Viele Regensburger leiden an Atemwegserkrankungen: Ist Corona wieder auf dem Vormarsch?

Die Nachfrage nach Corona-Tests und FFP2-Masken ist hoch, sagt eine Regensburger Apothekerin. Doch heißt das tatsächlich auch, dass das Coronavirus wieder auf dem Vormarsch ist? Mediziner aus den Regensburger Praxen und Kliniken geben eine Einschätzung – und raten nicht nur in Bezug auf Covid-19 zur Vorsorge.
Corona-Tests und FFP2-Masken verkauft Birgit Specht in diesen Tagen besonders oft. „Man merkt, dass die Kunden sensibel mit dem Thema umgehen“, sagt die Inhaberin der Königsapotheke in der Altstadt, die zugleich Sprecherin der Regensburger Apotheken ist. Ob die Vorsicht damit einhergehe, dass sich wieder mehr Menschen mit dem Virus infizieren würden, kann sie nicht sagen. „Die Leute testen sich zuhause. Wir bekommen da keine Rückmeldung.“
Ein Blick auf die Corona-Zahlen des Gesundheitsamtes zeigt keinen signifikant erhöhten Anstieg. Im Oktober wurden in der Stadt wöchentlich zwischen 33 und 45 Fälle gemeldet. Ein leichter Anstieg sei für Ende September bis Mitte Oktober sichtbar gewesen. Nicht nur die von Ärzten gemeldeten Fälle, auch die Viruslast im Abwassermonitoring habe aber seit Mitte Oktober wieder abgenommen.
Hohe Dunkelziffer
Da es sich dabei nur um die offiziell getesteten und gemeldeten Patienten mit Covid-19 handelt, ist von einer höheren Dunkelziffer auszugehen. Das bestätigt auch Dr. Gerhard Haas, Facharzt für Innere Medizin aus der Gemeinschaftspraxis Dr. Gerhard Haas, Sabine Haas, Sebastian Hartwig in Kumpfmühl. „Aktuell läuft natürlich auch die normale Erkältungszeit“, sagt er. Generell würde man weniger stark nach Art der Viren differenzieren, wie in Hochphasen der Pandemie. „Wir schauen in erster Linie darauf, wie schwer ein Patient erkrankt ist“, sagt er. Da es mittlerweile eine gewisse Immunität innerhalb der Bevölkerung gebe, rechne Haas in nächster Zeit nicht mit einer größeren Corona-Welle.
„Durch den Klimawandel erleben wir einen milderen Herbst und Winter. Die Grippe-Welle beginnt später.“
„Unheimlich viele Atemwegserkrankungen“ diagnostiziert derzeit Dr. Michael Otto, Facharzt für Arbeits- und Allgemeinmedizin. „Auf Corona teste ich Patienten, wenn ein Verdacht besteht“, erklärt er. Ein schlagartiger Beginn der Erkrankung und Symptome wie Geschmacksverlust seien Anzeichen, die bei den vorherrschenden Varianten auftreten würden. „Als würde ein Schalter umgelegt werden“ fühle man sich jedoch auch bei einer Infektion mit Influenzaviren. Gerade vulnerable Gruppen sollten eine Grippe nicht unterschätzen. „Durch den Klimawandel erleben wir einen milderen Herbst und Winter. Die Grippe-Welle beginnt später.“ Neben der Corona- und Grippe-Impfung macht der Mediziner auf ein weiteres Angebot aufmerksam: Auch vor dem Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), das ebenfalls die Atemwege befällt, schütze mittlerweile eine Impfung, die vor allem für ältere Menschen zu empfehlen sei.
Einen „Corona-Peak“ mit besonders vielen Infektionen kann auch Prof. Dr. Sylvia Pemmerl, Geschäftsleitung und Medizinisch-Ärztliche Direktorin am Caritas-Krankenhaus St. Josef, nicht feststellen. Trotzdem sei die Zahl der Infizierten schon seit August merklich angestiegen. „Das betrifft Mitarbeiter und Patienten“, sagt sie. Dadurch, dass das Virus „an Schrecken verloren“ habe, sei die Impfbereitschaft deutlich zurückgegangen. Insbesondere Risikogruppen rät sie jedoch zur Vorsorge – auch in Bezug auf die Grippe. „Jetzt ist die ideale Zeit, um sich impfen zu lassen.“
Ansteckendere Varianten
Im Krankenhaus Barmherzige Brüder rechnet man mit einem Anstieg der Influenza-Fälle ab dem Jahreswechsel. Auch hier raten die Mediziner zur Schutzimpfung. Die Zahl der Patienten mit Covid-19 sei bereits in den vergangenen Wochen angestiegen. „Auf ein höheres Patientenaufkommen bereiten wir uns mit speziellen Einsatzplänen und Hygienemaßnahmen vor“, so Prof. Dr. Michael Pfeifer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Pneumologie.
Prof. Dr. Frank Hanses, Infektiologe und stellvertretender Leiter der klinischen Akut- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum, berichtet von vereinzelten schweren Corona-Verläufen. „Meistens betreffen sie ältere Patienten oder Menschen mit Vorerkrankungen.“ Aktuell würden Subvarianten der Corona-Variante Omikron zirkulieren. Welche davon im Winter dominieren wird, lasse sich derzeit schwer vorhersagen. „Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass manche der aktuellen Varianten leichter übertragbar und damit ansteckender sind als vorherige Varianten.“

