Gymnasium Rohr bekommt staatlichen Schulleiter − Kirchliche Klassen haben aber eigenen Chef

Von Martin Rutrecht · 8. Dezember 2024 um 19:00

Das Gymnasium in Rohr in Niederbayern bekommt zum nächsten Schuljahr einen staatlichen Schulleiter. Er trägt die Gesamtverantwortung und damit auch für die kirchlichen Jahrgangsstufen, die noch unter Trägerschaft des Benediktinerordens stehen. Ein Stellvertreter kümmert sich aber explizit um die auslaufenden privaten Klassen.

„Dieses Konstrukt hat es in Bayern noch nie gegeben.“ Mit diesen Worten geht der aktuelle Schulleiter Thomas Michna gegenüber der Mediengruppe Bayern auf die Lösung des Zwei-Schulen-Problems am Gymnasialstandort Rohr ein. Wie mehrfach berichtet werden die Jahrgangsstufen fünf bis sieben mit dem Schuljahr 2025/26 staatlich – die darüber liegenden Klassen bleiben unter Trägerschaft des Benediktinerordens. Diese kirchlichen Jahrgänge laufen in der Folgezeit nach und nach aus, das Gymnasium wird bis 2031 komplett staatlich.

Bis dahin bedeuten staatliche und kirchliche Trägerschaft parallel im Prinzip zwei separate Schulen. Jetzt entschied das Bayerische Kultusministerium in Abstimmung mit den Benediktinern, welche Institution im nächsten Jahr die Leitung übernimmt. „Es wird ein staatlicher Schulleiter installiert, der die Verantwortung für das gesamte Gymnasium hat“, erläutert Michna die Entscheidung. Diesem neuen Direktor – die Stelle ist bereits ausgeschrieben – unterstehen damit auch die Jahrgangsstufen 8 bis 13, die im neuen Schuljahr kirchlich bleiben.

Derzeitiger Direktor wird Stellvertreter

Zugleich wird es aber auch einen Stellvertreter geben, „der prinzipiell zuständig ist für die kirchlichen Klassen“, so Michna – der diese Rolle übernehmen wird. Wie man sich das praktisch vorstellen kann, erklärt der Oberstudiendirektor so: „Ich werde den Schulbetrieb für die Stufen 8 bis 13 organisieren. Der staatliche Schulleiter übernimmt diese Aufgabe für die Klassen 5 bis 7.“

Geht es um Fragen, die einer letztgültigen Entscheidung bedürfen, hat der staatliche Schulleiter das finale Wort. „Als Beispiel: Eine kirchliche und eine staatliche Klasse haben eine große Schülerzahl und bräuchten denselben geeigneten Raum. Der staatliche Direktor entscheidet dann, wer den Raum bekommt.“

Entscheidung über neuen Leiter im März 2025

Für Michna, der die Schulleitung selbst erst im August 2024 von Vorgängerin Carola Reim übernahm, „beruht dieses System auf Kooperation“. Probleme erwartet er nicht, „obwohl es in ganz Bayern kein Handbuch für diese Form der Schulleitung gibt“, so der 62-Jährige mit leisem Schmunzeln. Bis März rechnet er mit der Auswahl des künftigen Direktors.

Noch nicht ausgegoren ist die Lösung bei den Lehrkräften. Derzeit unterrichten 40 Lehrer am Johannes-Nepomuk-Gymnasium (JNG). Sie haben überwiegend Angestellten-Verträge beim Benediktinerorden, ein geringer Teil zählt als „Kirchenbeamte“ zum Katholischen Schulwerk in Bayern. Von Schule und Eltern kam immer wieder die Forderung, das Personal solle ins staatliche System übergehen. Das Kultusministerium hatte aber frühzeitig klargestellt, dass sich diese Lehrkräfte beim Staat bewerben müssten, eine automatische Übernahme gebe es nicht. „Und wenn sie genommen werden, ist noch nicht gesagt, dass sie nach Rohr kommen“, weist Michna auf ein weiteres Fragezeichen hin.

Staat bringt eigene Lehrkräfte mit

Der Staat wird, so weiß der derzeitige Schulleiter, die Jahrgangsstufen 5 bis 7 „mit eigenem Personal ausstatten“. Dies könnten auch Pädagogen aus dem derzeitigen Kollegium sein, die sich erfolgreich beim Staat bewerben. „Kirchliche Kräfte dürfen aber nicht an staatlichen Klassen unterrichten“ – umgekehrt sei dies sehr wohl möglich.

Michna geht für die 40 JNG-Lehrkräfte bereits in die Planung fürs nächste Schuljahr. „Aber ich kann sie nur auf die Jahrgangsstufen 8 bis 13 verteilen, 5 bis 7 werden ja staatlich.“ Was bedeute, es bestehe Stand heute ein Überhang an kirchlich beschäftigten Pädagogen. „Eventuell werden sich einige Lehrer umorientieren.“ Letztlich werde man bis zur Personal-Bedarfsplanung für das nächste Schuljahr im Mai warten müssen, um „auf belastbare Fakten“ blicken zu können.

Neue Klassenzimmer im alten Internat

Die Räumlichkeiten auch für den neuen dritten Zweig werde man „in jedem Fall hinbekommen“. Perspektivisch könne man aus früheren Internatsräumen weitere Klassenzimmer machen. Ob staatlicher und kirchlicher Schulleiter ein gemeinsames Büro oder zwei getrennte Büros beziehen, „ist für mich sekundär. Aber auch diese Frage gilt es zu klären.“ An Schüler (aktuelle Schülerzahl: 435) und Eltern gerichtet, sagt Thomas Michna: „Es wird für jeden gesorgt, wir kümmern uns.“

Das Kapitel des kirchlichen JNG in Rohr endet in 2031: Dann macht die letzte Jahrgangsstufe unter Benediktiner-Trägerschaft ihr Abitur. Der Landkreis hat danach neben Kelheim und Mainburg ein drittes staatliches Gymnasium.