Wenn der Wünschelrutengänger Recht hat oder das Ende eines Behörden-Marathons in Rötz

Von Stefanie Bauer · 27. März 2024 um 19:00

In den Fünfziger Jahren, vor der Eingemeindung, war Matthias Betz Bürgermeister in Heinrichskirchen. Als gebürtiger Muschenrieder entdeckte er eher zufällig beim Holz machen im Waldgebiet Am Frauenstein ein kostbares Gut: Trinkwasser.

Daraufhin wurden vor gut 70 Jahren die Quellen 1 bis 3 erschlossen, die seitdem das Oberland versorgen. Der Weg dorthin war steinig: Alle Anwohner, die von der neuen Wasserversorgung profitieren wollten, mussten ihr Teilstück für die Leitung mit der Hand freilegen. Wer durch Wiesen graben musste, hatte es leicht; schwerer hatte es derjenige, der sich durch felsiges Gebiet zu arbeiten hatte.

Kein einfacher Weg war es auch bis zur Genehmigung für die Erschließung der Quelle 5 im Januar – die Hürden waren aber dieses Mal nicht dem Gelände geschuldet, sondern behördlichen Vorgaben.

Die Quelle 4 wurde bereits Anfang der Neunziger Jahre erschlossen. In den letzten Jahren hatte sich vor allem Stadtrat Georg Reitinger als Wasserbeauftragter für das Oberland für eine weitere Erschließung zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung eingesetzt. Gut 170 Anwesen im Oberland beziehen ihr Trinkwasser aus den Quellen Am Frauenstein. Die Schüttung liegt bei etwa 170 000 Kubikmetern im Jahr, die verkaufte Menge bei 100 000 Kubikmetern. Was nicht wenig ist, doch wenn der Bedarf im Juli und August am höchsten ist, ist die Schüttung am geringsten.

Unendlich könne man Wasser nicht vorhalten, der Hochbehälter hat kein unbegrenztes Fassungsvermögen: 700 Kubikmeter sind es in Heinrichskirchen, erklärt Reitinger.

Beförderung ohne Pumpen

Die Lage des Hochbehälters hat den Vorteil, dass das Wasser zu den Anwesen in den Ortsteilen, die allesamt tiefer liegen, ohne Pumpen befördert werden kann. Die Quellen liegen wiederum höher als der Hochbehälter – auch hier kommt man ohne Pumpen aus. Ein geniales System, das schon seit der Erschließung der ersten drei Quellen dafür sorgte, dass man bis heute ohne Strom für den Transport des Wassers auskommt.

Doch eben wegen der hohen Lage ist das Oberland gezwungen, sich stets selbst mit Wasser zu versorgen, es gibt keinen Notverbund – außer mit dem tiefer liegenden Winklarn, aber dieser ist einseitig, da das Wasser ohne Pumpen nicht bergauf fließen kann. Auch Rötz kann mit dem Wasser aus dem Heinrichskirchener Hochbehälter versorgt werden.

Im Ernstfall, der 2020 wegen einer ungewöhnlich hohen Entnahme beinahe eingetreten wäre, könnte dem Oberland von keiner anderen Gemeinde, auch nicht von Rötz, mit Trinkwasser ausgeholfen werden. Nur bei den Ortsteilen Voits-ried und Pillmersried wäre es möglich, im Notfall vom Stadtgebiet aus versorgt zu werden, weil die Leitungen auf Höhe Grassersdorf mit Rötz zusammenhängen, so Reitinger.

So sei die Vorstandschaft der Wasserversorger „Heinrichskirchener Gruppe“ schon 2015, als es einen Engpass gegeben habe, zu dem Schluss gekommen, dass die Quelle 5 erschlossen werden müsse. Das entsprechende Grundstück habe der Wasserzweckverband 2005 „auf Bevorratung“ gekauft. Nach den Planungen ab 2020 folgte 2021 die erste Antragstellung – letztlich zog das Verfahren sich bis zur Genehmigung rund drei Jahre hin.

Zunächst einmal musste ein Hydrogeologe einbestellt werden, der den Felshorizont erkundete. Nachdem die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sich zu Wort meldete, weil es sich um ein Feuchtbiotop handelt – wobei es vorher allerdings ein Nutzwald gewesen sei, so Reitinger, musste das „berechtigte öffentliche Interesse“ für die Quellerschließung, also der Wasserbedarf, prognostiziert für das Jahr 2035, nachgewiesen werden.

Förderbescheid erhalten

Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg habe den Bedarf akzeptiert, aber seinerseits den Beweis eingefordert, dass das Wasser wirklich aus ebendieser Quelle komme – obwohl man es augenscheinlich über den Waldboden fließen sieht. Zwei unabhängige Rutengänger wiesen Wasser auf dem gesamten Grundstück nach, doch das wurde von den Behörden als Nachweis nicht akzeptiert. Die Wahrscheinlichkeit, das in sechs Meter Tiefe liegende Quellflüsslein auf einer Gesamtfläche von 3400 Quadratmetern bei einer Bohrung als Beweis zu treffen: gering.

Es wurde dabei zwar wasserführendes Erdreich festgestellt, aber kein Grundwasser. „Zwischenzeitlich wurde uns geraten: Macht doch einen Tiefbrunnen oder bezieht das Wasser von den Kreiswerken“, berichtet der Wasserbeauftragte. Ersteres sei mangels Strom unwirtschaftlich, letzteres in Heinrichskirchen aufgrund der Höhenlage gar nicht möglich.

Bei einem Wasserforum der Regierung, zu dem alle Wasserversorger der Oberpfalz eingeladen waren, sei über den Wassernotstand vor allem in Franken berichtet worden, so Reitinger. „Und wir hätten Wasser und dürfen die Quelle nicht fassen“, habe er sich damals gedacht. Schließlich riet ein Experte zu einem Baggerschurf, um das Wasser nachzuweisen. Das klappte, genauso wie ein Pumpversuch, und nach „Hunderten von Telefonaten und E-Mails“ und einer Nachjustierung beim Bedarf in 2035 gab es letztlich eine Ausnahmegenehmigung, auch von der Abteilung Wasserrecht am Landratsamt, für die Quelle 5.

Die Förderbewilligung über 148000 Euro hatte man zu diesem Zeitpunkt schon erhalten, so Bürgermeister Dr. Stefan Spindler. Insgesamt sind für die Baumaßnahme 387000 Euro veranschlagt.

Quelle 5 Am Frauenstein: Aus dem Feuchtbiotop wird eine Magerwiese

Bescheid: Mit Bescheid vom 30. Januar erteilte das Landratsamt Cham der Stadt Rötz die Erlaubnis zur Fassung der Quelle Am Frauenstein im Wasserschutzgebiet „Wasserwerk Heinrichskirchen“. Damit soll die Wasserversorgung im Oberland sichergestellt werden. Auch für die Wasserversorgung Rötz kann das Wasser genutzt werden. Geplant ist eine Entnahme von maximal zwei Litern pro Sekunde beziehungsweise 170 Kubikmetern am Tag und 15000 Kubikmetern pro Jahr. Das Ingenieurbüro Krämer ist mit der Maßnahme betraut, wie auch schon 2002 mit dem Neubau des Hochbehälters in Heinrichskirchen. Die Ausschreibung für das Projekt ist in Arbeit.

Natur: Auf dem Gelände wird nur einmal im Jahr gemäht. Aus dem Feuchtbiotop entsteht nach der Quellfassung eine extensive Magerwiese, ebenfalls ein Biotop. Übriges Wasser bleibt im Wald Am Frauenstein: Wenn der Hochbehälter voll ist, gehen die Klappen auf, und das Wasser fließt in die Natur zurück. Der Vorteil der Quelle im Wald ist, dass es keinen Eintrag durch die Landwirtschaft gibt. Der Nitratwert liegt am Frauenstein bei weniger als 5 mg/Liter, der Grenzwert für Trinkwasser ohne Aufbereitung bei 50 mg/Liter.

Der Hochbehälter in Heinrichskirchen fasst insgesamt 700 Kubikmeter Trinkwasser.
Der Pumpschacht wurde eigens für Baggerschurf und Messung gebaut.