Wenzenbach: Ist der Wettlauf gegen die Wärmepumpe noch zu gewinnen?

Von Rainer Wendl · 4. April 2024 um 19:00

Wie geht es mit der Wärmeversorgung am Roither Berg in Wenzenbach (Landkreis Regensburg) weiter? Diese Frage bleibt auch sechs Wochen nach Abschaltung des Netzes unbeantwortet.

Für die nach guten Nachrichten gierenden Hauseigentümer vom Roither Berg ist das zumindest keine schlechte: Am ersten April-Wochenende gibt der Sommer ein sehr frühes Gastspiel, das Frieren in den eigenen vier Wänden geht also ziemlich nahtlos in die Notwendigkeit des Fensteröffnens über – und bei Tageshöchsttemperaturen von mehr als 25 Grad ist sogar kalt duschen zumutbar.

Das alles ändert nichts am weiter bestehenden Dilemma des Wenzenbacher Neubaugebiets. Auf die Frage, wann die Wärmeversorgung wieder aufgenommen wird, gibt es auch sechs Wochen nach Abschaltung keine Antwort.

Nur noch 35 Interessenten

Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung lebte zuletzt unmittelbar vor Ostern auf, als dem Vernehmen nach die Möglichkeit eines Investoren-Einstiegs bestand. Weil sich diese zerschlagen hat, gilt es für die Betroffenen weiter zu warten – beispielsweise auf Informationen, ob ein Hochfahren der Wärmeversorgung auch mit niedrigeren Abschlagszahlungen möglich wäre. Die Summen, die den Hauseigentümern hier zunächst genannt worden waren, hatten sich auf bis zu 1500 Euro im Monat belaufen.

Sämtliche Bemühungen des vorläufigen Insolvenzverwalters Harald Schwartz gleichen jedoch einem Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Wärmepumpe. Denn jeder Betroffene, der sich für den Kauf einer Wärmepumpe und damit für einen Systemwechsel entscheidet, macht das bestehende Verteilnetz unattraktiver für potenzielle Investoren. Von den einst 77 am Netz hängenden Hauseigentümern hatten schon vor Wochen nur 35 Interesse daran bekundet, weiterhin dabeizubleiben. Mittlerweile dürfte diese Zahl noch niedriger sein.

„Die Leute sehen jetzt, dass auch der Insolvenzverwalter nicht zaubern kann, weil er zuvorderst im Sinne der Gläubiger agieren muss und an einen eng definierten rechtlichen Rahmen gebunden ist“, sagt Bürgermeister Sebastian Koch und erinnert sich daran, dass zu Beginn der Krise auch von ihm eine Art „Zauberei“ erwartet worden sei, beispielsweise durch einen Anschluss der Mittelschule an das Wärmenetz.

Koch ist „prinzipiell“ offen

Aktuell bewertet dies Koch so: „Die Gemeinde ist prinzipiell gesprächsbereit. Aber nur, wenn wirtschaftliche und nachhaltige Konzepte ohne fossile Brennstoffe vorliegen.“

Unterdessen liegen weitere Gerichtsentscheidungen vor. Es handelt sich um einstweilige Verfügungen, wonach die Wärmelieferung wieder aufgenommen werden muss. Angesichts fehlender Liquidität sind diese Richtersprüche aber praktisch wertlos.