Hat das E-Rezept den Alltagstest bestanden? Das sagen Regensburger Ärzte und Apotheker

Ein Schritt in Richtung Digitalisierung, weniger Arbeitsschritte für Ärzte und mehr Komfort für Patienten: Mit der Einführung des E-Rezeptes zu Jahresbeginn sollte vieles einfacher werden. Wie gut das System nach fast zwölf Monaten funktioniert, erklären Ärzte und Apotheker – und machen dabei noch auf andere Entwicklungen aufmerksam, die Sorge bereiten.
Ein Schritt in Richtung Digitalisierung, weniger Arbeitsschritte für Ärzte und mehr Komfort für Patienten: Mit der Einführung des E-Rezeptes zu Jahresbeginn sollte vieles einfacher werden. Doch ganz reibungslos verlief der Start nicht: Wie Regensburger Apotheker und Ärzte im Januar erzählten, hakte es anfangs vor allem an der Technik.
Dr. Stefan Semmler, Oberpfälzer Bezirkschef des bayerischen Hausärzteverbandes mit Praxis in Lappersdorf, wollte kurz nach der Einführung des elektronischen Rezepts für verschreibungspflichtige Medikamente noch kein endgültiges Fazit abgeben. Nun, fast ein Jahr später, sieht die Sache anders aus. Vieles habe sich mittlerweile eingespielt, sagt er. „Wenn Digitalisierung funktioniert und einen Mehrwert bietet, sind wir die ersten, die dabei sind.“
Erleichterung auf Patientenseite
Ganz behoben seien die technische Schwierigkeiten jedoch nicht. „Wenn wir in der Praxis vier Rezepte eingestellt haben und dann einen Anruf aus der Apotheke bekommen, dass nur drei angekommen sind, ist das problematisch. Selbst, wenn das nur sehr selten passiert.“ Für Semmler wäre es wichtig gewesen, dass im Vorfeld mit den Menschen gesprochen worden wäre, die mit den digitalen Lösungen arbeiten sollen. „Wenn etwas nicht funktioniert, werden die Praxisabläufe gestört und es entstehen Kosten. Das betrifft am Ende auch die Versicherten.“
Dr. Gerhard Haas, Facharzt für Innere Medizin aus der Gemeinschaftspraxis Dr. Gerhard Haas, Sabine Haas, Sebastian Hartwig in Kumpfmühl, sieht die Erleichterung in den Abläufen eher auf Patientenseite – auch, wenn sich durch das E-Rezept Papier einsparen lasse. „Es ist wichtig, dass es mit der Digitalisierung vorangeht. Komplett elektronisch funktioniert die Medizin aber nicht.“ Zu Beginn habe es häufig Probleme gegeben, sich mit dem zentralen Server zu verbinden, auf dem die E-Rezepte abgelegt werden. „Wenn es nicht direkt klappt, den Kontakt herzustellen, bin ich mit einem Papierrezept sehr viel schneller“, sagt er.
Apothekerin treibt anderes Thema um
Auf Apothekerseite habe die Umstellung ganz gut funktioniert, hatte Dr. Karin Schneider-Leukel, Filialleiterin der Paracelsus Apotheke in der Theodor-Storm-Straße, kurz nach der Einführung erklärt. „Wir haben viel in Technik und Software investiert“, sagte sie im Januar. Komplett verschont von zentralen Ausfällen bleibt die Apotheke dennoch nicht. „Leider gibt es immer wieder zentrale Störungen bei der E-Rezept-Infrastruktur, die das Abrufen von Rezepten von der Gesundheitskarte für unterschiedlich lange Zeiträume unmöglich macht“, zieht sie nun ein Fazit.
Viel mehr treibt die Apothekerin zum Jahresende jedoch ein anderes Thema um: „In der Werbung gewinnt man momentan den Eindruck, dass es sich bei Arzneimitteln um Haushaltsprodukte handelt, die man nach Belieben und über lange Strecken verschicken kann. Das ist nicht der Fall.“ Es habe seine Gründe, dass die Lagerung in der Apotheke streng temperaturkontrolliert erfolge. „Wir setzen alles daran, dass die Qualität der Medikamente bis zur Abgabe an die Patienten gesichert ist.“
Apotheken: Online-Konkurrenz mit Sitz im Ausland
Auch Birgit Specht, Sprecherin des Bayerischen Apothekerverbands für Regensburg und Leiterin der Königsapotheke in der Altstadt, sieht für die Apotheker ähnliche Herausforderungen. Was das E-Rezept betrifft, so „lässt sich damit mittlerweile gut arbeiten“. Ein wenig problematisch sei etwa, wenn Rezepte erst sehr spät freigeschaltet werden würden. „Patienten gehen häufig direkt nach dem Arztbesuch in die Apotheke neben dem Ärztehaus. Ist das Rezept dann noch nicht da, ist das ärgerlich für den Patienten – und die Apotheke verliert möglicherweise den Kunden.“
Weitaus kritischer als spät freigeschalteten Rezepte sei für die lokalen Apotheken jedoch die Online-Konkurrenz, die derzeit verstärkt für Rezeptbestellung per App wirbt. Anwendungen für das sogenannte CardLink-Verfahren, bei dem die Gesundheitskarte ausgelesen und das E-Rezept eingelöst werden kann, gibt es zahlreiche. Obwohl der Service mittlerweile auch in den Vor-Ort-Apotheken erlaubt ist, boomt vor allem das Online-Geschäft. „Viele Nutzer wissen gar nicht, dass die Arzneimittelversender im Ausland sitzen“, sagt Specht.
Sie würde sich wünschen, dass sich Kunden in ihren Apotheken vor Ort informieren. „Wir bieten all diesen Service und die neueste Technik an. Es lohnt sich, sich zu erkundigen, was alles möglich ist. Wir sprechen mit den Kunden auch über die Wirkung und die korrekte Einnahme von Medikamenten. Auch das sollte man nicht unterschätzen.“
Info: Neue Regelungen für Apotheken-Notdienst ab 2025
Reform: Zum 1. Januar 2025 organisiert die Bayerische Landesapothekerkammer ihre Notdienste neu. Mit dieser Reform soll die Versorgungssicherheit in ländlichen Gebieten verbessert und die Arbeitsbelastung gerechter verteilt werden. Statt der manuellen Planung anhand fester Kreise, werden die Dienste IT-gestützt verteilt.
Verteilung: Festgelegt wurde eine „Entfernungsmatrix“ zur nächsten diensthabenden Apotheke von rund 20 Kilometern. Was Regensburg betrifft, gibt es künftig unter der Woche eine Anlaufstelle im Stadtgebiet. Die nächste Apotheke befindet sich im Landkreis. Der Notdienst erscheint weiterhin täglich in der Mittelbayerischen Zeitung und ist im Internet unter www.blak.de/notdienstsuche einsehbar.
