Wärmeversorgung in Wenzenbach abgeschaltet: Am Roither Berg ist der Ofen aus

Seit Jahren liegen Hauseigentümer im Wenzenbacher Neubaugebiet Roither Berg im Clinch mit dem örtlichen Unternehmen Energieversorgung Wenzenbach (EVW). Jetzt ist eine neue Eskalationsstufe erreicht.
Nach etlichen Tagen mit frühlingshaften Temperaturen wird es aktuell wieder kälter. Für etliche Hauseigentümer im Wenzenbacher Neubaugebiet Roither Berg ist das weit mehr als eine belanglose Randnotiz. Am Donnerstagabend hat das ortsansässige Unternehmen Energieversorgung Wenzenbach (EVW) nämlich die Wärmelieferung eingestellt, wie Rechtsanwalt Alexander Schoeppe bestätigt.
Wer sich nicht mit Heizschwertern oder Kachelöfen behelfen kann oder nicht ohnehin schon auf Wärmepumpe umgestellt hat, muss nun frieren. Von den 110 Parzellen am Roither Berg dürfte mehr als die Hälfte betroffen sein.
EVW-Geschäftsführer Jochen Stierstorfer hatte diesen drastischen Schritt wenige Tage zuvor angekündigt. In einem Schreiben an die Bewohner und Eigentümer, das der MZ vorliegt, erhebt er schwere Vorwürfe gegen eine aus einem „nicht unerheblichen Teil der Abnehmer im Versorgungsgebiet am Roither Berg“ bestehende „Interessengemeinschaft“.
Diese soll laut dem EVW-Geschäftsführer unter anderem durch „kollektive Zahlungsverweigerung“, „pauschale und bewiesene Falschbehauptungen und öffentliche Diffamierungen“ sowie „die Unmenge an Prozesskosten“ und „die schiere Masse der zu verauslagenden Gutachterkosten“ das Versorgungsunternehmen über Jahre gezielt geschädigt und in seiner Existenz gefährdet haben.
Knackpunkt Schulanschluss
Dieser Punkt sei jetzt erreicht. „Die finanziellen Ressourcen der EVW sind nunmehr nahezu aufgebraucht“, schreibt Stierstorfer. Bevor sich die Geschäftsleitung selbst strafbar mache, müsse die Wärmelieferung gemäß der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme eingestellt werden.
Neben dem „vertrags- und rechtswidrigen Zahlungsverhalten großer Teile der Abnehmerschaft“ sei dafür auch die Gemeinde verantwortlich. Der Grund: Ein im Jahr 2020 gefasster Schulverbandsbeschluss zum Anschluss der Schulturnhalle an das Wärmenetz wurde nie umgesetzt.
Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch kann und will die Gerichtsverfahren zwischen dem Energieversorger und den Hausbesitzern nicht bewerten, denn: „Da fehlt mir der Überblick. Ich höre nur, dass es wohl schon Urteile in beide Richtungen gibt.“ Das Vorgehen der Gemeinde verteidigt er aber.
Er räumt zwar ein, dass es im Januar 2020 eine Grundsatzentscheidung für den Anschluss der Schulturnhalle mit klarer Budgetdeckelung gegeben hat – der in der Folge von der EVW ausgearbeitete Vertrag sei jedoch niemals in Kraft getreten. „Wir haben das damals von der Arbeitsgemeinschaft für Fernwärme sowie von einem Fachanwalt prüfen lassen. Beide haben versteckte Kosten vermutet und weitere Ungereimtheiten ausgemacht und uns daher dringend von einer Unterschrift abgeraten“, sagt Koch.
Im gemeinsamen Schulverband mit der Nachbargemeinde Bernhardswald wurde so letztlich im Juli 2020 beschlossen, die Verhandlungen mit der EVW über einen Vertrag einzustellen. Im Herbst 2023 erhielt der Schulverband, welcher Ende 2020 aufgelöst wurde, allerdings eine Klage in dieser Sache von der EVW zugestellt. Nun wird wohl ein Verfahren vor dem Landgericht folgen.
Während sich Koch hinsichtlich dieser Auseinandersetzung aufgrund der Aktenlage eher gefasst gibt („Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein interner Beschluss eines Gremiums rechtliche Außenwirkung erzielt, wenn der entsprechende Vertrag nicht zustande gekommen ist“), geht ihm die aktuelle Eskalation am Roither Berg an die Nieren. „Das belastet die betroffenen Hausbesitzer enorm. In der Nacht auf Donnerstag habe ich bis 1 Uhr Telefonate geführt, da sind teils Tränen geflossen“, schildert er die Nöte der Bürger.
Er appelliert an Stierstorfer daher, trotz aller offenen rechtlichen Fragen über seinen Schatten zu springen und sich offen für Lösungen zu zeigen. Koch selbst will dies tun: „Ein Nahwärmenetz ist zwar nicht Bestandteil der kommunalen Daseinsfürsorge, aber die Gemeinde steht gerne bereit, um die Situation zu entschärfen.“ Konkret bietet der Bürgermeister der EVW an, den Kontakt zur Rewag oder zum Bayernwerk herzustellen, die mit einem mobilen Wärmewerk den Roither Berg wieder beheizen könnten.
Einst ein preiswürdiger Fall
Insgesamt bedauert das Gemeindeoberhaupt die Entwicklung. „Ich hätte mich wirklich sehr gefreut, wenn aus dem Leuchtturm-Projekt auch tatsächlich eins geworden wäre. Mir wäre es hundertmal lieber, wenn ich jetzt mit Herrn Stierstorfer durch Bayern fahren und Vorträge darüber halten könnte, wie eine zukunftsweisende kommunale Wärmeplanung funktioniert.“
Diese Vision schien vor einigen Jahren noch greifbar, da erhielt das EVW-Konzept sogar die vom bayerischen Wirtschaftsministerium vergebene Auszeichnung „Gestalter der Energiewende“. Doch jetzt ist der Ofen aus am Roither Berg, im wahrsten Sinne des Wortes.