Chamer Tafel: Neue Bedürftige kommen seit Monaten wieder nur auf die Warteliste

„Erst diese Woche musste ich eine alte Frau wieder wegschicken“, sagt Johanna Gruber, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Cham-Regen. Bei der Diakonie sind die Abgabescheine für die Chamer Tafel erhältlich. Doch seit mehreren Monaten werden bereits keine neuen Scheine mehr ausgegeben.
110 bedürftige Familien sind bei der Tafel derzeit registriert. Gegen einen Betrag von zwei Euro bekommen Alleinstehende oder auch ganze Familien einmal pro Woche bei der Chamer Tafel am Rindermarkt Lebensmittel, die vorher zumeist von verschiedenen Einzelhändlern und Supermärkten in und um Cham gespendet wurden. Mehr Bedürftige könne man derzeit nicht versorgen – dafür fehle es an Helfern und auch an Spenden, sagt Gruber.
Es wird weniger für die Chamer Tafel gespendet
Bereits kurz nach Beginn des Ukrainekrieges bis Anfang dieses Jahres musste schon einmal ein Aufnahmestopp für neue Berechtigte für die Chamer Tafel verhängt werden. Im März vermeldeten die Verantwortlichen, dass es künftig doch wieder neue Berechtigungsscheine gebe. Jetzt die erneute Kehrtwende.
Christina Weindl ist eine der regelmäßigen Helferinnen bei der Tafel, und sagt: „Seit dem Ukrainekrieg, und erst recht seit der Energiekrise merkt man deutlich, dass weniger gespendet wird.“ Die Händler würden sich wohl nicht mehr so stark bevorraten und ihre eigenen Einkäufe knapper kalkulieren.
Menschen auf der Warteliste sind traurig
So wird die Warteliste auf Abgabescheine seit Monaten länger und länger, bedauert Gruber. „Die Menschen sind traurig und frustriert, wenn ich ihnen nicht helfen kann. Die kommen mit ihren Unterlagen, um ihre Bedürftigkeit nachzuweisen, und alles hat seine Richtigkeit, trotzdem kann ich ihnen keinen Schein geben.“
Inzwischen hat sie sich in ihrem Büro einen kleinen Vorrat mit Kaffee und anderen Gütern des täglichen Bedarfs angelegt, damit sie den Leuten wenigstens etwas mit auf den Weg geben kann.
Unter den Berechtigten befänden sich natürlich auch Familien aus der Ukraine. „Wenn ich dann höre, dass die mit dicken Autos bei der Tafel vorfahren und sie sich doch augenscheinlich ein fettes Fahrzeug leisten könnten, muss ich mich ärgern“, sagt Gruber. Denn die Menschen hätten sich natürlich mit ihrem Auto auf die Flucht begeben, „deswegen haben sie jetzt aber bei uns manchmal eben trotzdem kaum das Nötigste zum Leben“, erklärt Gruber.
Zukaufen ist bei der Tafel schwierig und zeitaufwändig
Eine weitere Hürde ist seit der Corona-Pandemie höher geworden: „Wenn wir beispielsweise Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände von Spendengeld zukaufen wollen, brauchen wir dafür viel länger. Versuchen Sie einmal, 100 Packungen Waschmittel oder Speiseöl zusammenzukaufen“, erläutert Christina Weindl, deren Mann oft als Tafel-Fahrer aushilft. Oft müsse man zehn und mehr Geschäfte anfahren, um die gesuchten Waren zusammenzuhaben – denn viele Geschäfte hätten wegen der Hamster-Erfahrungen während der Pandemie, aber auch wegen knapperer Einkaufskalkulation bei etlichen Produkten eine Abgabebeschränkung.
Der Tafelladen befindet sich am Rindermarkt 8; Berechtigungsscheine für die Tafel gibt es normalerweise im Büro des Diakonischen Werkes, Ludwigstraße 7, derzeit gibt es allerdings bereits eine längere Warteliste auf einen der begehrten Scheine.
Ökumenisches Projekt Tafel: „Wir Christen machen das“
Die „Chamer Tafel“ ist als ökumenisches Projekt der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Cham in Kooperation mit Caritas und Diakonie für die Menschen im Landkreis ins Leben gerufen worden, die mit jedem Cent rechnen müssen – nach dem Motto: „Wir Chamer Christen machen das…!“
Wer die Chamer Tafel mit Spenden unterstützen möchte, kann das über IBAN: DE 04 7425 1020 0052 0431 89.

