Acht Meter in die Tiefe zu reinstem Wasser für Rötz: Vier Wünschelrutengänger lagen nicht falsch

Auch wenn vier verschiedene Wünschelrutengänger und ein Baggerschurf prophezeit haben, dass viel Quellwasser fließen wird: Bei einem Bauprojekt mit Kosten von fast 500 000 Euro ist man vorher doch ein bisschen nervös, gibt Stadtrat Georg Reitinger zu.
Als Wasserbeauftragter der Stadt Rötz hatte er sich gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Stefan Spindler für eine weitere Erschließung zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung eingesetzt. Für die Planung des anspruchsvollen Bauvorhabens konnte das Ingenieurbüro Krämer gewonnen werden, das schon mehrere Quellerschließungen der Stadt Rötz begleitet hat.
Nach einem wahren „Behördenmarathon“ war es am 19. Juni so weit: Der Spatenstich zur Erschließung der Quelle 5 Am Frauenstein konnte stattfinden. Auf einer Fläche von 2300 Quadratmetern begann damit ein sehr herausforderndes Bauprojekt. Bis in eine Tiefe von acht Meter musste gegraben werden – immer im Hinterkopf, dass das Projekt gescheitert wäre, würde man nicht auf Wasser stoßen. Trotz aller guten Vorzeichen: „Eine 100-prozentige Garantie hat man dabei nie“, so Reitinger.
Denn anders als bei einem Tiefbrunnen, der von einem Grundwasser-See gespeist werde, habe man hier mit einer Bohrung keine absolute Sicherheit erlangen können.
Zwei Quellflüsse gefasst
So wurde auch bei der ersten von den Wünschelrutengängern festgestellten „Wasserader“ in der Grabentiefe von acht bis neun Metern noch kein Quellwasser gefunden. Wahrscheinlich gäbe es dort tatsächlich Quellwasser, vermutet Reitinger, aber in noch größerer Tiefe. Aus technischen Gründen habe man aber nicht weiter in die Tiefe gehen können.
Umso größer die Freude am 11. November und laut Spindler durchaus „ein Grund, Sektkorken knallen zu lassen“: Man ist auf klares Quellwasser gestoßen. Fast fünf Monate war für Ableitungen und den Quellschacht gebaut worden, bis der erste Quellfluss erreicht wurde.
Aber: „Jetzt läuft‘s“, und das ziemlich gut, berichtet der Wasserbeauftragte. Das Gebiet wird von mehreren unterirdischen Quellflüssen gespeist, zwei von vier sind bereits gefasst. Die aktuelle Schüttung liegt bei 2,25 Liter pro Sekunde, was bereits jetzt 70 000 Kubikmeter pro Jahr entspreche, rechnet Reitinger vor.
Und bei den beiden hinteren Quellflüssen hoffe man auf weitere 1,5 Liter pro Sekunde. Man liege damit sogar über der Schätzung der Hydrogeologen – aber genau in dem Bereich, den die Wünschelrutengänger prognostiziert hatten.
So herausfordernd die Bauarbeiten wegen der Bodenbeschaffenheit auch sind, es gibt einige Vorteile, weil schon ein etwa vier Kilometer langes Leitungsnetz existiert, das von den Quellen Am Frauenstein zum Hochbehälter in Heinrichskirchen führt. Vor gut 70 Jahren wurden die Quellen 1 bis 3 erschlossen, die seitdem das Oberland versorgen, und Anfang der 90er Jahre die Quelle 4. Die komplette Infrastruktur ist darum schon vorhanden, und man kann an die bestehenden Leitungen anschließen – nur etwa 270 Meter Leitung müssen zum Quellgebiet neu verlegt werden.
In der Woche nach dem Spatenstich war mit dem Bau begonnen worden. Bauausführende Firma ist die Wutz Hoch- und Tiefbau GmbH. Nachdem die erste Ableitung geschaffen worden war, wurde der Quellschacht gebaut, in den das gesamte Wasser aus dem Quellgebiet läuft.
Auf die Sickerleitungen kommt jeweils Kies, der nach Vorgaben des zuständigen Wasserwirtschaftsamts Regensburg mit dreiprozentigem Wasserstoffperoxid desinfiziert wurde. Darauf wiederum kommt eine 20 Zentimeter dicke Betondecke, um etwaige Einträge, die von oben kommen, zu verhindern.
Immer dienstags findet auf der Baustelle ein Jour fixe statt, an dem neben dem Bürgermeister, Georg Reitinger, Ingenieur Krämer und Vertretern der bauausführenden Firma auch Mitglieder der Vorstandschaft der Wasserversorgung „Heinrichskirchener Gruppe“ teilnehmen. Für jedes technische Problem, das auf der herausfordernden Baustelle aufgetreten sei, habe Vorarbeiter Xaver Schedlbauer eine Lösung gefunden, hebt Reitinger hervor. Auch die Mitglieder der „Heinrichskirchener Gruppe“ hätten sich konstruktiv eingebracht.
Dass diese Quellerschließung durchaus etwas Besonderes ist – zumeist handelt es sich um Gewinnung von Grundwasser aus Tiefbrunnen –, wurde auch durch den Besuch von Stefan Neudert, dem neuen Leiter des Wasserwirtschaftsamt Regensburg, deutlich.
Bis Weihnachten soll das Grundstück erschlossen sein, für das kommende Frühjahr sind noch Geländemodellierungen geplant. Die abgetragene Erde wird wieder zurückgebracht, angesät und das künftige Wasserschutzgebiet entsprechend eingezäunt.
Schwebstoffe austragen
Etwa ein halbes Jahr solle das Wasser dann laufen, bis die Quelle „ausblutet“, noch Schwebstoffe ausgetragen werden und es sich komplett gereinigt habe, erklärt Reitinger. In dieser Zeit werden auch Wasserproben entnommen, um die Reinheit zu prüfen – die in acht Metern Tiefe aber auf jeden Fall gewährleistet sein sollte, ist er überzeugt. Definitiv solle im Lauf des nächsten Jahres dann ins Leitungsnetz eingespeist werden.
Zahlen:
Kosten: Die Kosten für das Bauprojekt belaufen sich auf fast 500 000 Euro.
Förderung: Gefördert wird es mit 150 000 Euro über RZWas (Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben).


