Heiz-Drama in Wenzenbach: Wird es am Roither Berg bald endlich wieder warm?

Von Rainer Wendl · 14. März 2024 um 15:00

Wann wird es endlich wieder warm am Roither Berg in Wenzenbach (Landkreis Regensburg)? Nach einer Informationsveranstaltung des Insolvenzverwalters haben die Betroffenen zumindest Hoffnung.

Die Aula der Grund- und Mittelschule war bestens gefüllt, einige Gäste mussten sogar mit einem Stehplatz vorliebnehmen. Sie waren am Mittwochabend gekommen, um sich vom vorläufigen Insolvenzverwalter Harald Schwartz aus erster Hand über den Stand des Verfahrens sowie kurz-, mittel- und langfristige Lösungsoptionen rund um die die von der Energieversorgung Wenzenbach (EVW) vor drei Wochen eingestellte Wärmelieferung im Neubaugebiet Roither Berg informieren zu lassen.

Trotz der Brisanz und des angestauten Ärgers berichten Teilnehmer dieser nicht-öffentlichen Veranstaltung übereinstimmend von einem strukturierten und weitgehend sachlichen Verlauf des Abends. „Der Insolvenzverwalter wirkt sehr kompetent, das ist schon mal viel wert. Es war eine einigermaßen konstruktive Veranstaltung“, schildert eine betroffene Bewohnerin ihren ersten Eindruck. Schwartz selbst bezog in diese lösungsorientierte Gesamtstimmung offenbar auch EVW-Geschäftsführer Jochen Stierstorfer mit ein, die Zusammenarbeit läuft dem Vernehmen nach bisher gut.

Not-System für drei Monate?

Wie schnell kann das erste Früchte tragen, sprich: Wann wird es endlich wieder warm am Roither Berg? Den Fahrplan dazu hatte Schwartz schon vorab skizziert und eine Entscheidung bis Ende dieser Woche in Aussicht gestellt. Am Mittwoch ging es nun konkret um das Hochfahren eines Not-Systems für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten.

Die entscheidende Frage für das Gelingen dieser Lösung sowie für den dauerhaften Fortbestand des Wärmenetzes insgesamt ist, wie viele Anschlüsse an Bord bleiben. Allein daran lasse sich der Wert der Anlage bemessen, hatte Schwartz mit Blick auf potenzielle Investoren ebenfalls schon vorab betont. Das dazu eingeholte Meinungsbild am Mittwoch zeigte laut Teilnehmern, dass – trotz dem nach wie vor verbreiteten Liebäugeln mit dem Wechsel auf Wärmepumpen – auch die Tür für Fernwärme noch nicht komplett zu ist: Etwa 40 Anwesende hätten ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, im Netz zu bleiben.

Sofern sich nun der Einkauf von neuem Gas nach Einschätzung des Insolvenzverwalters wirtschaftlich darstellen lässt, könnte das System tatsächlich zeitnah wieder gestartet werden. „Vielleicht ist es bis Mittwoch warm“, hofft eine Anwohnerin.

Damit wäre nicht nur die akute Notlage der Betroffenen behoben, es wäre auch ein Vierteljahr Zeit gewonnen – für die Hauseigentümer zur (Neu-)Orientierung, für Schwartz bei der Investorensuche sowie bei der Aufarbeitung des gesammelten Zahlenwerks und der offenen Rechtsfragen. Dazu gehört die vielfach auch vor Gericht erfolgen werdende Klärung, ob der von der EVW stets kolportierte kundenseitige Zahlungsrückstand von 1,6 Millionen Euro zutreffend ist.

Koch: „Vertrauen irreversibel verloren“

„Es hat sich gezeigt, dass vielfach Vertrauen irreversibel verloren gegangen ist. Für den Insolvenzverwalter wird es gerade nach den letzten Wochen kein leichtes Unterfangen sein, die Kunden wieder für das Gemeinschaftsprojekt Wärmenetz zu gewinnen“, meint Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch, der der Versammlung quasi als Zaungast beiwohnte.

Seiner Einschätzung nach dürften „ordentliche Zukunftsaussichten für das Netz und Werk der EVW nur dann gegeben sein, wenn das Asset an Profis geht“. Für den Fall, dass ein Investor mit wirtschaftlich langjährig verlässlichen und nachhaltigen Lösungen gefunden wird, sagt er: „Die Gemeinde ist grundsätzlich zur Kooperation bereit.“