Hauptdarsteller in „Die Brücke“: Die Karriere von Fritz Wepper begann in Cham

Fritz Wepper ist tot – diese Nachricht vom Montag bewegte viele, schließlich war der Schauspieler als Harry Klein wichtiger „Bestandteil“ der Krimi-Serien „Derrick“ und „Der Kommissar“. Für viele Chamer der älteren Generation dürfte die Todesnachricht darüber hinaus eine besondere Bedeutung gehabt haben.
Fritz Wepper war neben Volker Lechtenbrink oder Frank Glaubrecht einer der Hauptdarsteller des hochdekorierten Antikriegsfilms „Die Brücke“ von Regisseur Bernhard Wicki.
Karrieresprungbrett für den 18-Jährigen
Der Film erzählt von den letzten Kriegstagen 1945. Kaum mehr als er eine Handvoll Jungen sollen eine Brücke vor den anrückenden US-Truppen verteidigen. Diese „Brücke“ wurde im Jahr 1959 in Cham gedreht. Knapp 18 Jahre war Fritz Wepper damals alt. Der Film war ein Karrieresprungbrett und machte den jungen Schauspieler international bekannt.
Etliche Chamer waren damals dabei – sei es als Komparsen, Arbeiter oder als Beobachter bei den Dreharbeiten. Mitten im Geschehen der Filmhandlung befand sich das Umfeld der Florian-Geyer-Brücke, die Kampfszenen wurden im Bernhard-Wicki-Wäldchen (es heißt seit 2009 so) gedreht. Schauplätze waren unter anderem auch Schützenstraße, Untere Regenstraße, Cordonhaus oder der Kirchplatz.
Florian-Geyer-Brücke war Drehort
Die Chamer sind bis heute stolz darauf, dass ihre Stadt Kulisse des international bedeutsamen und mit vielen Preisen bedachten Films war. Stadtarchivar Timo Bullemer hat viel Material dazu gesammelt, Ausstellungen und Führungen organisiert. Dabei erzählte er auch folgende kleine Begebenheit zu Fritz Wepper (Albert).
Um ihn im Schützengraben zum Weinen zu bringen, habe ihm Wicki Sand in die Augen geworfen – und ihn dann in den Arm genommen. Weppers letzte Film-Szene übrigens wurde geschnitten und sei nicht zu sehen. In dieser ging Albert beim Einzug der US-Soldaten als einziger Überlebender seiner Gruppe apathisch durch die (Schuegraf-)Straße.
Mit Metallstreifen mit Filmszenen an der neuen Florian-Geyer-Brücke wurde Wickis Brücke ein Denkmal gesetzt. Ihre persönlichen Erinnerungen an den Film und die Schauspieler haben uns einige Chamer erzählt, die damals mitten im Geschehen waren.
„Es gibt eine Chamer Generation, für die werden die Dreharbeiten immer im Kopf bleiben: Sie heißen Otto Becht, Sepp Zipperer oder Leo Hackenspiel und sind später einmal Schuldirektoren oder Chamer Bürgermeister geworden. Damals waren sie dabei – als Statisten und Komparsen oder als Zaungäste. Zuschauen beim Filmen, das war damals mindestens einen Tagesausflug aus dem ganzen Landkreis nach Cham wert“, schrieb unser früherer Echo-Kollege Ernst Fischer.
Schnappschuss von Hauptdarstellern
Hildegard Gall aus Katzbach etwa habe vor fünf Jahren erzählt, dass sie, damals 18 und arbeitslos, Regieanweisungen getippt hatte, die von Bernhard Wicki kamen. Beim Randsbergerhof war das Filmbüro, und dort hätten auch die Schauspieler gewohnt. Sie habe sie alle persönlich kennengelernt: „Den Wepper Fritz, den Lechtenbrink Volker, die Cordula Trantow…“ Die jungen Weppers und Lechtenbrinks waren, wie sie erzählte, nichts für Chamer Mädels. „Die hatten einen Aufseher und durften aus dem Hotel nicht raus.“
Jemand, der mit dem Fotoapparat damals ganz nah dabei war, war Helmtrud Schmitt. „Während die Anwohner dazu angehalten waren, für die Dauer der Dreharbeiten ihre Häuser nicht zu verlassen, war sie ohne Bedenken immer unterwegs“, erinnerte sich ihre Schwester Roswitha Dworzak. Sie wusste, wann welche Schauspieler wo im Einsatz waren, und hat viele Szenen in Bildern festgehalten. Unter anderem gelang ihr ein Schnappschuss von Wepper in einer Drehpause.
„Die Brücke“ in Cham
Drehort: Hauptsächlich gedreht wurde an der alten Florian-Geyer-Brücke beim Chamer Biertor und im Umfeld. Das heutige Bernhard-Wicki-Wäldchen und Filmszenen auf Metallbändern, die an der jetzigen Brücke angebracht sind erinnern an den Film.
Auswahl: Cham wurde als Drehort gewählt, da im Jahr 1959 viele Gebäude noch so aussahen wie bei Kriegsende 1945.
Vorlage: Gregor Dorfmeister verarbeitete im gleichnamigen Roman, der 1958 erschienen ist, persönliche Erlebnisse. Die Handlung spielt in Bad Tölz.
Drehzeit: Ursprünglich waren sechs Wochen geplant. Am Ende wurde von Mitte Mai bis August gefilmt. Wicki ließ sogar einige Bäume im Blickfeld der Kamera entlauben. Chamer waren als Komparsen und Arbeitskräfte bei dem Projekt dabei.

