Regensburg hat ein Zentrum für Ukraine-Studien – das steckt hinter dem Projekt

Deutschlandweit gibt es nur zwei solche Einrichtungen – eine davon nimmt jetzt in Regensburg die Arbeit auf. Feierlich eröffnet wurde das Modellprojekt im Historischen Reichssaaal des Alten Rathauses.
Am Dienstag hat die feierliche Eröffnung des Zentrums für interdisziplinäre Ukrainestudien „Denkraum Ukraine“ im Historischen Reichssaal im Alten Rathaus stattgefunden. Das ehrgeizige Projekt präsentierten Stadtrat Thomas Burger, Mirja Lecke, Co-Sprecherin des „Denkraum Ukraine“, Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg, und Susanne Lüdtke vom Deutschen Akademischen Austauschdienst.
Guido Hausmann, Professor an der Universität Regensburg, stellte das Zentrum Ukrainestudien im Detail vor. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen Festvortrag der ukrainischen Schriftstellerin Tanja Maljartschuk und eine Podiumsdiskussion der Autorin zusammen mit Lecke, Hausmann und Cathrin Kahlweit, Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, und Ralf Fücks, Direktor des Zentrums Liberale Moderne in Berlin.
Regensburg als Knotenpunkt
„Wir freuen uns als Stadt außerordentlich, dass dieses Projekt hier stattfinden kann, weil wir Regensburg als Knotenpunkt der Interaktion begreifen“, sagte Burger. Man könne stolz darauf sein, eines von nur zwei solchen Zentren in Deutschland hier zu haben. „Wir sind hocherfreut, dass in Regensburg dadurch die Ukrainekompetenzen weiter wachsen werden.“ Einen hohen Wert besäße das Thema nicht zuletzt auch aufgrund der Partnerschaft mit der ukrainischen Stadt Odessa. „Diese lebendige Solidarität, das Miteinanderleben ist der Gegenentwurf zu barbarischer Gewalt, Zerstörung und brutaler Unterwerfung.“
„Viele Kollegen haben durch ihre Forschung und ihr anhaltendes Interesse an der Ukraine die Grundlage für den Denkraum Ukraine bereitet“, betonte Lecke. „Es ist ein großes Projekt zur Erforschung und zur besseren Vernetzung mit der ukrainischen Wissenschaft.“ Der Veranstaltungsort Reichssaal stünde für die Bedeutung der Stadt Regensburg als ein Knotenpunkt in einem vielfältigen Mitteleuropa. An diese Tradition wolle man anknüpfen. Mit Kollegen aus der Ukraine, aber auch aus der ganzen Welt solle in den nächsten Jahren Wissen über das Land produziert und verbreitet werden.
Hebel bezeichnete die breite Resonanz für diese Veranstaltung unter den vielen anwesenden Mitarbeitern der Universität als Zeichen für das Engagement der universitären Gemeinschaft für dieses Projekt. Für die Universität sei es eine besondere Auszeichnung, als einer von zwei Standorten dafür ausgewählt worden zu sein. Damit könne man wieder die Rolle als Brücke zwischen Ost und West wahrnehmen. „Ich freue mich auf viele spannende Projekte, auf interessante Forschungsergebnisse und bereichernde Begegnungen“, erläuterte Hebel dazu weiter.
„Denkraum Ukraine. Der Name des Ukrainezentrums ist Konzept und Versprechen zugleich“, erklärte Lüdtke. Spätestens seit dem Krieg sei klar, dass dem Denken über die Ukraine zu wenig Raum gegeben worden sei. „Die beiden Zentren sollen diesen Raum nun weiten und füllen.“ In Regensburg sei der Denkraum aufgrund der vielen Verbindungen zur Ukraine gut aufgehoben. „Die Unterstützung der Ukraine wird eine Priorität bleiben. Wichtige Bausteine dafür sind die Entwicklung und Vermittlung von Expertise und ein gemeinsames Nachdenken über die Ukraine“, beteuerte Lüdtke.
Forschungsfelder definiert
„Wir wollen etwas Neues schaffen“, erklärte Hausmann bei der genaueren Vorstellung des neuen Zentrums. Dazu stellte er die Ziele des Projekts und die verschiedenen Themenfelder vor, zu denen in den kommenden Jahren hier geforscht werden soll. Ein Thema sei die Sprache und das kulturelle Erbe der Ukraine, da beides durch den Krieg mit Russland bedroht sei. Auch demokratische Revolutionen im Land, Migration und Wertetransfer oder die Landesteile Donbas und Schwarzmeerregion sollen näher betrachtet werden.