Als es kalt wurde in Wenzenbach: Das Wärme-Drama im Neubaugebiet Roither Berg

Das Wärme-Drama am Roither Berg in Wenzenbach war 2024 eines der größten Aufreger-Themen im Landkreis. Die Bewohner wichen auf die Wärmepumpe aus, der zugrunde liegende Streit schwelt weiter.
Als nach einigen schon frühlingshaften Tagen Ende Februar wieder winterliche Temperaturen Einzug hielten, spürten das etliche Bewohner des Wenzenbacher Neubaugebiets Roither Berg besonders heftig. Sofern sie nämlich ihre Heizwärme vom örtlichen Unternehmen Energieversorgung Wenzenbach (EVW) bezogen, wurde es kalt in ihren Häusern. Am Abend des 22. Februar stellte die EVW die Lieferung ein.
EVW-Geschäftsführer Jochen Stierstorfer hatte diesen drastischen Schritt wenige Tage zuvor angekündigt. In einem Schreiben an die Bewohner und Eigentümer warf er einem Teil von ihnen vor, sein Unternehmen durch „kollektive Zahlungsverweigerung“, „pauschale und bewiesene Falschbehauptungen und öffentliche Diffamierungen“ sowie „die Unmenge an Prozesskosten“ und „die schiere Masse der zu verauslagenden Gutachterkosten“ das Versorgungsunternehmen über Jahre gezielt geschädigt und in seiner Existenz gefährdet haben.
„Wir sind Dusch-Nomaden“
Stierstorfers Anwälte taxierten die ausstehenden Zahlungen auf 1,6 Millionen Euro. Die Abschaltung des Wärmekraftwerks sei daher unumgänglich gewesen – und tatsächlich musste die EVW wenige Tage später Insolvenz anmelden.
Das vormalige Leuchtturm-Projekt, einst vom bayerischen Wirtschaftsministerium mit der Auszeichnung „Gestalter der Energiewende“ geadelt, war damit gescheitert – und anschließend eine Zeit lang fast täglich Thema vor Gericht. Die EVW prozessierte gegen die aus ihrer Sicht vertragsbrüchigen Kunden, einige von diesen wiederum wollten das Versorgungsunternehmen per Einstweiliger Verfügung dazu zwingen, ihre Anlage wieder hoch zu fahren. Tatsächlich gab es auch einen entsprechenden Richterspruch, warm wurde es dennoch nicht.
Für die betroffenen Bewohner waren diese Tage und Wochen durchaus dramatisch. „Wir sind zu Dusch-Nomaden geworden“, beschrieb damals einer von ihnen die Notwendigkeit, Verwandte und Freunde um Warmwasser-Asyl zu bitten oder sich in der Schulturnhalle zu waschen.
Da am Roither Berg viele jungen Familien leben, hatten die kalten Tage in den eigenen vier Wänden zwei weitere unangenehme Folgen: Die Kinder wurden krank und das Budget knapp – für die mit der Baufinanzierung ohnehin genug belasteten Eigentümer war es oftmals nämlich nicht möglich, auf die Schnelle auf eine teure alternative Form des Heizens umzusteigen.
Zum Ende des Jahres hatte sich die Lage entspannt
Zeitsprung: Zum Ende des Jahres hatte sich die Lage entspannt. Die meisten Eigentümer nutzten den Sommer, um sich eine Wärmepumpe zuzulegen. Im Herbst, kurz vor Start der neuen Heiz-Saison, war dieser Technologiewechsel auch im Straßenbild wahrnehmbar: Trupps vom Bayernwerk waren am Roither Berg unterwegs, um die dortigen Stromleitungen nachzurüsten und das Netz fit zu machen für den Betrieb von etwa 100 Wärmepumpen.
Abgesehen davon zeichnet sich jedoch keine abschließende Lösung ab. Vom Insolvenzverwalter, der zu Beginn des Verfahrens sehr optimistisch bezüglich des Einstiegs eines Investors und dem damit verbundenen Weiterbetrieb der EVW-Anlagen war, hat man lange nichts mehr gehört.
Dasselbe gilt für den Streit zwischen der EVW und der Gemeinde, der gleichwohl weiter schwelt. Stierstorfer und seine Anwälte machten Bürgermeister Sebastian Koch immer wieder zum Vorwurf, durch den einst angedachten, aber nie vollzogenen Anschluss der Schulturnhalle ans Wärmenetz des Unternehmens zur finanziellen Schieflage beigetragen zu haben. Zudem monieren sie das Fehlen eines gültigen Bebauungsplans, aus dem sie millionenschwere Forderungen gegen die Gemeinde ableiten.
Anfang war vielversprechend
Gut möglich, dass dieses Thema auch im neuen Jahr eine Rolle spielen wird. Für den Moment aber ist Ruhe und Zeit zum Zurückschauen. Koch erinnert sich dabei an ein anfangs vielversprechendes Vorhaben.
„Es wäre allen Beteiligten zu wünschen gewesen, dass das eine langfristige Erfolgsgeschichte mit Strahlkraft für die allerorts erforderliche Wärmewenden wird“, sagt er und bezeichnet daher die Vorgänge ab Ende Februar als umso enttäuschender.
„Das Ganze hat viel Kraft gekostet und ging den Betroffenen sowie tatsächlich auch mir an die Substanz.“ Gut getan hätte in dieser Phase die Rückendeckung seitens des Gemeinderats und auch der Zuspruch einiger Betroffener, „die sich bei mir für meine Transparenz und meinen Einsatz bedankt haben“.
