„Brauchen Steuer-Revolution“: Geschäftsführer von SK Technology berichten über Probleme und Hindernisse

„Wir brauchen keine Steuerreform, sondern eine Steuer-Revolution“, macht Stefan Kulzer, Senior-Chef von SK Technology, klar. Wie viele mittelständische Unternehmen sei der Aufwand, der etwa für eine Betriebsübergabe getätigt werden müsse, nur durch externe Dienstleister und mit großem Aufwand möglich – „das kann es nicht sein“, sagte er bei einem Besuch von Politikern am Mittwoch auf dem Firmengelände im Industriegebiet Roding-Oberkreith.
Auch sonst sei die Bürokratie für Unternehmer oft kaum mehr zu durchschauen, etwa bei den Gesetzen zur Arbeitszeit oder Bauvorhaben, beklagt Kulzer, der die Leitung des Familienunternehmens mittlerweile an seinen Sohn Benedikt übertragen hat. „Bis das geschafft war, war das schlimmste Berufsjahr für ihn und mich nötig“, berichtet er.
Es sei sehr wichtig für die Politik, zu hören, wo vor allem auch den Mittelstand der Schuh drücke, hatte Landrat Franz Löffler, der gemeinsam mit Bundestagsabgeordneter Martina Englhardt-Kopf und Bürgermeisterin Alexandra Riedl das Unternehmen besuchte, klar gemacht.
Deutschland sei von der Lokomotive zum Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum in Europa geworden, die Wirtschaft befinde sich auch in der Region in einer sehr herausfordernden Phase. „Wir müssen wieder Rahmenbedingungen schaffen, damit unsere Unternehmen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben“, so der Landrat. Es sei dringend nötig, dem aktuellen Trend, auch mit Insolvenzen in der Region, entgegenzuwirken und zu sehen, „wo wir in fünf Jahren stehen wollen.“ Dazu sei der Austausch mit Firmenvertretern essenziell.
Breit aufgestellt
Bei SK Technology sei die Auftragslage noch gut, auch wenn die Aufträge im Mobilitätsbereich stark gesunken sind. „Wir spüren da die Krise in der Branche“, berichtet Benedikt Kulzer, das könne aber durch die breite Streuung der Kunden ausgeglichen werden. Luft- und Raumfahrt hätte sich etwa in den vergangenen Jahren stets fast verdoppelt. So fanden sich etwa in der jüngst erfolgreich gestarteten Ariane-Rakete Bauteile, die von SK Technology hergestellt wurden. Auch die Halbleiter-Branche sowie Bio- und Medizintechnik seien stark im Wachstum.
(Unnötige) Probleme gebe es aber auch beim Rodinger Familienunternehmen. Beim Thema Arbeitszeit etwa schlägt Stefan Kulzer einen radikalen Schnitt vor: „In Zeiten des Fachkräftemangels kann sich der Arbeitgeber doch ohnehin aussuchen, wo er arbeiten möchte. Wenn er sich mit dem Unternehmen über eine Vertrauensarbeitszeit einig ist, warum muss der Staat dann eingreifen?“ Die jetzigen Bestimmungen, die den Arbeitnehmer schützen sollen, hält er für überholt: „Wenn jemand seine Mitarbeiter ausbeutet, gehen sie.“
Schon jetzt gebe es bei SK Technology sehr viele Arbeitszeitmodelle, die auch rege genutzt würden. „Ohne Vorschriften von außen funktioniert das“, sagt Stefan Kulzer. Für mehr Eigenverantwortung unter anderem in diesem Bereich sprach sich auch Löffler aus.
„Klare Lösungen“ statt „falscher Kompromisse“
„Klare Lösungen“ wünscht sich der Seniorchef von SK Technology künftig wieder von der Politik, „keine ständigen Kompromisse, die nicht weiterbringen.“ Probleme bereite dem Unternehmen auch, dass es an der Grenze von 250 Vollzeit-Beschäftigten ist – wird diese überschritten, gelten die gleichen Regelungen wie für einen Großkonzern, und sämtliche Förderungen fallen weg. „Für ein mittelständisches Unternehmen ein großer Nachteil“, sagt Stefan Kulzer, der sich auch in diesem Punkt von der künftigen Bundesregierung deutliche Verbesserungen erhofft.
Im Bereich Fachkräfte dagegen setze man eher auf Hilfe zur Selbsthilfe, wie Benedikt Kulzer meinte. Ausbildung spiele im Unternehmen eine sehr große Rolle, „die Menschen bleiben dann auch bei uns“, sagt er. Das Familienunternehmen profitiere auch von seinem guten Ruf, der sogar schriftlich bestätigt wurde: Das externe Institut Great Place attestiert einen sehr hohen Grad an Zufriedenheit unter den Mitarbeitern, insbesondere bei Auszubildenden.
Plädoyer für Mittelstand
Englhardt-Kopf nahm die Anregungen aus Roding mit. „Der Bürokratieabbau muss endlich stattfinden“, gab sie den Unternehmen Recht. Es sei in der Region sehr wichtig, dass die mittelständischen Unternehmen weiter erfolgreich arbeiten können, „sie sind das Rückgrat der Wirtschaft vor Ort“. Sie sei deshalb auch froh, von der Quelle zu erfahren, wo die Probleme seien.
„Es ist schön zu sehen, wie unsere Unternehmer vor Ort vor Ideen und Tatenkraft sprudeln“, sagte Bürgermeisterin Riedl. Die Kommune wolle die bestmöglichen Voraussetzungen für die Firmen schaffen, betonte sie, stoße aber auch manchmal an die Grenzen des Möglichen. Nicht vergessen werden dürfe, dass die Unternehmen im Stadtgebiet durch die Steuern eine der Haupteinnahme-Quellen für die Stadt seien. Umso wichtiger sei es, dass die Zusammenarbeit passe und die Arbeitsplätze erhalten blieben.
Daten zum Unternehmen
330 Mitarbeiter, 30 Millionen Euro Umsatz: Die SK Technology GmbH beschäftigt derzeit an den beiden Standorten im Landkreis Cham in Roding und Waldmünchen rund 330 Mitarbeiter. Der Firmenumsatz liegt jährlich bei ungefähr 30 Millionen Euro.
Kundenspezifische Präzisionsbauteile: Als strategischer Partner unterstützt die SK Technology GmbH laut eigenen Angaben ambitionierte Zukunftsprojekte von der Entwicklung bis hin zur Fertigung der Prototypen und Serien. Kundenspezifische Präzisionsbauteile werden mittels modernster Technologien und ausgezeichnetem Know-how realisiert. Die Branchen der Kunden sind dabei breitgefächert.
Große Fertigungsbreite und -tiefe: Das Unternehmen mit Hauptsitz in Roding zeichnet sich laut eigenen Angaben durch eine einzigartige Fertigungsbreite sowie Fertigungstiefe aus. In der Zerspanung gehören CNC-Drehen, CNC-Fräsen, Senk- und Drahterodieren sowie Rund-, Flach- und Profilschleifen zu den Hauptdisziplinen.