Schutzwohnung der Diakonie im Landkreis ist ständig belegt – Aber es fehlt nicht nur an Geld

Gibt es schon bald ein Frauenhaus im Landkreis? Das Gerücht hält sich hartnäckig – sogar Mitarbeiter der Diakonie, die eine entsprechende Beratungsstelle betreibt, haben schon davon gehört und wurden von Kollegen aus Weiden darauf angesprochen. Tatsache ist: Der Bedarf für eine solche Einrichtung wäre gegeben, sind sich die Fachstellen einig.
Indes: Es scheitert am Geld und an der Trägerschaft. „Das würde den Etat total sprengen“, sagt Johanna Gruber , Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Cham-Regen, unter dessen Dach seit einem Jahr die Fachberatungsstelle für gewaltbetroffene Frauen und Kinder ihr Zuhause hat.
Zu wenig Mittel
Auch eine Schutzwohnung wird von der Diakonie seit vergangenem Jahr betrieben. Und die ist von Anfang an ständig belegt.
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Ein Frauenhaus, wie es auch die Grünen im Kreistag beantragt hatten, wäre also nicht nur wünschenswert, sondern durchaus notwendig. Doch nicht nur die notwendigen finanziellen Mittel stehen dafür derzeit nicht bereit – „wir bekämen auch kein Personal dafür“, stellt Gruber klar. Für ein Frauenhaus wäre ein enge Betreuung von ausgebildeten Sozialpädagogen erforderlich – und entsprechendes Fachpersonal ist derzeit nicht zu bekommen. Allein in der Beratungsstelle wechseln sich drei Frauen für die 80 Fachkraftstunden ab und betreuen dabei die Bewohner der Schutzwohnung mit. Zwei Halbtags- und eine Vollzeitbeschäftigte teilen sich de Aufgaben. „An Personal für ein Frauenhaus, brauchen wir gar nicht zu denken“, so Gruber.
Schutzwohnung ausgelastet
Dabei zeigt die Auslastung der Schutzwohnung den Bedarf im Landkreis an: Vor Kurzem ist die vierte hilfesuchende Frau in die Wohnung mit unbekanntem Standort im Landkreis eingezogen. „Die Wohnung ist immer belegt, zieht eine Frau aus, steht die nächste schon in den Startlöchern. Ich komme kaum dazu, dazwischen die Wohnung durchzuchecken“, erzählt Gruber.
Die Wohnung sei für Mütter mit bis zu vier, fünf Kindern ausgelegt, bis zu drei Monate lang sollen Hilfesuchende in geschützter Umgebung eine Unterkunft finden. „In einem Fall war es heuer ein bisschen länger, weil sich die Wohnungssuche schwieriger gestaltet hat“, sagt Gruber. Ziel der Einrichtung ist es, für eine Übergangszeit Logie zu bieten, in der sich die Frauen neu orientieren und sich eine eigene Wohnung suchen können. „Oft müssen die Frauen einfach schnell aus ihrer schlimmen Situation heraus“, betont Gruber.
Bedarf für zweite Wohnung
Oft sind Kinder mit betroffen. Zweimal war in diesem Jahr eine Mutter mit einem Kind in der Schutzwohnung, eine Bewohnerin hatte zwei Kinder mit sich. „In der Regel ist es so, das die Frauen wissen, sie müssen weg, sich dann bei den Fachstellen melden und dann gemeinsam planen,“
Auch eine zweite Wohnung wär, schätzt Gruber, im Landkreis ständig belegt. Doch die öffentlichen Mittel gäben das einfach nicht her. Größter Geldgeber ist er Landkreis Cham, die Regierung von Mittelfranken stellt Fördergelder bereit, und zehn Prozent Eigenanteil muss die Diakonie leisten. „Deshalb sind wir auch für Spenden dankbar“, sagt Gruber.
Gewalttaten im Landkreis
Durchschnittlich alle drei Tage wird im Landkreis Cham ein Fall von häuslicher Gewalt gemeldet. Und das sind nur die bei der Polizei angezeigten Vorkommnisse. Bundesweit, so eine Schätzung der Frauenhäuser in Deutschland, fehlen rund 15000 Plätze. Das nächstgelegene Frauenhaus ist in Regensburg und verfügt über zwölf Plätze für Frauen i und ihre Kinder. Auch hier sind die Räume stets durchgehend belegt – übrigens auch mit Hilfesuchenden aus dem Landkreis Cham. 2022 musste das Autonome Frauenhaus Regensburg eigenen Angaben zufolge 134 Frauen, die um einen Platz baten, weiterschicken.
Hilfe in der Not
Fachberatungsstelle: Die Fachberatungsstelle für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder gibt es seit dem 1. Dezember 2022 im Landkreis. Die Fachkräfte beraten Frauen und Mädchen aus dem Landkreis Cham, die von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen sind. Zudem bieten sie Informationen und Beratung für Angehörige und professionelle Unterstützer an.
Kontakt: Hilfe gibt es unter Telefon (09971)9948 017
Spenden: Die Diakonie als Betreiber der Fachberatungsstelle und der Schutzwohnung ist auf Spenden angewiesen: IBAN DE47 7425 1020 0120 1345 72