Erste Details zu Schießerei in Neutraubling: „Szenen wie im Wilden Westen“

Nach Schüssen im Wohngebiet: Kripo nimmt weiteren Mann (26) fest, Richterin erlässt Haftbefehl wegen Mordversuchs. Nun gibt es erste neue Details in dem Fall in Neutraubling. Die Mordermittler geben sich weiter sehr bedeckt.
Mitte September wird mitten in einem Neutraublinger Wohngebiet scharf geschossen – am Mittwoch hat die Kripo einen fünften Tatverdächtigen verhaftet. Wie seine vier mutmaßlichen Komplizen, die bereits kurz nach der Tat gefasst wurden, sitzt auch der 26-Jährige nun wegen Mordversuchs im U-Haft. Indes gibt es erste Details zu dem Vorfall, der eine ganze Stadt schockierte. Mit den Ermittlungen Vertraute sprechen gar von „Szenen wie im Wilden Westen“.
Kurz vor 22 Uhr werden dem Polizeinotruf am 17. September Schüsse auf offener Straße gemeldet. Zweimal wird ein 45-Jähriger im Bein getroffen, kommt sofort in ein Krankenhaus. Tatort ist die Schlesische Straße in Neutraubling, wohin sofort ein Großaufgebot der Polizei ausrückt. Nur wenig später läuft die Fahndung bereits auf Hochtouren: Über den Dächern der größten Stadt im Landkreis Regensburg kreist ein Polizeihubschrauber, Einsatzkräfte riegeln die Straßen ab. Die Kripo übernimmt noch in der Nacht die Tatortarbeit an einem Mehrfamilienhaus.
Am Morgen darauf stürmt ein Spezialeinsatzkommando in Neustadt an der Donau ein Haus und nimmt zwei 21-Jährige fest. Sie kommen in U-Haft, ein dritter Mann, der bei einer Fahrzeugkontrolle verhaftet wird, kommt frei. Das Bild, das sich Ermittlern am Tatort in der Schlesischen Straße offenbart, zeigt, dass es hier wohl um alles oder nichts gegangen sein muss. Mindestens sechs Mal ist, davon zeugen Einschusslöcher, geschossen worden. Und: Allesamt befinden sie sich auf Kopfhöhe im Glas und der Wand dahinter.
Erste Details, was am 17. September geschah
Viel war zunächst nicht bekannt zu dem Fall. Die Kripo hielt sich bedeckt, um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden. Zumal alle Beteiligten offenbar schwiegen. MZ-Recherchen zeigen, dass mittlerweile etwas mehr Licht im Dunkel ist. Zunächst soll es wohl zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Erst danach fiel ein Schuss, woraufhin der mutmaßliche Geschädigte wohl zurückgeschossen haben könnte – allerdings mit einer Schreckschusspistole. Dann, so Ohrenzeugen, folgte eine Salve mit mehreren Schüssen, ehe ein Auto vom Tatort weggerast sein soll.
Nichts davon wollten Polizei oder Staatsanwaltschaft bestätigten, verwiesen lediglich auf laufende Ermittlungen. Dabei geht es um gemeinschaftlich versuchten Mord sowie gefährliche Körperverletzung. Nach der Festnahme eines 31-Jährigen auf seiner Flucht in Bosnien und eines 32-Jährigen, der sich fast zeitgleich selbst gestellt hatte, ist seit gestern ein fünfter mutmaßlicher Täter inhaftiert: Der 26-Jährige soll nach MZ-Informationen aus Riedenburg (Landkreis Kelheim) stammen, wo die Mordermittler der Kripo am Mittwoch auch mehrere Wohnungen durchsuchten. Der Anwalt des Mannes, Strafverteidiger Jörg Meyer aus Regensburg, wollte sich nicht äußern. Nur so viel: „Der Mandant schweigt auf mein Anraten hin.“
Flüchtete Schütze zunächst zu Fuß vom Tatort?
Der Schütze, der am 17. September abdrückte, soll nach jüngsten Erkenntnissen der Mordermittler offenbar erst zu Fuß vom Tatort geflüchtet sein, hieß es. Unweit der Schlesischen Straße soll er danach aber wieder in das Auto gestiegen sein, ehe die Männer das Weite suchten. Spezialisten des Landeskriminalamts hatten sich kurz nach dem Vorfall selbst ein Bild vor Ort gemacht und unterstützen die Ermittler aus Regensburg.
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Was also der Auslöser dieser Eskalation von Waffengewalt war, ist offenbar weiterhin unklar. Wie MZ-Recherchen zeigten, sollen sich der verletzte 46-Jährige und mindestens einer der wohl fünf Kontrahenten gekannt haben. Und: Sie hatten sich an jenem Dienstagabend verabredet, um einen Streit zu klären. Ob es dabei um Familiäres oder – wovon die Ermittler eher ausgehen – womöglich um Geld oder gar Drogengeschäfte ging, könnten womöglich Handy-Chats aufklären. Bei Zugriffen wurden mehrere Geräte beschlagnahmt und werden von der IT-Forensik ausgewertet.
Rätsel um die Tatwaffe von Neutraubling
Ob die Schusswaffe, mit der am 17. September auf den 45-Jährigen gefeuert wurde, mittlerweile gefunden wurde, wollte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher nicht beantworten: „Das sind verfahrensrelevante Informationen, die wir nicht preisgeben dürfen.“ Der Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte gestern aber, dass es eine fünfte Festnahme gab. „Der Mann ist auch in U-Haft.“

