Nach Heiz-Drama: Am Roither Berg in Wenzenbach hat die Wärmepumpe übernommen

Von Rainer Wendl · 18. Oktober 2024 um 05:00

Für die meisten Bewohner ist das Heiz-Drama dank Technologie-Wechsel erledigt. Die juristische Auseinandersetzung aber schwelt weiter.

Obwohl die Heiz-Saison unmittelbar bevorsteht, klingt die Stimme der Bewohnerin vom Roither Berg so sonnig wie das Wetter am gestrigen Donnerstag: „Selbstverständlich habe ich eine Wärmepumpe. Eine Bosch. Das Wasser ist warm und die Heizung ist auch schon gelaufen“, berichtet sie fröhlich.

Das ist kein Vergleich zu der trüben Stimmung, die sie Ende Februar hatte. Als damals die Fernwärme-Versorgungszentrale abgeschaltet wurde, war Frösteln in den eigenen vier Wänden angesagt. Zum Duschen ging es entweder in die Schulturnhalle oder Bekannte gewährten Asyl.

Derlei Zumutungen müssen die Bewohner des Roither Bergs nun nicht mehr fürchten. Sie haben sich mittlerweile nahezu ausnahmslos eine Wärmepumpe zugelegt. „Meine kam im September, da war ich aber eine der letzten. Jetzt haben höchstens noch fünf bis zehn Häuser keine“, berichtet die Eigentümerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Erschließung im Blickpunkt

Als deutliches Zeichen des vollzogenen Technologiewechsels sind seit etlichen Tagen Bautrupps vom Bayernwerk in dem Wenzenbacher Wohngebiet zu sehen. Sie rüsten die Stromleitungen nach, denn das bestehende Netz war nicht ausgelegt auf den Betrieb von etwa 100 Wärmepumpen.

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Die Eigentümerin betont, sich lange gegen diesen Wechsel gewehrt zu haben: „Ich hatte bis weit in den Sommer hinein noch Hoffnung, dass es eine Lösung mit der hiesigen Anlage gibt“, sagt sie. Doch als sie dann jede Woche mindestens zwei Heizungsbauer beim Installieren von Wärmepumpen in der Nachbarschaft gesehen habe, entschied auch sie sich dafür. „Ich bin jetzt wirklich froh um diese Lösung und auch wahnsinnig erleichtert. Jetzt sind wir endlich unabhängig, der Winter kann kommen.“

Dieses Glück der Bewohner ist das Pech der besagten „hiesigen Anlage“. Gemeint ist damit die am Fuße des Baugebiets stehende Zentrale der insolventen Energieversorgung Wenzenbach (EVW). An dieser hängen nun endgültig viel zu wenige Häuser, um jemals wieder an einen rentablen Betrieb denken zu können.

Auch der öfter diskutierte Anschluss der Schule oder anderer kommunaler Liegenschaften scheint kein Thema mehr zu sein. Wie es mit der Anlage weitergeht, ist daher völlig ungewiss, dem Vernehmen nach steht Insolvenzverwalter Harald Schwartz nach wie vor in Verhandlungen mit Kaufinteressenten.

Chef der EVW war bis zu deren Insolvenz bekanntlich Jochen Stierstorfer, der bis Mai 2022 auch als Geschäftsführer der Roither Berg Grundstücksentwicklungs GmbH fungierte. Eben dieses Unternehmen liegt weiterhin im Clinch mit der Gemeinde Wenzenbach. Die Argumentation der Anwälte der GmbH: Weil es keinen gültigen Bebauungsplan für den Roither Berg gibt, ist auch der im Februar 2015 geschlossene Erschließungsvertrag unwirksam. In diesem war festgelegt worden, dass die GmbH für die Herstellung der Verkehrsflächen sorgt und diese anschließend unentgeltlich der Gemeinde übergibt.

Spitze gegen Koch

Mit der Nichtigkeit dieser Vereinbarung ergäben sich gravierende Konsequenzen für Gemeinde und Bauherrn. Wie die Anwälte der GmbH vorrechnen, würden die in den Straßenbau investierten 7,8 Millionen Euro zurückgefordert werden. Da die Gemeinde laut dem Verwaltungsportal des Freistaats Bayern(bayernportal.de) verpflichtet wäre, diese Summe auf die rund 100 jetzigen Grundstückeigentümer umlegen, käme auf jeden Einzelnen eine Forderung von etwa 78 000 Euro zu.

Zudem entfiele bei Unwirksamkeit des Erschließungsvertrags das gemeindliche Umsatzsteuerprivileg. Das heißt: Das Finanzamt kann Umsatzsteuer in beträchtlicher Höhe fordern. „Herr Koch war doch beim Finanzamt, der müsste das also wissen“, frotzelt GmbH-Anwalt Robert Hankowetz gegen Bürgermeister Sebastian Koch. Am 13. November steht ein nichtöffentlicher Gütetermin am Verwaltungsgericht an, bei dem der Erschließungsvertrag Thema ist.