Dienst an Weihnachten und schlechte Bezahlung? So sehen Regensburger Pflegekräfte ihren Beruf

„Respekt, ich könnte das nicht“ – diesen Satz hört Felicitas Pirzer häufig, wenn sie sagt, dass sie in der Pflege arbeitet. Wie herausfordernd der Alltag in diesem Beruf tatsächlich ist und welche schönen Momente es mit den Patienten gibt, erzählen sie und zwei ihrer Kolleginnen aus den Regensburger Kliniken.
Zu sehen, wie sich Patienten erholen, gehört für Anne Schmaußer zu den schönsten Momenten in ihrem Berufsalltag. „Wird jemand mit einem akuten Herzinfarkt eingeliefert, werden die verschlossenen Gefäße wieder geöffnet. Wenn sich der Patient nach diesem Eingriff schnell wieder besser fühlt, ist das ein gutes Gefühl.“
Die 28-Jährige ist gelernte Medizinische Fachangestellte und Kardiologische Fachassistentin. Mit Karin Grüner teilt sie sich am Universitätsklinikum Regensburg die Pflegerische Stationsleitung in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II. „Ein Jobsharing-Modell“, sagt sie. Ihre Kollegin Grüner ist 34 Jahre alt und gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Dass sie in dem Berufsfeld arbeiten will, wusste sie schon früh. „Meine Mutter ist in der Pflege tätig – und es hat mir schon immer Spaß gemacht, Menschen zu helfen.“
Pflegekräfte zu finden, wird schwieriger
Schmaußer und Grüner gehören zu den 1500 Mitarbeitern, die am Uniklinikum dem Pflegedienst zugeordnet sind. Wie Nadja Penzkofer, Stationsleiterin beim Pflegedienst in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, erklärt, werde es allerdings zunehmend schwieriger, geeignete Kräfte zu finden, die langfristig im Beruf bleiben. „Pflegekräfte, die bei uns tätig sind, arbeiten zum Teil mit sehr kranken Patienten mit hohem Überwachungsbedarf, die intensiv betreut werden müssen. Das kann natürlich herausfordernd sein.“
Neben der grundpflegerischen Versorgung und der Dokumentation gehörten im Herzzentrum etwa die Überwachung und Infusionsgabe nach Eingriffen zu den Aufgaben der Pflegekräfte. „Man muss lernen, die Patienten richtig einzuschätzen. Aber auch Empathie, eine hohe Auffassungsgabe und Kollegialität sind ganz wichtige Eigenschaften für den Beruf“, erklärt Penzkofer.
Teamfähigkeit sei auch für die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegekräften ganz entscheidend, sagt Prof. Dr. Lars Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II. „Bei uns sind wir ein Team, das sich stark mit diesem Bereich der Medizin identifiziert. Die Pflegekräfte sind häufig noch einmal näher am Patienten dran als die Ärzte. Oft liegt es nach der Visite an ihnen, noch einmal zu erklären, was besprochen wurde.“
„Irgendwann kann man es nicht mehr hören“
Am Caritas-Krankenhaus St. Josef arbeitet Felicitas Pirzer in der Pflege. Die 31-Jährige ist stellvertretende Leitung einer Station für Innere Medizin und Kardiologie. „Ich hatte eigentlich angefangen, Psychologie zu studieren. Durch Bekannte bin ich schließlich darauf gekommen, ein Praktikum im Krankenhaus St. Josef zu machen – und das hat mir so gut gefallen, dass ich mich für die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin entschieden habe.“
„Es ist sogar so, dass die Pflege einer der bestbezahlten Ausbildungsberufe ist“
Erzählt sie außerhalb ihres Arbeitsumfelds von ihrem Beruf, kommt meist die gleiche Reaktion. „Ganz oft sagt jemand etwas wie: Respekt, ich könnte das nicht. Das ist wohl in den meisten Fällen anerkennend gemeint. Aber irgendwann kann man es nicht mehr hören.“ Andere Vorurteile wie etwa, dass die Arbeit schlecht bezahlt ist, kann sie nicht bestätigen. „Es ist sogar so, dass die Pflege einer der bestbezahlten Ausbildungsberufe ist.“
Dass dieser Eindruck entstehe, hänge aber wohl auch mit dem oft anstrengenden Arbeitsalltag von Pflegekräften zusammen. „Stressresistent muss man schon sein – und man braucht gute Bewältigungsstrategien. Mir hilft es zum Beispiel, in meiner Freizeit Zeit mit meinem Pferd im Wald zu verbringen, um abschalten zu können.“ Gerade in diesem Punkt hat außerdem der Schichtdienst seine Vorteile: „So habe ich öfter am Vormittag frei, ohne mir Urlaub nehmen zu müssen.“
Arbeiten im Schichtdienst
Auch für Elisabeth Kiendl, Stationsleitung der Kinderurologie, Kinderchirurgie und der gesamtpädiatrischen Station an der Hedwigsklinik, ist der Schichtdienst kein großes Problem. „Das mag Außenstehende abschrecken. Aber man kann bei uns auf fast jeder Station Wünsche abgeben, wann man arbeiten will“, sagt die 30-Jährige, die 2019 die Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin bei den Barmherzigen Brüdern Regensburg abgeschlossen hat und geblieben ist.
Dass sie an den Tagen, die andere mit der Familie verbringen Dienst hat, gehört für sie dazu. „Wir können wählen, ob wir an Weihnachten oder Silvester arbeiten. Aber ich war bis jetzt immer an Weihnachten hier – auch dieses Jahr wieder.“ Ihrer Ansicht nach herrsche dann eine ganz besondere Stimmung. „Man stellt sich das vielleicht schrecklich vor“, sagt Kiendl, „aber an Weihnachten zu arbeiten, ist eigentlich sehr besinnlich“.

