Wie gut funktioniert das E-Rezept? Apotheker und Ärzte berichten aus der Praxis

Von Marion Neumann · 15. Januar 2024 um 17:00

Gesetzlich Versicherte erhalten seit 1. Januar ein Elektronisches Rezept. Nicht immer klappt bei der digitalen Variante alles reibungslos, erzählen Regensburger Apotheker und ein Mediziner.

Mehr Komfort für Patienten – weniger Arbeitsschritte für Ärzte: So preist das Bundesministerium für Gesundheit das Elektronische Rezept, kurz E-Rezept, an, das seit 1. Januar für verschreibungspflichtige Medikamente gilt. Auch Apotheken soll durch das neue Einlöse-Verfahren der Arbeitsalltag erleichtert werden, heißt es. Doch funktioniert das auch in der Praxis? Für Karin Schneider-Leukel, Filialleiterin der Paracelsus Apotheke in der Theodor-Storm-Straße, sind Erleichterungen bisher kaum spürbar. „Die Rezeptkontrollen müssen trotzdem erfolgen“, sagt sie.

Generell habe die Einführung aber gut geklappt. „Wir haben viel investiert in die Technik und die Software“, sagt sie. Einige Patienten seien durch die Umstellung allerdings verunsichert. „Sie haben das Rezept nicht mehr in der Hand und wissen oft nicht mehr, was vom Arzt verschrieben wurde, wenn sie zu uns kommen.“

Probleme bei Heimlieferungen

Zudem passiere es, dass das Rezept noch nicht auf der Gesundheitskarte hinterlegt ist, wenn Patienten zur Abholung in die Apotheke kommen. „Die Rezepte laufen über einen zentralisierten Server und da kann es zu Verzögerungen kommen“, erklärt sie. Kunden rät sie deshalb, bei der Arztpraxis nachzufragen, ab wann das E-Rezept abholbereit sei. „Manche Praxen sagen das direkt dazu. Das finde ich gut.“

Problematisch seien Verordnungen für gehbehinderte Patienten. Vor der Einführung habe es die Möglichkeit gegeben, Rezepte abzuholen und per Heimlieferung durch pharmazeutisches Personal zustellen zu lassen. Jetzt werde die Versichertenkarte in der Apotheke benötigt. „Über das Smartphone gibt es dafür eine Lösung per App. Aber welcher ältere Patient nutzt das?“ Dafür werde momentan an einer Lösung gearbeitet, sagt Schneider-Leukel.

Plötzliche Ausfälle

Noch kritischer denkt Birgit Specht, Apothekensprecherin für die Stadt und den Landkreis Regensburg, über die Einführung. Bei dem Thema bekomme sie direkt „einen dicken Hals“, sagt sie. Denn ihrer Ansicht nach läuft es derzeit noch alles andere als reibungslos. „Die Technik ist wahnsinnig anfällig“, sagt sie, „das ist unser größtes Problem.“

„Von jetzt auf gleich“ komme es zu Ausfällen. Kunden, die in der Apotheke stehen, könne man dann keine Medikamente aushändigen. „Das bringt jeden zur Weißglut.“ Schwierig sei auch, dass die Apotheken für Formfehler, die bei der elektronischen Eingabe in den Praxen passieren, gerade stehen müssten. Krankenkassen könnten in solchen Fällen die Erstattung eines Arzneimittels verweigern. „Wir wollen nicht für Fehler haften, für die wir nichts können“, sagt Specht. Sie hofft, dass sich das System noch einspielen wird. „Wenn es funktionieren würde, wäre es sicherlich eine Erleichterung.“

Gesprächsbedarf auf Patientenseite

Was die Einführung des E-Rezepts in den Arztpraxen betrifft, will Stefan Semmler, Oberpfälzer Bezirkschef des bayerischen Hausärzteverbandes mit Praxis in Lappersdorf, noch kein endgültiges Fazit abgeben. „Das läuft ja gerade einmal zwei Wochen“, sagt er. Technisch sei es jedoch „schon manchmal eine wacklige Geschichte“. Dass Server abstürzen oder es bei bestimmten Krankenkasse Probleme gebe, sei schon vorgekommen. „Der große Gau ist aber ausgeblieben“, fügt er hinzu.

Auf Patientenseite bestehe aktuell außerdem noch viel Gesprächsbedarf dazu, wie das mit den Rezepten genau funktioniere. „Da ist viel, was man erklären muss. Die Erfahrung fehlt. Ich drücke Patienten deshalb häufig trotzdem noch einen Zettel in die Hand, auf dem sie nachlesen können“, so Semmler. Gerade, was Folgerezepte angeht, verspricht sich der Mediziner auf längere Sicht aber Erleichterung.