Denkmalschutz prüft Ex-Kaufhof am Regensburger Neupfarrplatz: Ist das jüdische Erbe in Gefahr?

Von Christian Eckl · 22. Januar 2025 um 16:57

Seit zwei Jahren gibt es einen Antrag, das markante Warenhaus-Gebäude im Welterbe in die Denkmalliste aufzunehmen. Doch bisher hält das Landesamt für Denkmalpflege still. Jetzt sagt eine Sprecherin der Behörde: Die Ergebnisse der Prüfung liegen bald vor. Ein Denkmalschützer bringt de jüdische Geschichte des Ortes und des Warenhauses ins Spiel.

Für die einen ist es eine der hässlichsten Bausünden in der ansonsten wunderschönen mittelalterlichen Altstadt Regensburgs. Für die anderen ist es ein Denkmal der Baukultur in den 70er Jahren, als die alte Bundesrepublik florierte und der Handel Markenzeichen setzte in den Innenstädten. Gerade wegen dieser Geschichte prüft derzeit auch das Landesamt für Denkmalpflege, die wegen verschiedener Eigentümerwechsel in die Schlagzeilen geratene Immobilie unter Denkmalschutz zu stellen. Die Kernfrage lautet: Wird das jüdische Erbe, das dem Gebäude durch seine wechselhafte Geschichte sowohl unterirdisch, als auch wegen der Lage eingeschrieben ist, durch die neuen Eigentümer gefährdet?

Grundlage dafür dürfte auch eine Arbeit sein, die von Nadine Merk beim Regensburger Denkmalschutz-Professor Peter Morsbach eingereicht wurde. Darin fasst die Autorin zusammen, dass das Gebäude exemplarisch für die architektonische und kulturelle Herausforderung der Moderne in der Nachkriegszeit stehe.

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Einer, der das so sieht, ist der frühere Regensburger Bauamtsleiter Alfons Swaczyna. Er stellte bereits am 1. Januar 2023 einen Antrag auf Prüfung, ob das Gebäude auf die Denkmalliste sollte. „Mit dem Eintrag in die Denkmalschutzliste sollte vor einer weiteren Veräußerung aufgrund meiner Initiative der erste Schritt getan werden, damit die Stadt wie in Nürnberg das Heft des Handelns in der Hand behalten kann“, so Swaczyna gegenüber der MZ. „So hätte die Stadt verhindert, dass das markante Kaufhaus-Gebäude wie jetzt geschehen zu einem Spekulationsobjekt für dubiose Investoren und fragwürdige Nutzungen wird. “

Islamisches Kulturzentrum?

Nun ist bekannt geworden, dass eine Investorengruppe von Israelis und aus der Vereinigten Arabischen Emirate das Gebäude gekauft hat. Informationen der MZ zufolge zahlten sie zwischen 30 und 40 Millionen Euro dafür – an wen, ist noch unklar. Zwar ist offizieller früherer Eigentümer die Kaufhof Regensburg GmbH, doch wem die zuletzt gehörte, ist unklar.

Doch was sagt eigentlich der Denkmalschutz zu dem Ansinnen? „ Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ist von verschiedener Seite auf den Kaufhauskomplex am Neupfarrplatz aufmerksam gemacht worden“, teilt Sprecherin Katharina Schmid auf Anfrage mit. Für die vertiefte denkmalfachliche Prüfung des Objekts seien bayernweite Vergleichsuntersuchungen erforderlich. „Angesichts des Umfangs der erforderlichen Recherchen liegt ein Ergebnis für das Kaufhaus am Neupfarrplatz noch nicht vor“, so Schmid weiter.

Zunächst sei zu klären, ob das Gebäude die Eigenschaften eines Baudenkmals aufweist. „Insofern hat das Landesamt gegenwärtig zu dieser Frage einer möglichen Nachnutzung keinen Beitrag zu leisten“, so Schmid auf die Frage, ob eine Nutzung des Gebäudes als Islamisches Kulturzentrum mit der Geschichte des Gebäudes vereinbar sei. Und wie ist der Stand des Verfahrens? Ist mit einer schnellen Entscheidung zu rechnen? Sehr wohl, wie Schmid weiter sagt: „Die denkmalfachliche Untersuchung ist weit fortgeschritten, sodass bald ein Ergebnis vorliegen wird“, heißt es.

Die offensichtlichen Merkmale des Gebäudes, die denkmalschützerisch interessant sind, ist die Fassade in Richtung Pfauengasse. Auch den Stadtoberen der 70er Jahre war klar, dass die Stelle, an der das Warenhaus errichtet wurde, aus Sicht der Denkmalschützer bedenklich war. Zwar wich nur ein Teil der historischen Bebauung, die Fassade der Alten Wache blieb bekanntlich stehen. Doch die Stadt erlaubte nur in Richtung Pfauengasse die stilprägende sogenannte Horten-Kachel.

Danziger: „Sehr interessant“

Doch das Gebäude ist viel mehr als nur ein Ausdruck der Beton-Bautätigkeit der Architekten in den 70er Jahren. Unter dem Kaufhaus gibt es einen gotischen Keller, der zum jüdischen Wohnviertel gehört hat, wie Denkmalschützer Morsbach weiß. „Daneben eröffnete später das Unternehmen – Salman und Simon – Schocken eines seiner Kaufhäuser“, so schrieb es Morsbach in einer Stellungnahme an die Redaktion im vergangenen Jahr. Der Schocken-Konzern wurde bekanntlich 1938 an eine deutsche Bankengruppe unter Führung der Deutschen Bank zwangsverkauft.

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„Nach der Arisierung des Schocken-Konzerns hieß das Unternehmen Merkur AG. 1949 übernahm Salman Schocken den Konzern wieder und verkaufte ihn 1953 an Helmut Horten, der den Namen in Merkur Horten & Co. änderte.“ Die Helmut Horten AG hatte 1936 bis 1939 das Warenhaus der jüdischen Gebrüder Alsberg und die Kaufhäuser des jüdischen Kaufmanns Sally Hess übernommen. „Insofern kommt dem hiesigen Horten ausgerechnet auf dem Neupfarrplatz als Platz des einstigen jüdischen Wohnviertels auch eine wichtige Rolle in der Erinnerungskultur sowohl der Stadt Regensburg als auch der deutschen Wirtschaftsgeschichte mit den Arisierungen im Dritten Reich zu“, so Morsbach weiter. Unter dem Namen Merkur wurde ja auch in Regensburg das neue Kaufhaus eröffnet. „Schocken“ nannten ihn hauptsächlich die Regensburgerinnen und Regensburger der Vorkriegsgeneration, die dort noch eingekauft hatten. „Meine Mutter hingegen sprach immer vom Merkur, denn wir waren erst 1963 nach Regensburg gekommen“, so Morsbach. Seine Einschätzung zu der jüdischen Geschichte des Ortes und des Hauses: „Das sollte halt auch nicht ganz vergessen werden und müsste in die Würdigung der Denkmaleigenschaft einfließen.“

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger findet, der jüdische Hintergrund des Ortes sei interessant und müsse gewürdigt werden. „Ganz unabhängig davon, was da irgendwann reinkommt – denn das ist doch noch sehr vage“, sagte Danziger auf Anfrage.

So sah das Areal von den 50er bis in die 70er Jahre aus, bevor das heutige Gebäude entstand. Zu sehen ist etwa das alte Kaufhaus Merkur. Fotos: Bilddokumentation Stadt Regensburg
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