Ministerpräsident soll auf dem Rossmarkt sprechen – Söder-Zusage sorgt für Zündstoff in Berching

Söder, Kaniber, Herrmann, Seehofer, Schmidt, Aigner, Stamm: Seit Jahrzehnten bietet der Berchinger Rossmarkt CSU-Politikern eine große Bühne. Dieses Monopol wollten die Freien Wähler für 2025 auflösen. Vergebens. Die Begründung, warum Ministerpräsident Markus Söder am 5. Februar zum fünften Mal als Hauptredner sprechen soll, findet der FW-Fraktionsvorsitzende Lothar Bierschneider „lachhaft“.
Zusammen mit den zwei FW-Stadträtinnen Petra Merkert und Sieglinde Hollweck hatte Bierschneider Anfang Oktober in einem Schreiben an Bürgermeister Ludwig Eisenreich den Antrag gestellt, im kommenden Jahr als Hauptredner einen Vertreter der Freien Wähler einzuladen. Vorzugsweise Hubert Aiwanger als stellvertretendem Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister. Alternativ Umweltminister Thorsten Glauber.
Denn auch die Freien Wähler sind Teil der bayerischen Staatsregierung, argumentieren die drei Berchinger Stadträte. Und Aiwanger ist angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage nach Angaben des Fraktionsvorsitzenden Lothar Bierschneider ein wichtiger Ansprechpartner. „Hubert Aiwanger würde als Hauptredner gerne zur Verfügung stehen“, schreiben die Berchinger Freien Wähler in ihrem Antrag.
In den vergangenen Jahren besuchte der stellvertretende Ministerpräsident das größte Wintervolksfest Bayerns zwar, spielte aber immer nur eine Nebenrolle. Statt auf die große Bühne durfte Aiwanger nur auf das kleine Podest, von dem aus die Pferde kommentiert werden. Auf der mit CSU-Politikern gespickten Hauptbühne fehlte Aiwanger.
Rossmarkt 2025: Ministerpräsident Markus Söder ist Hauptredner
Das wird aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr so sein. Wie Rossmarkt-Organisator Reinhard Buchberger mitteilt, habe er aus dem Büro des Ministerpräsidenten mitgeteilt bekommen, dass Markus Söder als Hauptredner auf dem Rossmarkt 2025 sprechen werde.
Der Antrag der Freien Wähler ist damit verpufft. Bürgermeister Ludwig Eisenreich hatte Bierschneider schriftlich geantwortet, dass nicht die Stadt entscheide, wer als Redner komme. Seit der Ära Seehofer lade die Stadt ausschließlich den Ministerpräsidenten ein. „Nur, wenn der Ministerpräsident keine Zeit hat, schickt er einen anderen Redner aus der Ministerriege“, hatte Eisenreich Bierschneider geschrieben. Wen er schicke, entscheide der Ministerpräsident. „Wir haben da keinen Einfluss darauf“, so Eisenreich.
Diese Aussage sei lachhaft, reagiert Bierschneider auf Eisenreichs Begründung. „Da fühle ich mich veräppelt.“ Denn er glaube nicht, dass der Ministerpräsident bestimme, wer bei einer Veranstaltung der Stadt Berching spricht. Dann wäre die Stadt bei ihrer Veranstaltung nicht mehr Herr im eigenen Hause, so Bierschneider. Unterstützung bekommt er in dieser Hinsicht von Franz Donhauser (DFB): „Es ist lächerlich, dass sich der Bürgermeister so herausredet.“
Berching: Rossmarkt ist das größte Wintervolksfest Bayerns
Nach Angaben von Buchberger, der in der Verwaltung die Großveranstaltung federführend organisiert und in Abwesenheit von Eisenreich zu unserer Presseanfrage Stellung bezieht, erfolgte die Einladung der Redner bisher folgendermaßen: Der Bürgermeister überlege, wen er einlade. Das könne der Ministerpräsident sein, müsse es aber nicht. „Dann wird über Abgeordnete, zum Beispiel über Albert Füracker, der Kontakt hergestellt, vermute ich“, schildert Buchberger. Er selbst sitze bei dieser Entscheidungsfindung nicht mit im Boot. Der Bürgermeister informiere ihn lediglich, wenn er die Zusage des Hauptredners habe. „Dann bereiten wir das offizielle Einladungsschreiben vor“, sagt Buchberger.
Rossmarkt in Berching: Nur CSU-Politiker als Hauptredner geladen
In den vergangenen 50 Jahren hat die Stadt ausschließlich CSU/CDU-Politiker eingeladen. Einzig 1987 stellte eine Ausnahme dar: Damals sprach mit Rudolf Schnieders der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes.
Dass die CSU beim Rossmarkt dominiert, nehmen die anderen Stadtratsfraktionen in Berching gelassener als die Freien Wähler. „Mir ist eigentlich egal, wer spricht“, sagt Günter Mirwald, Sprecher der Sozialdemokraten im Stadtrat. „Ich bin Traditionalist“, sagt Mirwald. Und Tradition sei, dass ein Politiker der CSU spricht. „Das sollte man beibehalten“, sagt Mirwald, der übrigens kein SPD-Mitglied ist.
Auch DFB-Sprecher Franz Donhauser habe in diesem Fall nichts zu beanstanden. „Wer spricht, fällt meines Wissens in die Entscheidungsbefugnis der Verwaltung.“ Man müsse akzeptieren, dass die Entscheidung immer eine parteipolitische Komponente haben werde, auch wenn es streng genommen an der Funktion der hochrangigen Politiker hänge – und nicht an der Parteizugehörigkeit. „Dass eine CSU-geführte Gemeinde in einem Wahljahr keine andere Fraktion sprechen lässt, ist auch klar“, sagt Donhauser.
In das gleiche Horn bläst CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Höffler: „Der Ministerpräsident wird keinen Redner einer anderen Partei schicken. So realistisch muss man sein.“ Höffler hat die Diskussion zwar mitbekommen, will sich aber nicht einmischen. Für viele Berchinger sei die politische Kundgebung ohnehin zweitrangig. „Für uns steht beim größten Wintervolksfest das gesellschaftliche Erlebnis im Vordergrund“, so Höffler.