Wo der Kinderwunsch Wirklichkeit wird: Regensburger Zentren helfen Paaren und Solo-Müttern

Von Marion Neumann · 28. August 2024 um 10:00

Mit vielen Gefühlen verbunden – aber auch medizinisch hochtechnologisch: So beschreibt Prof. Dr. Malfertheiner die Arbeit am Profertilita Kinderwunschzentrum Regensburg, das sie seit April gemeinsam mit ihrer Praxispartnerin Dr. Angelika Eder leitet. Auch Dr. Andreas Schüring von KinderwunschTherapie im Zentrum (KITZ) hilft Paaren und Alleinstehenden.

Auch nach unzähligen Behandlungen reagiert Prof. Dr. Sara Fill Malfertheiner noch emotional, wenn eine Schwangerschaft diagnostiziert wird. „An diesem Morgen war es wieder so weit. Wenn man zum ersten Mal die Herzaktion des Kindes sieht und nicht nur bei der Frau, sondern auch beim Mann die Tränen kullern – da bekomme ich immer noch Gänsehaut“, sagt die Medizinerin.

„Wir machen Familie“

Mit vielen Gefühlen verbunden – aber auch medizinisch hochtechnologisch: So beschreibt Prof. Dr. Malfertheiner die Arbeit am Profertilita Kinderwunschzentrum Regensburg, das sie seit April gemeinsam mit ihrer Praxispartnerin Dr. Angelika Eder leitet. „Wir machen Familie“, steht auf der Homepage der Einrichtung in einem Facharztzentrum im Osten der Stadt geschrieben – und tatsächlich geht es für Patienten um nicht weniger als um die Erfüllung eines Lebenstraumes.

„Wir wohnen in einem Land, wo es meist dazu gehört, Kinder zu bekommen. Wenn das nicht so einfach funktioniert, wird das leider häufig und fälschlicherweise als persönliches Versagen wahrgenommen. Die Hürde, sich Hilfe zu suchen, ist hoch“, sagt Prof. Dr. Malfertheiner. In der Regel würden Paare in das Zentrum kommen, wenn sie ein Jahr lang kinderlos geblieben sind. „Es gibt aber auch Paare, die es seit vielen Jahren versuchen – für sie ist es ein großes Tabu.“

Seelische Probleme im Blick

Dass sich Paare einer Kinderwunschbehandlung unterzogen haben, werde im Umfeld meist erst sehr spät, nach der Geburt des Babys, oder manchmal auch gar nicht kommuniziert, erklärt Dr. Andreas Schüring. Der ärztliche Leiter von KinderwunschTherapie im Zentrum (KITZ) in der Stadtmitte bestätigt ebenfalls, dass ungewollte Kinderlosigkeit in der Gesellschaft noch immer ein Thema sei, über das nicht offen gesprochen werde.

„Wir empfehlen eigentlich auch, nicht direkt jeden einzuweihen. Ist der Kreis der Mitwisser zu groß, kann das auch anstrengend sein und den Druck zusätzlich erhöhen.“ Wichtig sei es deshalb, im Kinderwunschzentrum nicht nur die fachlichen Aspekte der Behandlung zu besprechen, sondern auch seelische Probleme im Blick zu haben. „Nach zwei gescheiterten Versuchen muss ein Paar womöglich erst einmal zum Weitermachen motiviert werden. Die Psyche spielt eine große Rolle“, sagt Dr. Schüring.

Verschiedene Ursachen für Kinderlosigkeit

Neben der psychologischen Betreuung sei für sie eine umfangreiche Diagnostik vor der Behandlung essenziell, betont Dr. Eder vom Profertilita Kinderwunschzentrum. „So vermeiden wir unnötige Versuche.“ Ursachen, warum der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, gebe es auf Frauen- und Männerseite. „Eine typische Erkrankung von Patientinnen, die gerade in aller Munde ist, ist die Endometriose. Doch auch hormonelle Probleme oder Vorerkrankungen können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.“ In rund 20 Prozent der Fälle lasse sich gar nicht genau feststellen, woran es liege. „Das Schöne ist aber, dass wir trotzdem sehr gut helfen können.“

Ob für ein Paar eine In-Vitro-Fertilisation (IVF), bei der Eizelle und aufbereitete Samenzellen in einem Reagenzglas zusammengeführt werden, oder eine andere Methode infrage kommt, werde gemeinsam entschieden. „Es ist uns wichtig, umfassend aufzuklären. Wir sind ein Team, das mit dem Paar zusammenarbeitet“, so Dr. Eder.

„Herzstück“ ist das Labor

In dem oft belastenden Prozess soll der Ablauf so angenehm wie möglich gestaltet werden. Bei einer IVF-Behandlung werden Eizellen im OP-Bereich mittels Punktion entnommen. Zur Abgabe von Samen ist in der Praxis der „Rote Salon“ eingerichtet – ein Raum, den Patienten im Anschluss diskret durch eine separate Ausgangstür verlassen können. Die Befruchtung erfolgt im „Herzstück“ des Kinderwunschzentrums, dem Labor für assistierte Reproduktionstechniken. Laborleiterin Dr. Dagmar Gutknecht arbeitet dort mit einem Team aus Biologinnen und Embryologinnnen, welche die Entwicklung der Embryonen im Anschluss in speziellen Inkubatoren beobachten, bevor diese eingesetzt werden.

Doch nicht nur die Behandlung medizinischer Probleme bei heterosexuellen Paaren sowie die Erfüllung des Kinderwunsches bei gleichgeschlechtlichen Paaren beschäftigt die insgesamt sieben Ärztinnen sowie das Labor- und Mitarbeiterinnenteam. Die Praxis bietet auch sogenannte Kryokonservierung an. Dabei werden Ei- oder Samenzellen von Patienten in flüssigem Stickstoff tiefgefroren, bevor diese beispielsweise eine Chemotherapie beginnen. „Später, wenn die Therapie abgeschlossen ist, kann so der Kinderwunsch doch noch erfüllt werden“, sagt Prof. Dr. Malfertheiner.

Mehr Alleinstehende mit Kinderwunsch

Stärker nachgefragt werde zudem das Einfrieren von Eizellen „aus sozialen Gründen“. „Die klassische Patientin ist 35 Jahre alt und hat sich nach mehreren Jahren Beziehung getrennt. Sie hat einen Kinderwunsch und möchte jetzt nicht unter Druck geraten – deshalb sorgt sie vor“, erklärt Dr. Eder.

Bemerkbar mache sich auch, dass immer mehr alleinstehende Frauen zur Kinderwunschbehandlung zu Profertilita kommen. Nachdem 2017 in Deutschland ein neues Samenspenderregistergesetz in Kraft getreten ist, laut dem Spender in Sachen Unterhalt und Erbe nicht mehr belangt werden können, sei dies rechtlich möglich. „Natürlich gibt es dabei auch eine ethische Komponente − und wir gehen zunächst immer vom Kindeswohl aus. Nach Möglichkeit soll die Solo-Mutter beim Notar eine zweite Garantieperson benennen, die sich im Falle des Falles um das Kind kümmern kann“, so Dr. Eder.

„Sicherheit ist sinnvoll“

Auch bei KITZ, wo es ebenfalls die Möglichkeit gibt, Eizellen aus medizinischen sowie aus sozialen Gründen einfrieren zu lassen, werden vermehrt Solo-Mütter vorstellig, stellen die vier Ärzte, das vierköpfige biologische Laborteam sowie die weiteren Mitarbeiter fest. „Die Nachfrage steigt“, sagt Dr. Schüring.

Die Benennung einer juristischen Garantieperson sei für ihn Voraussetzung für eine Solo-Mutterschaft. „Das wird nicht mehr überall so gesehen und manche Patientinnen sehen das sicherlich als Hindernis. In erster Linie muss man allerdings an das Kind denken – und da finde ich diese Sicherheit sinnvoll.“

Mit modernster Technik befruchtet Dr. Dagmar Gutknecht im Labor Eizellen. Foto: Marion Neumann
Hier werden Paare im Profertilita Kinderwunschzentrum empfangen. Foto: Katharina Wittmann Fotographie
Ärztlicher Leiter des KITZ ist Dr. Andreas Schüring. Foto: KITZ Regensburg