Warten auf ein Weihnachtsbaby: Hebamme Verena Rutzinger hat an Heiligabend Rufbereitschaft

Von Marion Neumann · 23. Dezember 2024 um 11:00

Am Anfang hat Verena Rutzinger noch jede Geburt mitgezählt. „Mittlerweile habe ich aufgehört“, sagt sie, „aber es müssten ungefähr 20 gewesen sein“. In die Selbstständigkeit gestartet ist die 24-Jährige im April, direkt nachdem sie ihr Studium in Hebammenkunde an der OTH Regensburg abgeschlossen hatte.

Statt als Beleghebamme in der Klinik zu arbeiten, wollte sie „die Frauen vom Dorf“ begleiten, erklärte sie der Mittelbayerischen Zeitung in einem Gespräch im Frühjahr. „Für mich war es die absolut richtige Entscheidung“, sagt Rutzinger jetzt nach rund einem dreiviertel Jahr in der Selbstständigkeit. Neben der Betreuung von Frauen aus dem Landkreis während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gehört sie zum Team des Geburtshauses Morgenroth in Siegenburg.

„Ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut, gleich außerklinisch zu starten“, fügt sie hinzu. Intensive Begleitung, ungestörte Geburten: Das seien für sie die größten Unterschiede zum Krankenhaus. „Wir kennen die Frauen neun Monate lang, manchmal sogar schon seit dem Kinderwunsch. Bei der Geburt ist ein riesiges Vertrauen da – und das macht die Geburtshilfe in meinen Augen sicherer.“

Geburt am Telefon

Abseits des Geburtshauses begleitet Rutzinger Hausgeburten in der Region – normalerweise zusammen mit einer weiteren Hebamme. Zweimal schon hatten es die Babys jedoch so eilig, dass sie allein zuständig war. „Die Geburten waren in Regensburg und meine Kolleginnen haben eine noch weitere Anfahrt als ich. Bei einem der Kinder habe ich es auch nicht mehr rechtzeitig geschafft. Ich habe am Telefon verfolgt, wie das Baby kam.“

Obwohl das natürlich die absolute Ausnahme sei, fühlt sich Rutzinger auch solchen Situationen gewachsen. „Natürlich muss ich noch viele Erfahrungen sammeln. Aber ich beherrsche mein Handwerkszeug, das habe ich dreieinhalb Jahre lang gelernt.“ Doch nicht nur das fachliche Wissen aus dem Studium, vor allem auch die Gespräche mit den anderen Hebammen aus dem Geburtshaus würden enorm helfen.

„Ich bin sehr froh, dass ich erfahrene Kolleginnen an meiner Seite habe, an die ich mich immer wenden kann“, sagt sie, „ansonsten ist ohnehin ganz viel Learning by Doing“. Auch, was ihre Arbeitseinteilung in der Selbstständigkeit betrifft, kann Rutzinger bereits einiges berichten. „Am Anfang habe ich mich wahnsinnig übernommen“, sagt sie.

Ein zweites Standbein

Während sie im Sommer zusätzlich zu den Frauen im Geburtshaus noch sechs bis acht Frauen gleichzeitig während der Schwangerschaft und im Wochenbett begleitete, nimmt sie nun nur noch zwei Fälle zusätzlich zum Geburtshaus an. „Die Frauen, die aus meinem Heimatdorf kommen oder außen herum wohnen, werde ich immer begleiten – egal, wo sie gebären möchten. Doch davon abgesehen habe ich für mich den Kompromiss geschlossen, Frauen, die ihr Kind in der Klinik bekommen möchten, nur noch zu begleiten, wenn sie in unmittelbarer Nähe zu mir wohnen.“ Anfragen abzulehnen, fällt ihr zwar nach wie vor schwer. „Doch ich kann sonst nicht auf dem Qualitäts-Level arbeiten, auf dem ich arbeiten möchte.“

Langweilig wird es Rutzinger auch so auf jeden Fall nicht. In ihrem Elternhaus in Adlstein bei Sinzing richtet sie derzeit eine eigene Praxis ein. Für die Zukunft plant sie außerdem noch eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. „Ich habe mich schon im Bereich Chinesische Medizin weitergebildet und biete Akupunktur rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett an“, erklärt sie.

Langfristig auf dieses zweite Standbein zu setzen, hänge auch mit ihrer eigenen Familienplanung zusammen. „Ich werde definitiv weiter Hebamme bleiben und Erfahrungen sammeln. Aber die Arbeit als Heilpraktikerin ist weitaus planbarer – und mit kleinen Kindern in Rufbereitschaft zu arbeiten, kann ich mir nicht vorstellen.“

Hebammen teilen sich die Feiertage auf

Erreichbar sein muss Rutzinger in diesem Jahr zum ersten Mal auch an Heiligabend. „Da habe ich Rufbereitschaft.“ Da sich die Hebammen aus dem Geburtshaus über die Feiertage aufteilen, hat sie dafür an Silvester frei. Tatsächlich freut sie sich aber sogar auf dieses besondere Weihnachten, erzählt sie.

„Wir haben eine Schwangere mit errechnetem Geburtstermin am 25. Dezember, eine Frau, die kurz vorher gebären könnte und weitere Schwangere mit Termin im Januar.“ Ihr Gefühl sagt Rutzinger, dass es durchaus ein Weihnachtsbaby geben könnte. „Eigentlich finde ich die Vorstellung von einer Geburt an Heiligabend ziemlich schön.“