Schwerstkranke Patricia aus Waldmünchen will ihre Hündin Ciry behalten

Sie selbst ist schwerst krank und pflegebedürftig. Nach dem Tod ihres Mannes ist Patricia Jachontov aus Waldmünchen (Landkreis Cham) verzweifelt – das Geld ist so knapp, dass es kaum zum Leben reicht. Sie fürchtet, dass sie ihre Hunde abgeben muss.
Patricia Jachontov ist nicht leicht zu finden − dabei ist Höll eigentlich nicht so groß, dass man sich verirren könnte. „Keine Ahnung“, sagt ein Mann, der ziemlich genau da im Hof schweißt, wo laut Navi das Haus der 61-Jährigen stehen sollte. Auch eine Nachbarin weiß nicht so ganz genau, wo Patricia Jachontov lebt. Am Ende deuten die beiden auf das Haus hinter dem Schweißgerät. Es ist alt, halb verfallen – das Dach eingesunken, der Verputz abgeblättert, die Fensterrahmen verwittert – , und hat auf jeden Fall schon viel bessere Tage gesehen, und das vor sehr langer Zeit. „Ja, da wohnt wirklich jemand.“
Ja, da lebt Patricia Jachontov mit ihrem Sohn, der sie pflegt. Neben dem Haus im Garten beim Näherkommen das erste Lebenszeichen: ihre zwei Hunde. Sohn Daniel öffnet die hölzerne Haustür mit der eisernen Türklinke. In der Stube drinnen wartet seine Mutter am Esstisch auf den Besuch – sie ist über einen langen Plastikschlauch mit ihrem Sauerstoffgerät im Schlafzimmer nebenan verbunden. Es riecht nach Ruß – im Kanonenofen brennt ein Feuer. Der Türrahmen zum Schlafzimmer ist mit Matratzen verbaut, um die Wärme in der Stube zu halten. Ein Gehwagen steht neben der schmalen Küchenzeile, der pinkfarbene Toaster ist mit Abstand der modernste Gegenstand im Raum. Dass hier das Geld schon längere Zeit knapp ist, wird nicht erst auf den zweiten Blick deutlich. Seit dem Tod ihres Mannes im Februar aber weiß Patricia Jachontov kaum mehr, wie sie über die Runden kommen soll. Ihre größte Angst: dass sie sich wegen der Geldnot ihre Hunde nicht mehr leisten kann.
Seelenhund Ciry
Seelenhund Ciry, ein Moskauer Wachhund, ist seit acht Jahren ihre treue Gefährtin und hat die gebürtige Augsburgerin Jachontov durch die schwerste Zeit ihres Lebens begleitet. Die riesige Hündin, die einem Bernhardiner ähnelt, leidet an verschiedenen Krankheiten und Allergien und braucht allein im Monat rund 200 Euro für Medikamente und Futter, dazu kommen noch die Ausgaben für den kleinen Windhund-Mix Ruby. „Ohne Hund ist alles sinnlos“, sagt Jachontov. „Ciry ist einfach da, horcht zu, kuschelt... Ich habe ja sonst nicht viele Möglichkeiten, kann nicht weggehen, ich bin ans Haus gebunden.“
Jachontov ist seit Jahren auf den Sauerstoff angewiesen _ tagsüber über das Sauerstoffgerät, nachts über ein Beatmungsgerät. Sie leidet an COPD 4, dem Endstadium der chronischen Lungenerkrankung, verbunden mit einem Lungenemphysem, sie hat Diabetes, einen Bandscheibenvorfall und leidet an Herzinsuffizienz. Zweimal bereits, 2012 und 2015, lag sie nach Lungenversagen im Koma. Dabei pflegte sie seit 2011 zusammen mit ihrem Sohn ihren Mann, der nach zwei Schlaganfällen arbeitsunfähig und auf Pflege angewiesen war.
Deutlich weniger Geld
Heute pflegt Sohn Daniel, 30, die Mutter, der jüngere Sohn lebt bei Hannover. Weil Daniel sie quasi rund um die Uhr pflegt, müssen die beiden nach dem Tod des Vaters von Patricia Jachontovs Witwenrente und der Grundsicherung sowie 340 Euro Pflegegeld leben, das Daniel bekommt. Die Zahlen auf dem offiziellen Behördenbescheid machen der 61-Jährigen Angst. Standen vorher rund 2400 Euro zur Verfügung, so müssen sie nun mit knapp 1000 Euro auskommen – bei gleichen Festkosten. Auf einer GoFundMe-Spendenseite rechnet Jachontov vor, dass ihr nach Abzug von Miete, Strom, Heizung und Nebenkosten am Ende noch 250 Euro zum Leben bleiben. Ein Antrag bei der Tafel auf einen Berechtigungsschein für die Abgabe von Lebensmitteln hatte keinen Erfolg. „Da gibt es schon eine lange Warteliste“, klingt Jachontov demotiviert.
Immerhin: „Wir haben schon Bekannte, die uns helfen, einmal die Woche kommt auch eine ganz liebe Haushaltshilfe“, sagt Jachontov. Doch die Angst davor, dass das Geld am Ende für die Hunde nicht mehr reichen könnte, lässt sie nicht los – auch der Hauptgrund für den Versuch, auf der Spendenseite im Internet um Hilfe zu bitten. 2500 Euro hat ihr Sohn Daniel dort als Spendenziel angegeben – „damit könnte man zumindest ein Jahr lang das Futter und die Medikamente für die Tiere bezahlen“.
Hohe Heizkosten
Dabei sind die Hunde letztendlich nicht ihre einzige Sorge. „Wenn ich nur an den kommenden Winter denke, graut es mir.“Denn di 300 Euro, die sie als Heizkostenzuschuss vom Staat bekommt, reichen bei weitem nicht aus für die rund 1700 Euro, die sie jedes Jahr zum Heizen braucht. Das Haus, viel zu groß, halb verfallen und zugig, ist schlecht zu heizen. Eine neue Unterkunft ist schwer zu finden.
„Die Behörden sagen, ich muss meine Tiere abgeben, dann wäre die Wohnungssuche einfacher. Ich bräuchte eine kleine Wohnung im Erdgeschoss, mit einem kleinen Gartenanteil, oder ein kleines Häuschen.“ Dabei würde Jachontov ungern aus Waldmünchen wegziehen. Der Arzt, der sie seit zehn Jahren kennt, die Apotheke, die die Medikamente liefert, die Bekannten, und einige Nachbarn, die sie unterstützen – all das würde Jachontov nur ungern aufgeben.
Hoffen auf Hilfe durch liebe Menschen
Daniel ist gerade auf der Suche nach einem Teilzeitjob, um zum Pflegegeld etwas dazuzuverdienen. „Das ist ohne Führerschein auch nicht einfach, aber dafür war einfach nie Geld da“, sagt Jachontov, die selbst gelernte Friseurin ist und lange Zeit als Lageristin gearbeitet hat. Als die Familie 1999 einer Freundin in den Bayerischen Wald gefolgt ist, hatten sie sich alles ganz anders ausgemalt. Daniel geht kurz mit Ciry Gassi. Patricia Jachontov bleibt am Küchentisch zurück. „Vielleicht gibt’s da draußen ein paar liebe Menschen, die uns ein kleines bisschen unterstützen würden, damit ich sie behalten kann. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben.“

