Debatte um geplante Rodung in Roding: Bund Naturschutz kritisiert Ratsbegehren der Stadt

Von Oliver Hausladen · 16. Januar 2025 um 15:00

Der Stadtrat hat in seiner Dezember-Sitzung beschlossen, dem Bürgerbegehren am 16. März gegen die Rodung des Waldes für eine Erweiterung des Industriegebiets Oberkreith ein Ratsbegehren gegenüberzustellen, das zum Inhalt hat, die heimischen Unternehmen zu stärken und Arbeitsplätze zu erhalten.

Der Bund Naturschutz sieht das kritisch: „Unser Bürgerbegehren schließt die Ziele des Ratsbegehrens keineswegs aus. Uns geht es darum, für das Erreichen dieser Ziele keinen Wald zu roden“, sagt Rodings Ortsgruppen-Vorsitzender Konrad Höcherl.

„Keine minderwertige Naturfläche“

Das Waldgebiet sei keineswegs, wie es in der Begründung des Ratsbegehrens heißt, eine minderwertige Naturfläche mit Monokulturen, sondern stelle ein schützenswertes Ökosystem dar, wertvoller als Acker- und Wiesenflächen, mit vielen Vorteilen für Mensch und Natur. „Das gilt es zum Wohl der jetzigen und nächsten Generationen zu erhalten“, betont Höcherl. Nach intensiver Beschäftigung mit der Sachlage seien die Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Ergebnis gekommen, dass es durchaus ernstzunehmende Alternativen zur geplanten Abholzung gäbe.

Der Erweiterungsbereich soll zweiteilig gestaltet werden. Im nördlichen Bereich ist ein sogenanntes urbanes Gebiet geplant. Darauf sollen mehrere, bis zu 15 Meter hohe Wohngebäude für einige hundert Mitarbeitende entstehen. Auf dem südlichen, direkt an das bestehende Industriegebiet angrenzenden Teil sollen unter anderem Mitarbeiter-Parkplätze mit Photovoltaik entstehen.

Andere Grundstücke

„Arbeitsplatznahes Wohnen kann auch in indirekter Nachbarschaft auf bereits erschlossenem Areal verwirklicht werden“, meint Höcherl. Ein lokaler Unternehmer habe das ehemalige Sägewerk Knaf rückgebaut und das komplette Areal zur weiteren Nutzung vorbereitet. Das potenzielle Ersatzgrundstück liege nur wenige Meter vom bisherigen Industriegebiet entfernt, quasi in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof und sei somit ideal an den ÖPNV angebunden.

„Wie wir vom Besitzer erfahren haben, hat er der Stadt das Areal bereits vor Monaten zum Kauf angeboten“, sagt Höcherl, die Kommune habe darauf nicht reagiert. „Warum nutzt die Stadt diese Gelegenheit nicht?“, fragt der Vorsitzende der Rodinger Ortsgruppe des Bund Naturschutz. Für diese Variante müsse kein Baum gefällt werden, und die Kosten für die Infrastrukturmaßnahmen würden deutlich geringer ausfallen, was auch den Rodinger Bürgern zugutekommen würde, die zehn Prozent dieser Kosten übernehmen müssten. Auch würde so ein Beitrag zur Verringerung des Flächenverbrauchs geleistet, was ein von der bayerischen Staatsregierung ausgegebenes sinnvolles Ziel ist.

Eine weitere Grundstücks-Alternative liegt laut Höcherl in der nordwestlichen Ecke des bestehenden Industriegebietes. Dieser Bereich sei noch vor kurzem als Zwischenlager für Erdaushub genutzt worden, darauf könnten nach einer Nutzungsänderung auch Wohngebäude errichtet werden.

Im direkt an das bestehende Industriegebiet angrenzenden Erweiterungsbereich sei ein Flächenparkplatz geplant, der mit Photovoltaik überbaut werden soll.

Plädoyer für Parkhaus

Damit wolle eines der benachbarten Unternehmen seine Umweltziele erreichen. „Das heißt, es soll Wald gerodet werden, um ein Umweltziel zu erreichen. Das klingt nicht nur paradox, das ist es auch“, meint Höcherl, der Einkauf von grünem Strom führe zum gleichen Ziel. Parkflächen könnten deutlich umweltschonender in vertikaler Variante umgesetzt werden. „Parkhäuser in Indus-triegebieten sind Standard und können auch hier eine Lösung sein“, sagt Höcherl. Zudem könne das Parkhaus komplett mit Photovoltaik verkleidet und überdacht werden, schlägt er vor. Auf kleiner Fläche könne somit die benötigte Parkfläche und Photovoltaik zur CO2-Reduktion verwirklicht werden.

Bürgerentscheid und Ratsbegehren: Entscheidung am 16. März

Termin am 16. März: Über das Bürgerbegehren und das Ratsbegehren über die Rodung des Waldgebiets in Oberkreith können die Rodinger am 16. März entscheiden.

Unterlagen werden zugeschickt: Jeder Wahlberechtigte erhält Briefwahlunterlagen von der Stadt zugeschickt.

Bürgerbegehren: Die erste Frage ist die des Bürgerbegehrens: „Soll der artenreiche Erholungs- und Klimawald im Norden Rodings (Nähe Bahnhof) vor einer Abholzung und Umwandlung in das geplante Gewerbegebiet ‚Erweiterung Industriegebiet Oberkreith‘ geschützt werden und soll die Stadt Roding alle diesbezüglichen Maßnahmen einstellen?“

Ratsbegehren: Das Ratsbegehren ist die zweite Frage: „Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Roding gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten für den Erhalt von Arbeitsplätzen, die Stärkung ansässiger Unternehmen sowie die Ermöglichung arbeitsplatznahen Wohnraums einsetzt, deshalb an der Erweiterung des Industriegebiets Oberkreith festhält und somit ökologisch wertvollere Flächen statt des geschädigten Monokulturwaldes schützt?“

Stichfrage, wenn beide Entscheide Mehrheit bekommen: Für den Fall, dass beide Entscheide eine Mehrheit erhalten, folgt die Stichfrage, welcher von beiden gelten soll.

Bürgerinitiative ist optimistisch: Die Bürgerinitiative ist zuversichtlich, dass noch viele weitere Rodinger das Bürgerbegehren mit ihrer Briefwahl unterstützen werden, sagt Bund-Ortsvorsitzender Konrad Höcherl.

Fast 1600 Unterschriften gesammelt: Die Bürgerinitiative „Walderhalt statt Flächenfraß“ sei sehr erfreut über die hohe Beteiligung an der Unterschriftenaktion zum Bürgerbegehren. Mit 1583 gültigen Unterschriften wurde die erforderliche Anzahl von 923 deutlich übertroffen. „Unser Dank gilt allen Beteiligten, die diesen Erfolg möglich gemacht haben“, so Höcherl.