Hunderte Kleidungsstücke fanden in Waldmünchen ein neues Zuhause

Der Erfolg steht schon fest, als das Mehrgenerationenhaus (MGH) an diesem Tag noch keine halbe Stunde geöffnet ist. Da stapeln sich an der Annahmetheke bereits eine Menge Kleidungsstücke, die fleißigen Helferinnen kommen kaum nach. Und ahnen nicht, dass das nur der Aufgalopp ist. Zu einem arbeitsreichen Abend und einem in vielerlei Hinsicht wundervollen Aktionstag.
„Die Ersten stehen schon vor der Tür“, flüstert Lotta Menholz verschwörerisch kurz bevor Waldmünchens erste Kleidertauschparty am nächsten Morgen ihre Pforten öffnet. Sie ist eine der elf Ehrenamtlichen, die die Idee von Nadine Himmelhuber und Bernadette Gruber mit umsetzen. Letztere hat eine solche Veranstaltung schon einmal in Furth im Wald federführend mitgestaltet und sie dem MGH angetragen.
Gelebte Nachhaltigkeit
Dort lief sie offene Türen ein. Nachhaltig, die Kleidung „im Fluss halt, dazu ein Zusammenkommen, „passt“, sagt Nadine Himmelhuber, die das Projekt von MGH-Seite begleitet und dafür sorgt, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Dass Kleiderbügel und -ständer vorhanden sind, ein Rahmenprogramm – Party eben – von Musik bis Kinderbetreuung den Tag abrundet. Mit ins Boot geholt hat sie vom Team Kristina Schlaegel, der Rest, von Kuchenbacken bis Einweisung, ist Ehrenamt.
Abholen darf Jeder
„Es ist ein Versuch“, betont Nadine Himmelhuber vorsichtig, als die Kleiderannahme öffnet. Deswegen wird auch ein Auge zugedrückt, wenn statt den „erlaubten“ zehn Stücken das ein oder andere Teil mehr mit in den Tüten ist, die über den Tresen wandern. Auch sollte eine Abgabe keine Bedingung sein, sich etwas Neues-Gebrauchtes auszusuchen. „Wir wollen das Ganze ja niederschwellig halten“, betont die Sozialpsychologin in Diensten des Hauses, die sich freut, dass auch Männerkleidung abgegeben wird.
Keine Konkurrenz zu Basaren oder Kleiderstodl
Aus der Erfahrung Bernadette Grubers mit der Further Börse und der Absicht, den Kinderbasaren keine Konkurrenz zu machen, wird nur Erwachsenenkleidung angenommen. Schuhe und Unterwäsche stehen ebenso auf der roten Liste.
Das Angebot an Accessoires und Taschen ist überschaubar, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass sie in der Werbekampagne nicht ausdrücklich genannt wurden. „Aber für so was gibt es ja eine Nachbetrachtung“, betont die „Chefin“. In der wird es auch um die Neuauflage gehen – dass es sie im Herbst geben wird, steht außer Frage.
Welche Kategorie?
Dass es auf eine herausläuft, deutet sich nicht einmal eine halbe Stunde nach Öffnung der Annahme schon an. Die Stimmung ist bestens, es wird viel gelacht, weil bei dem anderen Teil die Zuordnung zu er Kategorie schwierig ist. Mitunter werden neue erfunden, etwa Perlseestrandkleid.
Begeisterte Besucherinnen
„Wunderbar, dass ihr so was anbietet“, ruft eine Frau den Helferinnen zu. Sie hat eine ähnliche Tauschparty schon in Neunburg vorm Wald mitgemacht und findet die Philosophie dahinter toll. Zudem mache das Stöbern Spaß, sagt sie und versichert, bei der Börse selber „natürlich vorbei zu schauen“.
Viel Markenware
Die Börse übertrifft nicht nur mengenmäßig, sondern auch optisch selbst hoch gesteckte Erwartungen von Organisatoren und Besuchern. Zumal der Anteil von Markenmode und hochwertigen Artikeln enorm ist. Etwas, das auch Nadine Himmelhuber herausstreicht. „Du weißt ja nie, was kommt.“
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Und was da dabei ist: Nagelneue Badeanzüge, deren Besitzerin schlicht die Rückgabe-Frist übersehen hatte. Eine ungetragene Trachtenweste, gekauft aus einer Laune im Urlaub, wo sie zum urigen Bergdorf passte, zuhause aber irgendwie nicht. Das Campari-Syndrom (der schmeckt im Urlaub ganz anders). Eine Designerhose mit Original-Etikett, gekauft, weil die Freundin die gleiche hatte.
Kleider erzählen Geschichten
Es sind teils tolle Geschichten oder solche, die zum Schmunzeln anregen, die die fleißigen Frauen zu hören bekommen. Manche Besucherinnen drehen den Spieß um. „Wir denken uns eine Vorbesitzerin und eine Story dazu aus“, verraten zwei Freundinnen kichernd vor einem lila-farbenen Kostüm.
Immenser Aufwand hinter der „Party“
Wesentlichen Beitrag zum Wohlfühl-Flair beim Stöbern leisten Dekoration und Präsentation. Der Großteil auf Bügeln, „damit es nicht nach Ramsch oder Grusch aussieht“. Spiegel, Mutmach-Sprüche („Du bist schön!“). Es ist nur zu erahnen, wieviel Liebe und Zeit die MGH-Heinzelmännchen aufgewendet haben (müssen). Wobei eine Zahl dann doch durchsickert: Bis halb zehn abends hat der harte Kern hergerichtet, damit es am Sonntag morgen pünktlich und geordnet los gehen kann.
Miteinander statt Ellenbogen
Wie schön das Miteinander ist, zeigt sich nicht nur an der Ruhe und Rücksichtnahme, mit der die überwiegend weiblichen Kunden Ständer und Stapel durchsehen. Vor der Umkleidekabine gibt es ehrliche und freundliche Tipps – selbst, wenn man sich nicht oder kaum kennt. Im Offenen Treff spielt Marius Menholz, viele lassen den „Beutezug“ bei Kaffee, Kuchen oder Butterbreze ausklingen.
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Nadine Himmelhuber kommt beim Blick in die Räume gar nicht mehr aus dem Lächeln heraus. „Es ist mega!“ . Menschen so happy zu erleben, sei ein Wohltat. „Das hat uns durch den Tag getragen.“ Denn „viel und lang war es schon“, gibt sie zu, als die Restarbeiten am Montag erledigt sind. Sie fühle sich wie nach einer „echten“ Party.
Malteser und deren Kunden profitieren
Positiver ist die andere Folgeerscheinung namens Begeisterung: Resonanz, Ambiente, Hilfsbereitschaft Engagement. Menschen, die Kleiderständer zur Verfügung stellen, Mode Alex und der Malteser-Kleiderstodl, die Bügel ausleihen. Nicht zu vergessen die Ehrenamtlichen, „ihr seid super!“.
Kaum „Übriggebliebenes“
Zwar hatten die Organisatorinnen angeboten, dass jeder die Teile, die nicht über den Tauschtresen gingen, wieder abholen könne. Gebrauch macht davon niemand. Schlussendlich bleiben ohnehin nur wenige Stücke zurück. Ihr Ende bedeutet das indes nicht: Sie gehen an den Kleiderstodl. Und bekommen so eine zweite, zweite Chance auf ein neues Zuhause.


