Offener Kurs an der Uni Regensburg: Wörter wie „Butterbrot“ gibt es auch auf Ukrainisch

Von Marion Neumann · 5. Dezember 2024 um 17:00

Geht es im Unterricht von Dr. Oksana Turkevych um das ukrainische Weihnachtsfest, ist die Überraschung bei den Kursteilnehmern groß. „Bei uns gibt es keine Geschenke“, sagt sie, „wenn ich das erzähle, sind alle immer ein wenig schockiert“. Tradition sei stattdessen zum Beispiel ein Abendessen mit der ganzen Familie, bei dem zwölf Gerichte serviert werden. „Eines davon, das in allen Regionen des Landes gegessen wird, ist Kutja. Eine Süßspeise aus Getreide, die mit Mohn, Nüssen oder Honig serviert wird.“

Das Thema Brauchtum und Feste ist nur einer der Aspekte, die Turkevych im Ukrainisch-Unterricht vermittelt. In den Kursen, die seit dem Start des Wintersemesters im Oktober an der Universität Regensburg angeboten werden, geht es neben Landeskunde natürlich auch um Sprachkenntnisse. „Wir bieten Kurse für Studierende und Mitarbeiter der Universität. Zusätzlich gibt es auch einen offenen, kostenlosen Kurs für alle Interessenten sowie ein Angebot für Menschen, die schon lange in Deutschland leben und deren Herkunftssprache Ukrainisch ist.“

Ukrainisch lernen mit und ohne Vorkenntnissen

Bereits auf höherem Sprachniveau findet der Kurs statt, den die Lektorin, deren Werdegang sie von der Lwiw Nationale Ivan Franko Universität im Westen der Ukraine über die Humboldt-Universität zu Berlin nach Regensburg führte, immer am Mittwochmorgen gibt. Von 8 bis 9.30 Uhr unterrichtet sie hier Studierende, die bereits Vorkenntnisse mitbringen. „Das Ziel des Kurses ist B1-Niveau. Ab dem Sprachniveau B2 darf man in der Ukraine arbeiten“, erklärt sie.

Einer der Teilnehmer ist Niklas Hackethal. Wie seine Kommilitonen im Kurs studiert er „etwas mit Osteuropa“. „Ich habe im Bachelor Slawistik studiert“, sagt der 24-Jährige, „jetzt mache ich meinen Master in Ost-West-Studien“. Seine Begeisterung für Osteuropa entfacht, hat einst eine Urlaubsreise nach Kyjiw. „Ukrainisch wird als Sprache immer wichtiger. Außerdem mag ich den Klang sehr, es ist so melodisch.“ Aufgrund ihrer Sprachkenntnisse, beispielsweise in Russisch oder Polnisch, ist den Studierenden das kyrillische Alphabet bereits bekannt.

Sprache gewinnt an Bedeutung

Abseits des Unterrichts ließe sich außerdem gut mit Sprachlern-Apps wie Duolingo üben. „Wenn man schon andere slawische Sprachen gelernt hat, ist es nicht mehr so schwierig. Es ist so ähnlich, wie wenn man schon Italienisch spricht und dann Spanisch lernt“, erklärt Maja Perschke. Die 27-Jährige, die ebenfalls im Masterstudiengang Ost-West-Studien studiert, könnte sich gut vorstellen, mit ihren Sprachkenntnissen Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Auch sonst gäbe es „mehr Berufsmöglichkeiten, als man zunächst denkt“.

Dass Ukrainisch als Sprache immer mehr an Bedeutung gewinnt, betont auch Turkevych. „Allein in Regensburg leben rund 3000 Ukrainer“, so die Kursleiterin. Während sich die Slawistik in der Vergangenheit sehr auf Russland und die russische Sprache fokussiert habe, hat sich das seit dem Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine gewandelt. „Im Vergleich zu anderen Ländern wird in Deutschland an vielen Universitäten Ukrainisch gelehrt. Als Hauptfach ist es an der Humboldt-Universität zu Berlin möglich. Aber auch in Frankfurt an der Oder, Oldenburg oder Greifswald gibt es Angebote – und jetzt auch in Regensburg.“

Obwohl die Nachfrage nach den Kursen an der Universität Regensburg noch ausbaufähig ist, sei spürbar, dass das Interesse an ukrainischer Sprache, Kunst und Kultur zugenommen habe. „Bei einem Teilnehmer handelt es sich um einen Studenten, der IT-Spezialist ist und gerne Ukrainisch lernen will. Eine andere Studentin kommt ursprünglich aus der Ukraine, ist aber schon als Kind nach Deutschland gezogen und will jetzt die Kenntnisse in ihrer Muttersprache verbessern.“

Deutschland und die Ukraine: Vergleich der Kulturen

Dass es neben Verschiedenheiten wie Alphabet und Grammatik zwischen der deutschen und der ukrainischen Sprache auch Gemeinsamkeiten gibt, will Turkevych in den Kursen ebenfalls deutlich machen. „Ich finde es immer interessant, die Kulturen zu vergleichen – was ist ganz anders, was ist ähnlich? Ein schönes Beispiel dafür sind die Germanismen, also Begriffe aus der deutschen Sprache, die wir in der Ukraine haben“, erklärt sie. So würden Wörter wie „Streik“, „Landschaft“ oder „Butterbrot“ nicht nur ähnlich ausgesprochen werden, sondern haben auch die gleiche Bedeutung.

„Mit all den Möglichkeiten, die wir heute haben, um eine Sprache zu lernen, ist Ukrainisch gar nicht so schwierig“, ist sie überzeugt, „es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten zu üben “. Nicht nur mit Hilfe von Online-Wörterbüchern und Audio-Übungen im Internet, gerade auch in persönlichen Gesprächen mit Ukrainern vor Ort lasse sich trainieren. „Sprachkenntnisse sind immer eine Investition in die Zukunft“, fügt Turkevych noch hinzu.

Info: Ukrainisch lernen

Kurse: An der Universität Regensburg werden Ukrainisch-Kurse für unterschiedliche Zielgruppen und Sprachniveaus (A1 bis C2) angeboten. Die Teilnahme am offenen Kurs für alle Interessenten ist fortlaufend möglich, Anmeldung per E-Mail an oksana.turkevych@ur.de.

Hintergrund: Die Kurse finden im Rahmen der Aktivitäten des Zentrums für interdisziplinäre Ukrainestudien „Denkraum Ukraine“ statt. Verantwortlich für das Projekt sind die Co-Sprecher des Zentrums Prof. Dr. Mirja Lecke und Prof. Dr. Guido Hausmann.

Niklas Hackethal studiert im Master „Ost-West-Studien“.