Fake-Ärzte auf Wohnungssuche in Regensburg? Mediziner aus dem Ausland schildern ihre Lage

Ähnlich klingen die Gesuche alle. „Hallo, ich bin Arzt und suche ein WG-Zimmer oder eine Wohnung“, heißt es darin – oder: „Ich bin Kinderärztin und suche eine Mietwohnung in Regensburg“. Dass die Suche nach Wohnraum in der Domstadt mitunter ein sehr schwieriges Unterfangen ist und sich Wohnungsanfragen in den sozialen Netzwerken wie Facebook häufen, ist nicht neu.
Ungewöhnlich ist allerdings, dass Anfragen dieser Art in den digitalen Gruppen wie „WG & Wohnung Regensburg gesucht“ in jüngster Zeit häufiger zu Diskussionen führen – und unter den Postings der Vorwurf aufkommt, dass es sich um „Fake-Anfragen“ handelt.
Anlass des Misstrauens ist wohl, dass es sich bei den Profilen fast ausschließlich um sehr junge Ärzte handelt, die aus dem Ausland – als Herkunftsländer werden unter anderem Pakistan oder Syrien genannt – kommen und nur ein sehr geringes Budget für Miete angeben. Anfang 20 haben sie bereits das Medizinstudium abgeschlossen, steht in den Gesuchen. Aus deutscher Sicht ist das machbar, aber sportlich. Ein Medizinstudium dauert hier etwa sechs Jahre, die Weiterbildung zum Facharzt noch nicht miteingerechnet. „Mit 24 Jahren sind Sie sicher keine Kinderärztin“, lautete etwa einer der Kommentare auf die Anfrage einer Frau, die sich als Pädiaterin vorstellte.
Anfragen teilweise anonym gestellt
Den Eindruck, dass es sich gar nicht um „echte“ Ärzte handelt, könnte noch verstärken, dass ein Teil der Anfragen anonym gestellt wird oder von Profilen stammt, die sich gerade neu auf Facebook registriert haben. „Fake Profil“, heißt es immer wieder unter den Wohnungsgesuchen – ebenso wie: „Auffällig, diese Ärzteschwemme momentan“.
Ungewöhnlich ist es grundsätzlich nicht, dass ausländische Mediziner in Regensburg ihre neue berufliche Heimat finden. Am Universitätsklinikum Regensburg beispielsweise arbeiten derzeit rund 100 Ärzte mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung. „Als attraktiver Arbeitgeber unterstützt das UKR seine (angehenden) Mitarbeiter, egal welcher Berufsgruppe und welcher geografischen Herkunft, bei der Suche nach Wohnraum“, teilt das Klinikum allerdings noch mit. Seit Jahren gebe es im Intranet eine Wohnungsbörse, die bereits Bewerbern im Einstellungsverfahren zugänglich gemacht wird.
Auf Facebook nach einer Unterkunft suchen, müssen diejenigen Ärzte, die bereits mit der Zusage für eine Stelle nach Regensburg kommen, also nicht unbedingt. Auch beim Krankenhaus der Barmherzigen Brüder erklärt man, dass man Wohnraum, etwa für ausländische Pflegekräfte, selbst organisiere. „Wir haben keine Notwendigkeit auf ausländische Ärzte zurückzugreifen“, heißt es weiter.
Mediziner aus Syrien schildern ihre Lage
Bewiesen, dass es sich bei den Gesuchen um Fake-Profil handelt, ist damit nicht – doch eine Erklärung für die plötzliche „Ärzteschwemme“ ist damit ebenso wenig gefunden. Direkt bei den Suchenden nachgefragt, ist die Resonanz verhalten – bis schließlich doch zwei der Nutzer antworten, die seit einigen Wochen via Facebook nach einer Bleibe suchen.
Bei einer Rückmeldung handelt es sich sogar um die 24-jährige Kinderärztin, der vorgeworfen wurde, in ihrem Alter noch keine Pädiaterin sein zu können. Die Frau stellt sich als Ayah Alhasan vor, kommt aus Syrien und macht derzeit ihre Facharztausbildung in der Pädiatrie im Tishreen-Universitätskrankenhaus. Das erzählt sie per Mail. Auf Regensburg sei sie gestoßen, da es hier nicht nur ein Kinderkrankenhaus, sondern auch eine Universität gebe, die über eine gute Forschung verfüge. „Ich habe eine Abschlussbescheinigung der Universität der Fakultät für Humanmedizin und die Anerkennung meines Abschlusses beantragt. Was die Sprache betrifft, habe ich ein B1-Zertifikat des Goethe-Institutes. Ich arbeite gerade an B2 und buche weitere Kurse vor Ort.“
Mit ihrem Mann sucht sie eine 30 bis 40 Quadratmeter große Wohnung für weniger als 900 Euro Miete im Monat. „Wir müssen im ersten Jahr von einem Sperrkonto leben, von dem pro Monat nur ein bestimmter Betrag abgehoben werden darf“, erklärt sie, „das ist Bedingung für das Visum“.
Keine Rückmeldung mehr von Vermietern
Auch Samer Khouri ist 25 Jahre alt und kommt aus Syrien. Er sei Arzt, spreche Deutsch, Arabisch und Englisch und suche ein ruhiges Zimmer in Regensburg, steht in seiner Anzeige. „Mein Plan ist, nach einem Vorbereitungskurs an der Sprachschule Inlingua in Regensburg die Fachsprachenprüfung in Bayern abzulegen und als Assistenzarzt zu arbeiten“, schreibt er, „um meine Ausbildung komplett abzuschließen, muss ich mich im Anschluss noch Tests unterziehen, da meine Qualifikation nicht innerhalb der EU erworben wurde“. Auch, wenn sich die Situation in Syrien nun durch den Umsturz des Assad-Regimes verändert, hält er an den Plänen fest. „Ich habe mich sehr angestrengt, um das Visum zu bekommen. Es ist mein Traum, in Deutschland im medizinischen Bereich zu arbeiten.“
Ein leichter Weg ist das nicht. Auf allen gängigen Portalen haben sie bereits ihr Glück versucht, erklären sowohl Khouri als auch Ayah Alhasan – doch spätestens, wenn Vermieter von dem Sperrkonto erfahren würden, gebe es keine Rückmeldung mehr. „Die meisten Antworten bleiben aus“, sagt Khouri. Die Suche aus dem Ausland sei generell eine große Herausforderung – ganz gleich, ob Mediziner oder nicht.
Betrugsmasche? Diese Tipps gibt die Polizei
Wachsam sein: Gehen Betrüger mit Fake-Profilen in den sozialen Netzwerken auf Wohnungssuche? Dem Polizeipräsidium Oberpfalz ist dazu keine konkrete Betrugsmasche bekannt, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung. Generell warnt die Polizei jedoch, wachsam zu sein, wenn es um Immobilien geht: „Angebote, die zu gut klingen, um wahr zu sein, sind es häufig auch nicht.“
Betrug melden: Betrugsmaschen gibt es natürlich auch auf der vermeintlichen Vermieter-Seite. Ist man auf eine betrügerische Anzeige hereingefallen, sei es unerlässlich, unmittelbar die Polizei zu verständigen und Strafanzeige zu erstatten. Ist bereits eine Zahlung erfolgt, sollte man umgehend versuchen, diese rückgängig zu machen. Mit einer Meldung beim betroffenen Online-Portal sind andere Interessenten gewarnt.
