Uniklinik, Gasthäuser und Supermarkt: Hier in Regensburg geht ohne Ausländer gar nichts

In vielen Regensburger Wirtschaftsbereichen, darunter Lebensmittelmärkte wie die von Konstantin Gatzke, geht ohne Einwanderer gar nichts. Der 48-Jährige beschäftigt 180 Mitarbeiter. „Die Hälfte sind Ausländer“, erklärt er. Sie bedienen an der Theke, kassieren und räumen die Ware ein.
Gatzke hat wenig Zeit für das Interview. Denn Mitte Dezember will der Kaufmann seinen achten Edeka-Markt einweihen, diesmal in Thalmassing. Dort wird noch gebaut. Deutschland debattiert äußerst kontrovers über Migration. Doch in vielen Wirtschaftsbereichen, darunter Lebensmittelmärkte wie die von Gatzke, geht ohne Einwanderer gar nichts. Der 48-Jährige beschäftigt 180 Mitarbeiter. „Die Hälfte sind Ausländer“, erklärt er. Sie bedienen an der Theke, kassieren und räumen die Ware ein.
Ohne Migranten könnte Konstantin Gatzke, der in Russland geboren ist und einst mit den Eltern auswanderte, seine Lebensmittelmärkte nicht betreiben. „Wir haben jetzt schon Schwierigkeiten“, sagt er. Um eine Stelle im Edeka im Donau-Einkaufszentrum zu besetzen, benötigt er zwei bis drei Monate.
„Wir wären aufgeschmissen“
Dehoga-Kreisvorsitzender Anton Sperger hängt Weihnachtsschmuck im Spitalgarten auf. „Ohne Ausländer wären wir aufgeschmissen“, sagt er. „Wir könnten den Betrieb nicht aufrechterhalten.“ Seine 20 Beschäftigten mit internationalen Wurzeln kochen, helfen in der Küche, schenken aus, bedienen und spülen. Auf die Schnelle zählt er sechs Nationalitäten auf, von Syrern bis zu Vietnamesen. Manche Aufgaben will kein Deutscher übernehmen. Der Zeitdruck an der Spüle etwa sei ihnen zu viel.
Wer ausländische Mitarbeiter beschäftigt, muss sich jedoch um eine ganze Reihe von Problemen kümmern. Wohnungen seien ein Thema, sagt Sperger. Die Aufenthaltsgenehmigungen lassen nach seiner Erfahrung viel zu lange auf sich warten. „Bis neue Mitarbeiter die Ämter durchlaufen haben, ist die Biergartensaison vorbei“, klagt der Spitalgarten-Wirt.
Die aktuellsten Daten, die der Agentur für Arbeit zu dem Thema vorliegen, stammen vom März. Damals hat die Behörde in Regensburg insgesamt mehr als 133.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte registriert, darunter über 21.000 oder knapp 16 Prozent Ausländer. Die größte Gruppe kommt aus Drittstaaten außerhalb der EU (11.000), darunter auch nichteuropäische Asylherkunftsländer (2300) und ukrainische Geflüchtete (650). Zweitgrößte Gruppe sind die Osteuropäer (7900).
22.000 Regensburger arbeiten als Minijobber für 538 Euro monatlich, bei den Ausländern sind es 4900.
Größte Herausforderung sei die Sprache
Das Stadtwerk.Mobilität managt den Busverkehr in der Stadt. Mitarbeiter aus 40 Nationen haben dort angeheuert. Viele der gut 300 Fahrer kommen aus anderen Ländern. Laufend werden weitere gesucht. „Die Vielfalt ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die sehr gut gelingende Integration bei uns“, betont Sprecher Martin Gottschalk. „Die Migranten sind ein enorm wichtiger Teil im Betrieb.“ Die größte Herausforderung sei die Sprache. Ein Vorteil: Für den Führerschein brauchen die Fachkräfte den Abschluss B2. Deshalb müssen sie bereits gute Sprachkenntnisse besitzen.
Edeka Gatzke tut sich schwerer damit. Zahlreiche Bewerber scheitern am mangelhaften Deutsch. „Aber im Handel müssen Sie mit den Kunden sprechen“, sagt Kaufmann Konstantin Gatzke. Für den 48-Jährigen spielt es keine Rolle, woher die Mitarbeiter kommen, doch ohne Deutsch geht es nicht. Wer sich gut verständigen könne, erhalte eine Chance, versichert der Geschäftsmann, bei dem man keinerlei Akzent mehr heraushört.
Ebenfalls angewiesen auf internationale Hilfskräfte und Spezialisten ist das Universitätsklinikum Regensburg. Insgesamt verdienen dort 5525 Menschen ihr Geld. Sie untersuchen, operieren, pflegen, putzen oder kochen. 544 Beschäftigte aus 70 Nationen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Allein 96 Ärzte aus der ganzen Welt sind am UKR tätig. Hinzu kommen Mitarbeiter von am Klinikum engagierten Fremdfirmen. „Jeder Einzelne, unabhängig von seiner Herkunft oder Staatsbürgerschaft, ist wertvoll und für den reibungslosen Betrieb eines großen Klinikums der Maximalversorgung wichtig“, sagt Sprecher Matthias Dettenhofer. Das gelte für Ärzte, Pflegekräfte und ungelernte Hilfskräfte gleichermaßen.
In der Pflege unverzichtbar
Als Fachkräfte verdienen in Regensburg 12.600 Ausländer ihren Lebensunterhalt. Die größten Gruppen sind in der Industrie, bei Zeitarbeitsfirmen, im Gesundheits- und Sozialwesen, in Verkehr und Lagerei sowie im Einzelhandel und in der Gastronomie beschäftigt.
Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) betont etwa in der Untersuchung „Internationalisierung der Pflege – Pflegekräfte mit ausländischer Staatsangehörigkeit und ihr Beitrag zur Fachkräftesicherung“ aus diesem Jahr: Der Gesundheits- und Pflegesektor sei stark gewachsen ist. Besonders wegen des akuten Arbeitskräftebedarfs sei es wichtig, dass Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit seit mehreren Jahren erheblich zur Deckung des Personalbedarfs beitragen. In Regensburg sind knapp 2900 Ausländer im Gesundheits- und Sozialwesen tätig.
Die Hürden bleiben hoch: Mit der Weiterentwicklung des Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes sind zwar im November 2023 rechtliche Änderungen bei der Erwerbsmigration von Personen aus Drittländern in Kraft getreten. Die IAB-Forscher stellen jedoch fest, dass für Pflegekräfte und andere reglementierte Berufe weiterhin ein Anerkennungserfahren zur Gleichwertigkeit der ausländischen Qualifikation notwendig sei.
1,2 Millionen ausländische Staatsangehörige haben im April 2024 in Bayern gearbeitet. Das entspricht mehr als 18 Prozent aller Beschäftigten. „Rein rechnerisch wäre die Beschäftigung ohne ausländische Staatsangehörige rückläufig gewesen“, sagt Andreas Hauptmann, Arbeitsmarktforscher beim IAB. Das gilt auch für ganz Deutschland.


