10.000 Zuschauer drängen sich beim Berchinger Rossmarkt, um Pferde und Politiker anzuschauen

Von Wolfgang Endlein · 7. Februar 2024 um 14:33

Der Berching Rossmarkt stand in diesem Jahr im Zeichen der Bauernproteste in den Wochen zuvor. Die Polizei war mit großem Aufgebot vor Ort, zumal drei Minister ihr Kommen angekündigt hatten. Vor allem aber kamen Tausende Besucher und 93 Pferde. Eine Bilanz des für die Stadt großen Tages

Man kann beim Berchinger Rossmarkt schon häufiger dabei gewesen sein und dennoch noch immer die Nervosität spüren. Sieben Mal war Michaela Hajdini zu Pferde dabei. Trotzdem: „Gestern hat meine Mama zu mir gesagt: ,Heute ist doch noch gar nicht der große Tag!’“, sagt die Sengenthalerin, die sich und Stute Alexa seit Tagen intensiv vorbereitet hat. Schließlich reitet man nicht jeden Tag unter den Augen von Tausenden Zuschauern in Berching ein.

In der Spitze sind es laut Polizei bis zu 10000 Besucher, die sich in Berching eingefunden haben. Die Nummernschilder auf den schon am frühen Morgen gut gefüllten Parkplätzen am Rande der Altstadt zeigen: Der Rossmarkt lockt Menschen weit jenseits der Landkreis-Grenzen an.

Fieranten gehören zum Rossmarkt in Berching dazu

Neben den Pferden sind es die vielen Fieranten mit ihren Ständen und unterschiedlichsten Produkten, die zum Rossmarkt dazugehören. Von Pferdehaarbürsten über Ledergürtel und Gurkenhobel bis hin zu Schuhreinigungsmittel, die wahre Wunder bewirken sollen, gibt es allerlei Praktisches, Altmodisches und Wunderliches.

Schauen Sie rein: Impressionen vom Berchinger Rossmarkt zeigt diese Bildergalerie.

Und dann wären da auch noch die Rossbratwürste und Rossknacker, die sich viele Menschen als Spezialität des Tages schmecken lassen. In Zeiten rasant steigender Preise muten die zwei Euro, die meist für eine Wurstsemmel aufgerufen werden, wie aus einer anderen Zeit an.

Das passt, schließlich beruft sich der Rossmarkt laut Stadt auf eine mehr als 300 Jahre alte Tradition. Einst als Gesundheitsbeschau der wirtschaftlich so wichtigen Pferde gedacht, ist der Rossmarkt längst eine Veranstaltung, bei der es vor allem um das Sehen und Gesehen werden der Pferde, aber vor allem der Menschen geht. Die Wirtshäuser rund um den Reichenau- und Pettenkoferplatz sind schon am Morgen gut gefüllt. Immer wieder hört man erfreute Ausrufe, wenn sich alte Bekannte die Hände schütteln.

Es ist der Austausch mit Menschen, der Michaela Hajdini unter anderem zum Rossmarkt lockt. „Ich freue mich, wenn man mit Unbekannten ins Gespräch kommt und viele Fragen gestellt bekommt“, sagt sie, die in der Gollermühle bei Sengenthal einen Pferdehof betreibt.

93 Pferde und 49 Pferdehalter präsentieren sich beim Rossmarkt

Öffentlichkeitsscheu darf man als Pferd und Pferdehalter an diesem Tag nicht sein. Unzählige Handy-Kameras sind auf einen gerichtet. Menschen rücken einem nah aufs Fell. „Man kann nicht jedes Pferd mit hierher nehmen“, sagt Hajdini. Ihre Stute Alexa nimmt den Trubel in den engen Gassen um sie herum gelassen hin.

Wie überhaupt die insgesamt 93 Pferde an diesem Tag einen ruhigen Auftritt hinlegen. Alle erdenklichen Größen sind darunter zu finden. Kleine Ponys lassen die Zuschauer schmunzeln und die großen bis zu einer Tonne und mehr schweren Kaltblüter staunen. Auch seltene Rassen wie das norwegische Fjordpferd klappert mit seinen Hufen über das Kopfsteinpflaster.

Gustl und Muck sind auch dabei. Mal wieder. Ganz so viele Jahre wie ihr Halter Walter Weismann aus Langenthonhausen (Gemeinde Breitenbrunn) bringen sie aber noch nicht zusammen. „Da müsste ich rechnen“, antwortet er auf die Frage, wie viele Jahre er schon beim Rossmarkt mitmacht. „Vielleicht um die 40 Jahre.“

Weismann ist eine Hausnummer in der „Rosserer“-Szene, von der in Berching auch andere bekannte Namen und Gesichter wie Hans Luber aus Pollanten (Gemeinde Berching) oder Heinz Lehneis aus dem Nürnberger Knoblauchsland zu sehen sind.

CSU hat die Bühne beim Rossmarkt fest im Griff

„Es ist einfach eine gemütliche Sache hier“, sagt Weismann über den Rossmarkt. Was aber auch bei ihm nicht bedeutet, dass er völlig entspannt anreist. Seine beiden Kaltblut-Hengste Gustl und Muck wollen herausgeputzt werden. „Der will immer die Schönsten haben“, ruft ihm ein anderer Pferdehalter im Vorbeigehen neckisch zu. Es ist ein wunder Punkt an diesem Tag für Weismann: Einer der Hengste hat seinen mühsam weiß gewaschenen Pferdeschwanz, nun ja, auf natürliche Weise farblich verändert. Das fuchst Weismann.

Politisch herrscht an diesem Tag in Berching einmal mehr vor allem die Farbe Schwarz vor. Die Mehrheit der Politiker, die sich traditionell dem Volk präsentieren, hat das CSU-Parteibuch. Auf der Bühne fällt der Neumarkter FDP-Bundestagsabgeordnete Nils Gründer daher umso mehr auf. Er lässt die scharfe Kritik der Hauptrednerin, Bayerns Landwirtschaftministerin Michaela Kaniber, an der Ampelkoalition (siehe Bericht auf Seite 9) wortlos über sich ergehen.

Hubert Aiwanger ließ sich beim Rossmarkt in Berching auch blicken

Ein anderer hält sich ebenfalls mit öffentlichen Worten zurück, ist aber präsent – wie so oft in den vergangenen Wochen, wenn es um die Proteste von Landwirten gegen die Politik der Bundesregierung ging. Bayerns Wirtschaftsminister und Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger zeigt sich zu Beginn des Pferdeauftriebs auf einer Nebenbühne, bei Kanibers Rede auf der Hauptbühne ist er schon wieder weg.

Dort ist viel von den Protesten der Landwirte zu hören. Demonstrierende Bauern selbst sind in der Altstadt aber nicht zu sehen. Lediglich ihr Hupen vom Rande der Altstadt her ist zu vernehmen.

Es ist viel los an diesem Tag in Berching. Umso zufriedener fällt das Fazit der Polizei aus, die nach eigenen Angaben mit starken Kräften vor Ort ist. Eingreifen muss sie nicht. Es blieb alles geordnet und störungsfrei, wie die Inspektion Neumarkt mitteilt.

Dicht an dicht standen die Reihen der Zuschauer in Berchings Innenstadt, um den Auftrieb beim Rossmarkt zu verfolgen. Foto: Endlein
Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) war die Hauptrednerin beim Berchinger Rossmarkt 2024. Foto: Endlein
Zum Rossmarkt in Berching gehört auch ein umfangreicher Markt mit zahlreichen Ständen unterschiedlicher Händler. Foto: Endlein
Michaela Hajdini aus Sengenthal war mit ihrer Stute Alexa nach Berching zum Rossmarkt gekommen. Foto: Endlein
Walter Weismann (Mitte) ist ein Urgestein unter den Rosserern, die jährlich zum Rossmarkt in Berching kommen. Foto: Endlein