Wenzenbacher Wärme-Drama hält an: Weiter keine Lösung am Roither Berg

„Versorgung langfristig gesichert“ – das war die positive Botschaft, die kürzlich in einer Pressemitteilung zum Baugebiet Roither Berg in Wenzenbach transportiert wurde. Der Haken an der Meldung:
Gemeint war nicht die Wärmeversorgung, sondern „nur“ das Telekommunikationsnetz mit Telefon und Glasfaser-Internet. Wer will, bekommt diese Dienstleistungen künftig vom Regensburger Unternehmen R-Kom gestellt, das Montage-Angebot für 799 Euro pro Anschluss liegt auf dem Tisch. Wer hingegen künftig für Heizung und Warmwasser am Roither Berg zuständig ist, bleibt weiter unklar.
Damit dauert die Hängepartie für die Bewohner nun bald seit vier Monaten an. Ende Februar hatte die Energieversorgung Wenzenbach (EVW) die Wärmelieferung eingestellt, wenig später wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren über das Unternehmen eröffnet. Der anfängliche Optimismus, dass dieses zu einer schnellen Wiederinbetriebnahme der örtlichen Anlage führen könnte, ist längst verflogen. „Es gibt tatsächlich immer noch nichts Neues“, berichtet eine betroffene Hauseigentümerin. Ihre Prognose ist pessimistisch: „Ich habe kaum noch Hoffnung, dass es eine Lösung gibt.“
Auch Koch weiß nichts
Diese fehlende Zuversicht speist sich auch aus dem schleppenden Informationsfluss. „Die Kommunikation ist schlecht. Ist es zu viel verlangt, einmal im Monat ein Update zum Stand des Insolvenzverfahrens zu bekommen? Wenn wir Betroffenen nicht unsere einzeln zusammengetragenen Infos in einer WhatsApp-Gruppe austauschen würden, wüsste keiner was. So können wir uns nur zusammenreimen, dass ein Verkauf der EVW-Anlagen wohl immer noch oberste Priorität hat“, beklagt sich die Anwohnerin. Sie und ihre Leidensgenossen fühlten sich daher alleingelassen. „Wir haben nicht das Gefühl, dass man sich für uns interessiert.“
Sebastian Koch versteht diesen Ärger und betont, dass es ihm nicht anders gehe: „Mir liegen ebenfalls keine neuen Informationen zum Insolvenzverfahren vor.“ Der Wissensstand des Wenzenbachers Bürgermeisters wäre demnach in etwa identisch mit dem der Hauseigentümer. „Es gab ein Angebot der Rewag zur vorübergehenden Wärmeversorgung mittels mobiler Heizzentrale. Das war im April, die Konditionen waren aus meiner Sicht vielversprechend. Aber dieses Angebot wurde vom Insolvenzverwalter verworfen“, schildert Koch den letzten ihm bekannten Vorgang. Hoffnung auf eine Lösung in absehbarer Zeit hat daher auch er kaum noch: „Das so wichtige rasche Reaktivieren des Netzes zu ansatzweise verträglichen Abschlagszahlungen ist leider gescheitert.“
Die große Bedeutung eines schnellen Vollzugs hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Harald Schwartz in der Vergangenheit immer wieder erklärt. Das Netz sei nur dann interessant für potenzielle Investoren, wenn möglichst viele Abnehmer daran hingen, so seine Argumentation. Von einstmals 77 Anschlüssen waren aber bereits im März nur noch um die 35 übriggeblieben. Mittlerweile dürften es noch weniger sein. „20 bis 30 schätze ich“, sagt die vorher zitierte Anwohnerin. „Ich bin noch dabei und hätte weiterhin Interesse zu bleiben. Aber länger als bis Juli warte ich auch nicht mehr.“
Fakt ist, dass zahlreiche Hauseigentümer vom Roither Berg in den vergangenen Monaten bereits die Konsequenzen gezogen haben und in eine andere Technik ohne Abhängigkeit vom Schicksal der EVW „geflüchtet“ sind. Der Bürgermeister hat Verständnis dafür: „Die Wärmepumpen-Dichte ist hoch – und dies ist aufgrund der weiterhin bestehenden Ungewissheit durchaus nachvollziehbar. Die Betroffenen hängen seit mehreren Monaten in den Seilen.“
Gemeinde und KERL prüfen
Und wie steht es um die Wärmeversorgung von gemeindlichen Liegenschaften durch das EVW-Netz? Sowohl Insolvenzverwalter Schwartz als auch EVW-Gründer Jochen Stierstorfer hatten wiederholt dafür geworben, weil beispielsweise durch einen Anschluss der benachbarten Schule viele Probleme des Unternehmens behoben werden könnten. Koch steht diesem Ansinnen nach wie vor zurückhaltend gegenüber: „Eine vertiefte Zusammenarbeit kommt für uns als öffentliche Hand ausschließlich dann in Frage, wenn sich ein renommierter Partner mit hohem Maß an Professionalität und Vertrauenswürdigkeit finden lässt“, sagt er.
Immerhin verrät das Gemeindeoberhaupt, dass aktuell zusammen mit der Genossenschaft Kommunale Energie Regensburger Land (KERL) eine Bewertung des EVW-Anlagevermögens erfolge. Wegen der „eher durchwachsenen Informations- und Datenlage“ ziehe sich das zwar in die Länge, aber: „Sobald belastbare Ergebnisse vorliegen, wird sich die Gemeindepolitik damit befassen und gegebenenfalls weitere Schritte veranlassen.“
Das sagt der Insolvenzverwalter
Perspektive: Kurz nach seinem Einstieg als vorläufiger Insolvenzverwalter bei der EVW zeigte sich Harald Schwartz optimistisch: „Es gibt eine Reihe von sehr guten Interessenten, die es technisch können und auch finanziell im Kreuz haben“, sagte er im März in Bezug auf mögliche Investoren.
Ist-Zustand: Wesentlich geändert hat sich in der Zwischenzeit nichts. Schwartz spricht mittlerweile hörbar weniger euphorisch von „Interessenten, die seit schon seit acht Wochen rumgeistern“ und sagt konkret zur aktuellen Situation: „Es gibt immer noch kein beziffertes Kaufangebot.“