Diskussion um Kaufhof in Regensburg: So gingen andere Städte mit der Kauf-Frage um

Von Philip Hell · 16. Januar 2025 um 05:00

Wie geht es weiter mit dem Kaufhof-Gebäude am Regensburger Neupfarrplatz? Diese Frage beschäftigt Regensburg derzeit wie kaum etwas anderes. Soll die Stadt ihr Vorkaufsrecht ziehen und den Bau erwerben – oder nicht? Andere Städte in der Nähe standen schon in der Vergangenheit vor dieser Frage – und entschieden sich für kaufen. Bereut haben sie das nicht.

Anruf bei Andrea Heilmaier, Wirtschaftsreferentin der Stadt Nürnberg. Ende 2024 kaufte die Frankenmetropole das Kaufhof-Gebäude in der Königstraße – in bester Lage also. Der Prozess zog sich allerdings hin. „Es war eine längere und intensivere Suche“, sagt Heilmaier. Der Eigentümer des Gebäudes, eine Gesellschaft aus dem Dickicht des Benko-Konglomerats, hatte Insolvenz beantragt. „Wir haben das quasi in Echtzeit verfolgt.“ Die deutsch-amerikanische Investorengesellschaft RFR kaufte schließlich das Gebäude, berichtet Heilmaier. Die Stadt Nürnberg schlug zu und erwarb den ehemaligen Kaufhof selbst.

Heilmaier betont: „Das Gebäude liegt in einer sensiblen Lage. Wir wollten die Hand drauf haben, was dort passiert.“ Deshalb habe die Stadt darauf geachtet, vor der Welle zu sein. Die Zusammenarbeit mit den Investoren sei dabei stets gut gewesen – ganz im Gegensatz zur derzeitigen Situation in Regensburg. Investoren-Sprecher Rami Haddad verkündete vor rund anderthalb Wochen Pläne für ein islamisches Kulturzentrum im Kaufhof. Inwieweit diese Vorhaben ernst gemeint sind, ist derzeit völlig offen. Rami Haddad? Investoren-Pläne die womöglich nur zur Provokation dienen? Heilmaier winkt ab: „Bei uns war das ein ganz anderer Kontext.“

Konzepte für Gebäude

Ortswechsel: Rund hundert Kilometer südlich entschied sich die Stadt Ingolstadt im vergangenen Oktober dazu, das leerstehende Kaufhof-Gebäude in der Ludwigstraße zu kaufen. Der Bau liegt seit rund viereinhalb Jahren brach. Rami Haddad? Auch in Ingolstadt hat man diesen Namen nie gehört, teilt Stadtsprecher Michael Klarner auf Anfrage mit. Die Stadt habe das Gebäude seinerzeit von einer Signa-Tochter gekauft. Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD) betonte damals: „Die Schließung des Kaufhofs 2020 und der jahrelange Leerstand des Gebäudes waren ein schmerzlicher Schlag [...]. Umsomehr freue ich mich, dass wir nun die Möglichkeit haben, die Zukunft dieser Schlüsselimmobilie selbst zu gestalten.“ Derzeit arbeite man an einem Konzept für die langfristige Nutzung, teilt Stadtsprecher Klarner mit. „Ob dabei das Gebäude dauerhaft gehalten oder zu einem späteren Zeitpunkt ganz oder teilweise verkauft wird, hängt von dem zu erstellenden Konzept ab.“

Die Lage in Nürnberg ist ähnlich, schildert Wirtschaftsreferentin Heilmaier. Derzeit erarbeite die Stadt gemeinsam mit einem Partner ein Konzept. Ob das Kaufhof-Gebäude anschließend wieder verkauft wird oder in den Händen der Stadt bleibt, sei derzeit offen. Jedenfalls zeigten verschiedene Seiten Interesse an einer Nutzung, beispielsweise die IHK für Kurse oder die Universität, sagt Heilmaier: „Am Freitag haben wir den Kauf öffentlich gemacht und am Montag hatte ich schon die ersten Anfragen.“ Auch abgesehen davon habe der Kauf des Gebäudes für eine gewisse Dynamik gesorgt: Die Versicherungskammer Bayern kaufte im Dezember das leerstehende Einkaufszentrum City Point.

Unterschied zu Regensburg

Und was heißt das alles für Regensburg? Nachfrage bei Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer: „In Nürnberg liegen ganz andere Rahmenbedingungen vor. Dort wurde das Gebäude aus der Insolvenzmasse gekauft. Das ist etwas völlig anderes, da ist man im Kaufverfahren enger involviert.“

Auch die Stadt Regensburg sei immer drangeblieben. Man sei im Kontakt mit Vertretern der Eigentümer gestanden, auch wenn diese selbst der Stadt nicht bekannt waren. „Es war für uns auch eine Option, das Gebäude zu erwerben, allerdings nur zu vernünftigen Konditionen“, betont das Regensburger Stadtoberhaupt.

Zunächst müsse man allerdings gemeinsam mit den Eigentümern schauen, was diese machen wollen und das in der Folge begleiten. „Und genau das wollte die Stadt ja mit den damaligen Eigentümern tun, indem eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden sollte.“

Letztlich kam es anders: Die bisherigen Eigentümer verkauften und unbekannte Investoren traten auf den Plan. Nun muss die Stadt innerhalb von knapp zwei Monaten entscheiden, ob sie kauft.

Haben die anderen Städte es eigentlich bereut, die Kaufhof-Gebäude erworben zu haben? Nürnbergs Wirtschaftsreferentin Heilmaier sagt wie aus der Pistole geschossen: „Bis heute nicht. Das hat eine Reaktionskette ausgelöst, die nur positiv ist.“ Ingolstadts Stadtsprecher Klarner fasst sich auf die Frage nach dem Bereuen eher kurz: „Nein.“

In Ingolstadt übernahm die Stadt das Kaufhof-Gebäude nach vier Jahren Leerstand. Foto: Michael Brandl, Archiv