Wärmepumpen sind der Renner: Wenzenbacher nutzen Fernwärme-Ausstieg

Von Christian Eckl · 27. März 2024 um 05:00

Seit Wochen hat der Betreiber des Wenzenbacher Fernwärmenetzes im Landkreis Regensburg den Saft abgedreht, was bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Sogar Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kam bereits damit in Berührung. In dessen Ministerium gedeihen nun Pläne, die dafür sorgen sollen, dass das Schicksal der Wenzenbacher bundesweit die Ausnahme bleibt.

Nichts geht mehr seit Wochen im Fernwärmekraftwerk am Roither Berg in Wenzenbach (Lkr. Regensburg). Noch vor einem Insolvenzantrag der Energieversorgung Wenzenbach hat der Betreiber den Abnehmern in dem Neubaugebiet gekündigt – zumindest jenen, die nicht zuvor bereits die Reißleine gezogen haben. Einst war das Fernwärmekraftwerk als Öko-Vorzeigeprojekt gestartet, war als „Gestalter der Energiewende“ sogar vom bayerischen Wirtschaftsministerium prämiert worden. Doch Misswirtschaft und davon galoppierende Gaspreise, eine Klageflut des Betreibers gegen die angeschlossenen Hausbesitzer und schließlich große Verluste führten in die Insolvenz – und die Wenzenbacher mit ihrem gescheiterten Energiekonzept sogar in die Tagesschau.

Verordnung bietet Ausstiegsszenario: Wärmepumpe statt Fernwärme

Die Mediengruppe Bayern hatte zudem darüber berichtet, dass eine Novellierung der Verordnung über die „Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme“, kurz AVBFernwärmeV, den eigentlich nach dem Grundstückskauf verpflichtend an das Kraftwerk angeschlossenen Hausbesitzern ein Ausstiegsszenario bot: Wer eine Wärmepumpe anschafft, der kommt gerichtssicher aus dem Vertrag.

Krisensitzung im Rathaus ist Bürgermeister Sebastian Koch (SPD) bereits gewohnt. An diesem Dienstagvormittag ist der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt zu Gast. Er berichtet, dass sogar schon der Bundeswirtschaftsminister mit dem gescheiterten Wenzenbacher Projekt in Berührung war: „Ich habe mit Robert Habeck über die Situation hier gesprochen“, sagt Schmidt. Denn das, was den Hausbesitzern passiert ist, das soll dann doch die Ausnahme bleiben. Nachdem der Roither Berg bundesweit im Fernsehen war, riefen nämlich auch Bürgermeister anderer Kommunen im Rathaus an. „Das Problem gibt es nicht nur bei uns“, so Koch.

SPD-Bürgermeister Sebastian Koch kann nicht für Umstieg werben

Dass derzeit viele Wenzenbacher am Roither Berg das Ausstiegsszenario aus der AVBFernwärmeV auch nutzen, davon können sich Schmidt und Koch vor Ort selbst ein Bild machen. Zwei Handwerkerautos sind vor einem großzügigen Einfamilienhaus vorgefahren, sie installieren dort offenbar eine Wärmepumpe. Werben kann Koch nicht für einen Umstieg, denn das Problem ist: Als Insolvenzverwalter Harald Schwartz, übrigens selbst CSU-Landtagsabgeordneter, das Kraftwerk und damit auch die Kunden übernommen hat, waren nur noch 70 der etwa 120 Häuser ans Fernwärmenetz angeschlossen. „Natürlich will der Insolvenzverwalter einen Investor finden. Umso weniger Häuser angeschlossen sind und Fernwärme abnehmen, umso schwieriger wird es, tatsächlich einen Investor für das Kraftwerk zu finden“, so Koch.

Erstaunlich sei aber auch, wie viele mögliche Investoren sich schon gemeldet haben. Und doch ist die Not groß. Denn der Insolvenzverwalter hat kürzlich auch klargemacht, dass er von jedem Kunden mehr als 1000 Euro für die Wärmeversorgung verlangen muss – monatlich. Der Gasliefervertrag ist offenbar ungünstig.

Habeck-Ministerium diskutiert Regulierung

Hier würde ein Vorschlag ansetzen, sagt Schmidt, der derzeit bereits im Bundeswirtschaftsministerium diskutiert wird. „Eine Regulierung wäre grundsätzlich sinnvoll“, sagt Schmidt. Denn was in Wenzenbach gebaut wurde, das hatte auch mit der überraschend laxen Regulierung solcher Wärmenetze zu tun. Der Investor hatte alles in einem verbaut: Neben einem Wärme- auch ein Stromnetz, ja sogar die Internetleitung wurde in nur eine Baugrube verlegt, statt drei verschiedene aufzureißen. Was auf den ersten Blick sinnvoll wirkt, hatte für den Endverbraucher aber auch massive Nachteile: „Ein Bauträger hat fast 20 Häuser gleich mit Wärmepumpen ausgestattet“, schildert Koch. „Das hatte aber zur Folge, dass die Hausbesitzer keinen Internetanschluss bekamen.“

Dass ein Privatmann wie der EVW-Investor ein eigenes Stromnetz aufbauen darf in Deutschland, weil ein solches Baugebiet faktisch rechtlich gewertet wird wie ein Hochhaus mit einer Vielzahl von Wohnungen als Anlage, das hätte man nicht vermutet. Der ursprüngliche, gut gedachte Plan war auch, durch die Wärmelieferung gleichzeitig Strom zu produzieren und damit Einnahmen zu generieren.

Grünen-Politiker Stefan Schmidt: Register und Preisvergleich angedacht

Gut gemeint, aber am Ende grottenschlecht gemacht: Das soll in Zukunft nicht mehr so leicht möglich sein, skizziert Schmidt weiter die Pläne, die gerade in Berlin in Robert Habecks Ministerium gedeihen. „Bisher sind die Kartellbehörden auf Länderebene für solche Anlagen zuständig“, schildert Schmidt. Die seien aber mit einer Vielzahl solcher Kraftwerke schlicht überfordert, findet der Bundestagsabgeordnete. Auch die Einführung eines zentralen Registers, das Preisvergleiche ermöglicht, sei angedacht. Denn das größte Manko solcher Fernwärme-Versorgungen: Die Preise seien völlig intransparent, so Schmidt. „Da unterscheiden sich die Preise um den Faktor drei.“ Das bedeutet, mancher zahlt das Dreifache, ein Anbieterwechsel ist aber – anders als bei Strom – ausgeschlossen.