Paradoxe Situation: Braucht das Gymnasium Rohr zwei getrennte Schulleiter?

Das kirchliche Johannes-Nepomuk-Gymnasium in Rohr wird staatlich. So viel steht fest. Für Schüler, Eltern und selbst die Schulleitung stellen sich Fragen nach der Umsetzung des Übergangs. Die Antworten aus Kultusministerium und Landratsamt Kelheim fallen zum Teil überraschend aus.
Mit dem Beschluss des Kreistags im März 2024 und der Genehmigung durch das Bayerische Kultusministerium ist der Landkreis Kelheim auf dem Weg zu einem dritten staatlichen Gymnasium. Dieses wird durch die schrittweise Übernahme des Johannes-Nepomuk-Gymnasiums (JNG), das bisher in der Trägerschaft des Benediktiner-Ordens steht, eingerichtet. Ab dem Schuljahr 2025/26 werden die Jahrgänge fünf bis sieben staatlich, die übrigen laufen bis zum Abitur kirchlich aus.
„Aus der Elternschaft kommen immer wieder Fragen, wie das konkret aussehen soll“, sagt Petra Hachmann-Weber, Vorsitzende des Elternbeirats, und listet auf: „Was geschieht mit den Lehrern? Wie funktionieren kirchliche und staatliche Jahrgänge nebeneinander? Wer trifft Entscheidungen?“ Auch für die bisherige Schulleiterin Carola Reim – sind mit 1. August 2024 in den Ruhestand – müssen sich noch „viele Puzzleteile“ zusammen fügen.
Gespräche zwischen Orden, Schulwerk und Freistaat
Nach Angaben aus dem Ministerium laufen derzeit Gespräche zwischen Benediktiner-Orden, dem Katholischen Schulwerk und dem Freistaat Bayern. Laut Landratsamt sind in puncto Sachaufwandsträgerschaft auch der Landkreis und der Markt Rohr eingebunden. „Die Situation eines zeitlich aufeinander abgestimmten Auslaufens des bisherigen Privatgymnasiums und Aufwachsens des neuen staatlichen Gymnasiums macht eine enge Abstimmung erforderlich“, schreibt die Pressestelle des Kultusministeriums auf Anfrage der Mediengruppe Bayern.
Es laufen in jedem Fall zwei Schulen parallel
Und lässt mit einer Aussage aufhorchen: Die Punkte zu Schulleitung und Verwaltung „für jede der beiden Schulen“ werden rechtzeitig geklärt. Was die Nachfrage aufwirft: Gibt es in der Übergangsphase eine kirchliche und eine staatliche Schule am JNG mit getrennten Leitungen? Das Ministerium verweist auf die laufenden Gespräche und erklärt: „Losgelöst von der konkreten Situation ihn Rohr kann bei einem staatlichen Gymnasium und einem Privatgymnasium am selben Ort die Schulleitung für beide Schulen sowohl in Personalunion als auch über zwei Schulleiter erfolgen.“
Laut Pressestelle des Landratsamts bestehen „die beiden Schulen nebeneinander und haben (nachdem keine parallelen Jahrgangsstufen bestehen) im Unterricht keine Berührungspunkte“. Räumlichkeiten wie Turnhalle oder Pausenhof würden gemeinsam genutzt. Die Organisation des Schulbetriebs obliege dem Kultusministerium in Absprache mit dem Schulleiter.
Für Lehrkräfte zeichnet sich eine Lösung ab
Zum aktuellen Lehrpersonal – etwa 40 Lehrkräfte sind am JNG – teilt München mit: Das Kultusministerium stehe mit dem Katholischen Schulwerk in Bayern, bei dem die Lehrkräfte im Kirchenbeamtenverhältnis oder arbeitsvertraglich beschäftigt sind, im Austausch. „Ziel aller Beteiligten ist, sowohl für die Lehrkräfte eine Zukunftsperspektive zu entwickeln als auch für das neue staatliche Gymnasium sowie für die Schulen, deren Lehrerversorgung das Katholische Schulwerk verantwortet, eine auskömmliche Lehrerversorgung zu gewährleisten.“ Jede einzelne Lehrkraft des Kollegiums werde beraten, falls von ihr gewünscht.
Benediktiner erneuern die Wärmeversorgung
Mit seinem „Ja“ zum Gymnasium Rohr hat sich der Landkreis auch für die Übernahme einer Generalsanierung in rund zehn Jahren ausgesprochen. Schätzungen sprechen von knapp 50 Millionen Euro Kosten. Ob es bei dieser Summe bleibt oder die Zahl möglicherweise nach oben geht, kann das Landratsamt aus heutiger Sicht nicht beurteilen. „Erst nach Vorliegen der zu erstellenden Konzeptstudie kann es hierüber weiteren Aufschluss geben.“ Ein Raumkonzept werde erarbeitet. Das Angebot der Benediktiner-Abtei, das Gymnasium mit akut erforderlichen Investitionen für die Wärmeversorgung zu ertüchtigen, „steht und befindet sich in der Vorbereitungsphase“.
Darf der Name des Heiligen bleiben?
Eine vermeintlich marginale, aber in der Tradition der Schule wichtige Frage ist die Namensgebung – sprich kann die Einrichtung als „Johannes-Nepomuk-Gymnasium“ weitergeführt werden? Dies werde, so das Ministerium, voraussichtlich erst nach Gründung der neuen Schule „zunächst in den Gremien der Schulfamilie und des Landkreises eingehend erörtert“.
Beschließen die beteiligten Gremien, einen Schulnamen zu beantragen, wird das Kultusministerium hierüber entscheiden. „Aktuell werden hierzu weder Beratungen noch Entscheidung getroffen“, ergänzt das Landratsamt.
Positive Entwicklung der Anmeldezahlen
Positiv entwickeln sich die Anmeldezahlen für das neue Schuljahr. „Wir werden wieder drei fünfte Klassen bekommen“, sagt Reim. Die Diskussion um die Zukunft des Gymnasiums habe dem Zulauf keinen Abbruch getan, „vielleicht hat sie die Beliebtheit sogar ein wenig gepusht“.
Die Übergabe
Gebäude: West- und Südflügel der Klosteranlage werden 2029 von den Benediktinern für einen symbolischen Euro an den Landkreis übergeben.
Abschluss: Mit dem Schuljahr 2032/33 wird das Gymnasium vollständig staatlich.