Heiz-Drama in Wenzenbach: Für 1070 Euro im Monat wird’s wieder warm

Von Rainer Wendl · 25. März 2024 um 19:00

Die erhoffte Lösung ist noch nicht absehbar, aber immerhin gibt es konkrete Zahlen: Die Bewohner vom Roither Berg in Wenzenbach (Landkreis Regensburg) wissen nun, was sie die Wiederaufnahme der Wärmeversorgung (vorerst) kosten würde. Eine Bewohnerin berichtet von 1070 Euro pro Monat.

Normalerweise hat Sebastian Koch rein gar nichts gegen Publicity für sich und seine Gemeinde. Auf diese Art von nationaler Bekanntheit hätte der Wenzenbacher Bürgermeister aber gerne verzichtet. In der vergangenen Woche hat es das Drama um die eingestellte Wärmeversorgung am Roither Berg nämlich sogar in die ARD-Tagesthemen und auf Spiegel-Online geschafft – und zwar nicht mit der Botschaft, dass endlich eine Lösung der verfahrenen Situation gefunden wäre. Vielmehr ist es in weiten Teilen des Neubaugebiets nun schon seit mehr als einem Monat kalt.

Die betroffenen Hauseigentümer müssen also nach wie vor mit Thermoskannen oder gleich auswärts duschen, zudem hat der Temperatursturz der vergangenen Tage die andauernde Zumutung nochmals verschärft. „Am Wochenende war es so kalt in unserem Haus, furchtbar! Meine Geduld geht jetzt echt zu Ende“, sagt eine hörbar verärgerte Bewohnerin, die ihren Namen nicht öffentlich nennen will. Sie hatte keine andere Wahl, als einmal mehr auf die Notlösung Heizschwert zurückzugreifen.

Dessen Betrieb ist nicht gerade billig, für einen zwischenzeitlich auf dem Tisch liegenden Vorschlag des vorläufigen Insolvenzverwalters Harald Schwartz gilt dasselbe.

Abschlag sorgt für Aufregung: „Es wird keiner geprellt“

Eine Wiederaufnahme der Wärmeversorgung erfordert je nach Hausgröße Abschlagszahlungen zwischen 800 und 1500 Euro pro Monat, teilte er den Betroffenen Ende vergangener Woche mit. „Bei mir wären’s 1070 Euro. Bei manchen Nachbarn ist der Betrag geringer, bei anderen noch einmal deutlich höher. Diese Zahlen haben natürlich für zusätzliche Aufregung gesorgt“, erzählt die Bewohnerin.

Nach zwei Wochen im Einsatz als vorläufiger Insolvenzverwalter hat Schwartz mittlerweile reichlich Bekanntschaft mit jeder Art von Aufgeregtheit am Roither Berg gemacht. „Alle Seiten haben ihre Gründe dafür“, zeigt der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht grundsätzlich Verständnis für die aufgeheizte Stimmung. Dennoch würde er sich ein wenig mehr Besonnenheit wünschen.

Zum Beispiel bei den nun im Raum stehenden Vorauszahlungen. „Es handelt sich um einen Abschlag, allein das Wort ist schon einmal wichtig“, sagt Schwartz. Weil der Gaslieferant angesichts der Insolvenz des Bestellers Energieversorgung Wenzenbach (EVW) auf eine gewisse Mindestabnahme und Vorkasse bestehe, das EVW-Konto aber leer sei, fielen die notwendigen Vorauszahlungen zunächst hoch aus.

Preis hängt vom individuellen Verbrauch ab

Was der einzelne Kunde am Ende tatsächlich berappen müsse, hänge aber allein vom individuellen Verbrauch ab. „Es wird keiner geprellt, nicht um einen einzigen Cent. Es ist alles in gerichtlicher Hand, die Abwicklung erfolgt über ein Treuhand-Konto“, wirbt Schwartz um Vertrauen, das am Roither Berg ein noch rareres Gut als Wärme zu sein scheint.

Der von Seiten der Hauseigentümer ins Spiel gebrachten Beauftragung eines Dienstleisters für die Installation einer mobilen Heizzentrale steht der Insolvenzverwalter indes skeptisch gegenüber: „Es ist ja nicht so, dass da einer mit dem Passat vorfährt und anstöpselt – nein, da fallen Transport- und Mietkosten für mobile Geräte an.“

Bei einem Zeitraum von zwei oder drei Monaten sei man so schnell bei Extrakosten von „ein paar tausend“. Schwartz wirbt daher für eine Entscheidung zur Gas-Bestellung in dieser Woche. „Dann hätten wir ad hoc eine vernünftige Erstlösung – und beim Rest schauen wir mal. Ich halte eine gute Gesamtlösung nach wie vor für möglich.“

Gespeist wird sein Optimismus aus Gesprächen mit Investoren für eine Übernahme der EVW-Anlagen. „Es gibt eine Reihe von sehr guten Interessenten, die es technisch können und auch finanziell im Kreuz haben.“

Koch stellt klare Bedingung: Nur mit Profis

Dies wäre auch für Koch eine unabdingbare Voraussetzung: „Eine Kooperation kommt für uns – beispielsweise hinsichtlich kommunaler Liegenschaften – generell nur in Frage, wenn echte Profis mit einschlägigen Referenzen kommen, die verloren gegangenes Vertrauen in Nahwärme bei den Bürgerinnen und Bürgern zurückgewinnen können“, wiederholt der Bürgermeister die Bedingungen für ein Engagement der Gemeinde.

Schwartz vernimmt diese Worte mit Wohlwollen. „Der Bürgermeister verhält sich konstruktiv und kooperativ“, sagt er. Besonders gefallen dürfte ihm Kochs Erwähnung von kommunalen Liegenschaften. Der Anschluss der Schule oder eines weiteren Wohngebiets an das Wärmenetz sei „keine dumme Idee“, meint der Insolvenzverwalter.

Entscheidend für die künftige Attraktivität der EVW-Anlagen ist aber die Frage, wie viele Eigentümer trotz der Querelen am Netz bleiben. Schwartz und Koch sind sich dessen bewusst, während die verärgerte und fröstelnde Bewohnerin fordert: „Die müssen jetzt was tun, um uns bei der Stange zu halten.“