Corona-Folgen: Tierhilfe Weiding hat kurz vor Weihnachten kaum noch Platz

Was hat Corona mit überfüllten Tierheimen zu tun? Ziemlich viel, sagt Cathrin Röhricht. Die Leiterin der Tierhilfe Weiding kämpft derzeit mit einer überfüllten Einrichtung. Und die Pandemie ist mit dran schuld.
„Zum einen läuft die Vermittlung schon seit Längerem sehr schleppend“, sagt Röhricht. Während der Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie hatten sich zahlreiche Menschen ein Haustier zugelegt. „Der Markt ist jetzt quasi gesättigt.“ Auf der anderen Seite würden in den letzten Monaten immer häufiger Hunde und Katzen abgegeben, Jungtiere zwischen einem und drei Jahren, die während Corona ein Zuhause gefunden hatten. „Plötzlich muss man doch wieder arbeiten, wer hätte das gedacht, und das Tier ist auf einmal im Weg“, schüttelt Röhricht den Kopf. Dazu komme bei Hunden das Problem: „Während Corona hatten die Hundeschulen zum gerade in der wichtigen Welpenzeit wurde die Erziehung bei den Tieren vernachlässigt. Jetzt sind die Hunde unerzogen und sorgen vielleicht wirklich für Ärger in den Familien.“
Pflicht zur Kastration
Was die vielen Katzen anbelangt, die in diesen Wochen die Tierheime überfüllen, hat Röhricht eine klare Meinung: „Das liegt einfach an der nach wie vor fehlenden Kastrationspflicht.“ Die Politik sei gefragt. „Wenn man sich vorstellt, wie viele Nachkommen ein Katzenpaar allein in einem Jahr produziert. Und das Kätzchen vom Frühjahrswurf kann möglicherweise schon im Herbst selbst erstmals Junge bekommen...“, rechnet Röhricht vor. Die Tierhilfe Weiding versuche seit Jahren, immer wieder mit Aktionen auf das Thema aufmerksam zu machen. So bietet sie Hilfe bei Großbeständen von Katzen, beteilige sich an den Kosten und übernehme in Einzelfällen den logistischen Aufwand, das Einfangen der Tiere, die Fahrt zum Tierarzt, dann wieder den Rücktransport.
Derzeit leben rund 30 Katzen bei der Tierhilfe
Derzeit sind in der Einrichtung in Weiding rund 30 Katzen untergebracht, das jüngste Kätzchen fünf Wochen alt, die Älteste Kätzin, Milli, ist sieben Jahre. Fünf Tiere befinden sich gerade noch in Quarantäne. „Wir können zurzeit leider keine neuen Tiere mehr aufnehmen“, bedauert Röhricht. Auch das sei natürlich schwierig. „Ich verstehe es ja, wenn Leute da auch sauer werden. Ich hatte eine rau am Telefon, da war ich schon die dritte Station, und niemand wollte ihren Findling aufnehmen.“
Dass es seit einiger Zeit nicht nur im Landkreis Cham außergewöhnlich viele Abgabetiere gebe, „Das ist heuer neu, das hatten wir so noch nie, dass wir so viele Anfragen aus Nachbarlandkreisen bekommen.“ So habe die Tierhilfe Weiding schon aus Amberg und Schwandorf Katzen aufgenommen. „Einmal waren es etliche Tiere aus einem Messihaushalt, das andere Mal nach einer Landwirtschaftsübergabe, wo der Hoferbe sich nicht mehr zu helfen wusste.“
Auch so viele Hunde wie nie haben im Moment bei der Tierhilfe vorübergehend ein Zuhause gefunden. hier sucht Röhricht ebenfalls händeringend nach neuen Besitzern. Der dringendste Fall. „Wir haben noch immer zwei Kaukasische Owtscharka-Welpen hier, di stammen aus einem Transport mit ursprünglich sechs Welpen.“
Zwei Welpen suchen Zuhause
Vier Geschwister haben schon ein neues Zuhause gefunden, für die zwei übrigen werden schnellstmöglich neue Herrchen oder Frauchen gesucht. „Das sind Herdenschutzhunde, die werden sehr groß. Wenn die mal ein Jahr alt sind, nimmt die keiner mehr“, ist Röhricht überzeugt. Die Welpen werden nur in hundeerfahren Hände übergeben.
Die Tierhilfe Weiding gibt es seit Februar 2012 und hat sich die Versorgung, Unterbringung und Vermittlung von Fund- und Abgabetieren verschrieben. Seit 2019 engagiert sich der Verein auch in der Rehkitzrettung.
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