentrum im Gleichschritt
Im Gleichschritt mit den Oberzentren Neumarkt, Amberg und Weiden soll sich Cham weiterentwickeln. So wird ein flächendeckender Tourismus angestrebt, der Qualität vor Quantität stellt und eine natur - und umweltverträgliche Ausrichtung hat. Erst vor kurzem hat die bayerische Politik in Cham das auch grenzübergreifend mit den Nachbarn in Tschechien so beschlossen. Eine wichtige Rolle kommt bei der Entwicklung von Stadt und Landkreis dem Ausbau des Technologie-Campus zu.
Beim Gang durch die Stadt haben die Stadtentwickler viel Gutes gefunden. Aber auch Treppen, Straßenschäden, schlecht gesicherte Querungsstellen und einen Straßenraum, der immer noch von den Autos dominiert wird. Während die Stadt vor ihren Toren über ein gutes Radwegenetz verfügt, fehlt es in den Kernbereichen noch. Manches hat die Poitik in den nächsten Jahren bereits im Visier: Die im Konzept noch monierte gefährliche Kreuzung zwischen Unterer Regenstraße, Straubinger Berg, Fuhrmannstraße und Janahofer Straße zum Beispiel wird mit einer millionenschweren neuen Planung beseitigt.
Der Chamer wohnt auf 106 Quadratmetern
Beim Wohnen nimmt in Cham die Belegungsdichte ab. Ein Trend der sich fortsetzen wird nach Ansicht der Planer. Die durchschnittliche Wohnung des Chamers ist 106,8 Quadratmeter groß. 63 Prozent der Wohngebäude sind Einfamilienhäuser, nur zwölf Prozent Mehrfamilienhäuser. Das sind nur einige der unglaublich vielen Zahlen aus dem Schatz des Statistischen Bundesamtes, den das Konzept gehoben hat.
So liegt der Quadratmeterpreis in Cham für Häuser bei rund 2500 Euro. 2019 waren es noch 1800 Euro. Eine Erkenntnis aus den Erhebungen: Es werden immer öfter Mehrgenerationenhäuser nachgefragt. Ein solches Angebot existiert in Cham jedoch nicht.
Die explosive Entwicklung nach oben seit 2011 spiegelt sich auch bei den Arbeitsplätzen wieder: 76 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten pendeln nach Cham ein. Nur 45 Prozent der Bürger, die hier wohnen, haben ihren Arbeitsplatz außerhalb der Stadtgrenzen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund zwei Prozent, was Vollbeschäftigung entspricht. Das spiegelt praktisch 1:1 die erfolgreiche Entwicklung im gesamten Landkreis wider.
Neue Ideen zur Nahversorgung
Diese positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trägt dazu bei, dass auch die Standort-Rahmenbedingungen von Handel und Gastronomie insgesamt als sehr gut bewertet werden. Leerstand ist zwar weiter ein Thema, aber rückläufig von 32 (2001) auf 24 (2016). Cham ist auf die Empfehlungen des Konzepts hin auch schon tätig geworden und hat sich im Bekleidungsbereich mit Markenanbietern und speziellen Segmenten profiliert. Durch Nahkauf und Biomarkt gibt es nach Ansicht der Planer eine gute Lebensmittelversorgung in der Altstadt und auch ein Bauernmarkt sei entstanden. Wünschenwert wäre die Umsetzung einer Markthalle.
Das Konzept bietet auch neue Ideen zur Nahversorgung an. Den CAP Markt zum Beispiel, der von Menschen mit Handicap betrieben wird. Oder die Dingbücherei, wo man sich Gegenstände des täglichen Bedarfs ausleihen darf. Oder der Supermarkt ohne Personal, nur mit Automaten.
Naturnaher Tourismus
Auch was den Tourismus betrifft, schneidet Cham unter dem Strich gut ab. Es gibt genügend Betten, Rad- und Wanderwege und landschaftsbezogene Erholungsangebote. Positiv erwähnt werden auch Bayerwald-Card und der E-Bike-Verleih am Marktplatz. Am fehlenden Sportstadion arbeitet die Stadt derzeit mit der Neuplanung an der Further Straße samt Sportkindergarten.
Ein ganz neues Kapitel schlägt das Stadtentwicklungskonzept unter „Stadtklima und Klimaanpassung“ auf. Ein Hitzeplan soll entstehen, der auf der Schutzgutkarte Klima/Luft des Landesamtes für Umwelt (lfU) basiert. Ein Stadtklimamodell stellt de Situation am Tag dar und in der Nacht. Vor allem die größeren Gewerbegebiete in Janahof und zwischen Altenmarkt und Michelsdorf sind betroffen. Wohngebiete weisen dagegen eine deutliche geringere Hitzeentwicklung auf.
Wie kühle ich eine Stadt?
Am kühlsten sind die Waldgebiete und die Bereiche um den Regen und größere Gewässer wie den Rötelseeweiher. Diese Gebiete sollen erhalten werden und möglichst durch beschattete Wege vernetzt sein. Selbst die nächtlichen Kaltluftströme sind ausgewiesen und sollten bei Bauvorhaben berücksichtigt werden, weil sie zur Abkühlung beitragen. Sie erreichen aus Norden und Osten die Innenstadt. Dazu sollte die Stadt in einem Konzept die Wasserrückhaltung und Begrünung bei der Neugestaltung von Straßen und Plätzen berücksichtigen.
Unser Bericht berücksichtigt nicht einmal die Hälfte des Konzepts, das der Stadtrat beschließen soll. In einem zweiten Teil berichten wir über Ökologie, Bildung, Stadtentwicklung, Verkehr und Mobilität.
Kommentar
Da staunt der Bürger
Von Johannes Schiedermeier
Die Stadt hat ein Konzept, wie sie sich entwickeln will. Es ist 203 Seiten lang und der Stadtrat wird es am Donnerstag beschließen. Da staunt der Bürger...
Sollte er aber nicht. Denn es ist seine Stadt und es ist wichtig, dass eine Kreisstadt sich im Einklang mit ihren Bürgern entwickelt und sie dabei mitnimmt. Es hat 2023 eine Befragung gegeben und Planer und Politik haben viel davon aufgenommen, was die Bürger sich gewünscht haben. So manche Umsetzungen bekommen sie aber nur als Beschluss präsentiert. Nach vielen Sitzungen und Treffen von Arbeitskreisen ist die Sachlage klar. Der Stadtrat hebt die Hand – fertig.
Demokratie will aber mehr. Der Bürger sollte die Entscheidungswege verstehen und nicht nur die Beschlüsse registrieren. Das ist die negative Seite der guten Vorbereitung der Ratsbeschlüsse: Es ist ausdiskutiert.
Die Alternative wäre eine Vorberichterstattung, bevor die Beschlüsse fallen, damit der Bürger weiß, was beschlossen wird und warum. Dafür müsste sich aber der Stadtrat von seiner beleidigten Haltung verabschieden, wenn die Sachlage berichtet wird, bevor er beschließt..