Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd in Regensburg: „Hauptsache, das wird jetzt genehmigt!“

Von Heike Haala · 2. Dezember 2024 um 19:00

Dienstag wird ein denkwürdiger Tag für die Bewohner in der Werftstraße: Der Planungsausschuss befasst sich mit dem Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd – ein halbes Jahr, nachdem sich die Juniflut derart zugespitzt hatte, dass sie evakuiert werden mussten.

Diese Entscheidung der Stadt bezeichnen die hochwassererprobten Anwohner als traumatisches Erlebnis. Dass die Donau über die Ufer tritt, hatten viele von ihnen bis dahin schon oft erlebt. Dass sie ihre eigenen vier Wände deswegen plötzlich auf unbestimmte Zeit verlassen und diese mitsamt der privaten Sicherungsmaßnahmen gegen die Flut sich selbst überlassen mussten, aber noch nie. Als Grund für die Evakuierung nannte die Stadt damals, dass der Untergrund der Werftstraße aufgrund des hohen Grundwasserspiegels derart aufgeweicht war, dass sich die darin verankerten Hochwasserschutzelemente hätten lösen können. In diesem Fall hätte sich die Flut schlagartig über die Werftstraße ergossen.

Mauern und Sitzstufen

Schutz davor, dass sich so etwas nicht wiederholt, soll der seit vielen Jahren geplante, aber bisher nicht umgesetzte Hochwasserschutz bieten, für den der Freistaat dem Planungsausschuss nun Pläne vorlegt. Der Schutz soll demnach das Nord- und Südufer laut des Unteren Wöhrds umgrenzen. Weiterhin sollen die betroffenen Straßenräume eine Aufwertung erfahren. Auch muss der Untergrund der Insel gegen das Grundwasser abgesichert werden. Zudem ist ein Lager für die mobilen Hochwasserschutzelemente an der Westrampe der Nibelungenbrücke geplant.

Zwei der insgesamt zehn Planabschnitte betreffen die Werftstraße. Bevor der Hochwasserschutz an dieser neuralgischen Stelle hält, die auch beim Hochwasser im Jahr 2013 Probleme machte, muss die Ufermauer saniert werden, die in diesem Juni zu wackelig für die mobilen Elemente hätte werden können. Diese Baumaßnahme könnte frühestens Ende 2025 starten, heißt es in der Vorlage. Zuletzt nannte die Stadt die Jahre 2026 und 2027 für die Umsetzung.

Der Hochwasserschutz selbst soll laut der Pläne im östlichen Teil über eine Mauer erfolgen, auf die bei Hochwasser mobile Schutzelemente aufgeschraubt werden können. Westlich davon soll das zu einem Platz aufgeweitete alte Fischerviertel ohne Hochwasserschutzmauer auskommen. Dafür soll der Platz um etwa 40 Zentimeter angehoben werden. Zudem sollen im Falle einer Flut weiterhin mobile Hochwasserschutzelemente zum Einsatz kommen. Prägendes Element der Gestaltung sind drei lange Sitzstufen zur Donau hin. Weiterhin sollen der Verkehr reduziert, Parkplätze gestrichen und neues Grün gepflanzt werden.

Einer, der seit Jahren sehnlich auf den Hochwasserschutz wartet und auf seine Umsetzung pocht, ist Richard Weidmüller aus der Werftstraße „Hauptsache, das wird jetzt genehmigt“, sagt er. Weidmüller freut sich, dass nun etwas in die Gänge kommt und bezeichnet die Vorlage als Meilenstein – im Planungsverfahren.

„Jetzt haben wir gar nichts“

Ihm geht es aber nun darum, dass bei der Sache Gas gegeben wird. Denn die Zeit, in der es noch keinen Hochwasserschutz gibt, bedeutet für ihn und seine Nachbarn im Falle einer Flut Gefahr und Ängste. „Keine Ufermauer, in der die mobilen Elemente halten, und keinen Hochwasserschutz: Jetzt haben wir gar nichts“, verdeutlicht er. Deswegen fragt er sich – abgesehen davon, ob die vorgesehenen Parkplätze auch für alle reichen – vor allem, wann der Hochwasserschutz stehen wird.

Laut der Vorlage soll nach dem Planfeststellungsverfahren der Maßnahmenbeschluss im Jahr 2028 gefasst werden und die anschließende Umsetzung starten. „Erst ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss gibt die Sicherheit, dass und unter welchen zusätzlichen Auflagen gebaut werden darf“, sagt Rainer Zimmermann, Projektleiter für den Hochwasserschutz Regensburg beim Wasserwirtschaftsamt. Ist dieser Bescheid erlassen, könne seine Behörde die Ausführungsplanung in Auftrag geben. Diese werde ungefähr ein bis zwei Jahre dauern. Wann mit dem Baubeginn zu rechnen ist, könne er noch nicht sagen, da die Dauer des Verfahrens nur schwer einzuschätzen sei. Auf die Frage nach der Fertigstellung antwortet er, dass der genaue Bauablauf erst mit der Ausführungsplanung erarbeitet wird.

Weidmüller rechnet mit acht Jahren bis Baubeginn und wartet nun darauf, dass die Stadt die Decke der Werfstraße wie im September beschlossen so erneuert, dass die mobilen Elemente halten, falls bis zur Sanierung der Ufermauer weitere Hochwasser die Donau hinunterfließen. „Die Maßnahme soll, soweit möglich, noch in 2024 umgesetzt werden“, heißt es im Beschluss. „Bis jetzt ist noch nichts passiert“, sagt Weidmüller.

Die Kosten

Maßnahme: Der Bau soll 55 Millionen Euro kosten.

Planung: Die Planungskosten teilen sich Stadt und Freistaat vorläufig zur Hälfte. Wie viel Geld die Stadt für Planung und Bau genau auf den Tisch legen muss, soll Abschnitt für Abschnitt geklärt werden. 600 000 Euro an Planungskosten berücksichtigt der Entwurf des Investitionsprogramms für die Jahre 2024 bis 2028.

Anwohner Richard Weidmüller steht auf der alten Ufermauer.